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Das Ende der dynamischen Kursgewinne?

Ausgabe vom 10.08.2017

Vor rund zwei Wochen ging die Börse-Intern in die alljährliche Sommerpause. Heute melden wir uns wieder zurück. Und wenn man nur grob auf die Marktentwicklungen schaut, könnte man fast meinen, in der Zwischenzeit sei nicht viel passiert.

Die jüngsten Wirtschaftsdaten haben die bisherige Markteinschätzung bestätigt. Damit sind auch die Erwartungen an die Geldpolitik unverändert. Und so verwundert es kaum, dass die Aktienkurse gemessen an den Indizes in den wichtigsten Regionen meist lediglich seitwärts tendierten. Der Euro hat derweil seine steile Aufwärtsbewegung beendet. - Willkommen im Sommerloch! Wirft man allerdings einen Blick auf die Details, so erkennt man doch interessante Entwicklungen.

Neue Hinweise auf die zukünftige Geldpolitik der US-Notenbank

Die US-Notenbank hat auf ihrer jüngsten Sitzung am 26. Juli wie erwartet keine Änderungen an den geldpolitischen Maßnahmen beschlossen. Im schriftlichen Statement zum Zinsentscheid gab es jedoch Hinweise auf den zukünftigen Zeitplan. Statt, wie im Juni formuliert, die Reinvestitionen aus den Anleihebeständen der Notenbank grundsätzlich beizubehalten, will sie dies nach dem neuen Wortlaut nur noch „im Moment“ tun („for the time being“). Im Juni prognostizierte die Fed den Beginn der Bilanznormalisierung „in diesem Jahr“. Nun will sie damit „relativ bald“ starten.

Daraus kann man Schlussfolgern, dass auf der nächsten Sitzung im September (19./20.) die konkreten Beschlüsse zur Bilanzreduzierung gefasst und veröffentlicht werden. In der dann auch wieder stattfindenden Pressekonferenz (auf der jüngsten Sitzung gab es planmäßig keine) kann Fed-Chefin Janet Yellen die Modalitäten ausführlich erläutern. Daher ist dieser Starttermin auch organisatorisch sinnvoll. Bislang wurde der Start der Bilanzreduzierung zum Beginn des Jahres 2018 erwartet. Nach dem aktuellen Wortlaut des Statements ist auch ein früherer Startermin denkbar. Vielleicht schon zum Start des dritten Quartals 2017, also ab 1. Oktober.

Das Ende der dynamischen Kursgewinne

Vor diesem Hintergrund wird ein Ende der dynamischen Kursgewinne in den US-Indizes immer wahrscheinlicher. Denn der Zeitpunkt, an dem die US-Notenbank dem Markt die bisher so wichtige und kurstreibende Liquidität langsam entzieht, rückt immer näher. Durch das behutsame Vorgehen der Notenbanken wird dabei sicherlich kein Crash am Aktienmarkt ausgelöst. Und auch eine übergeordnete Trendwende ist nicht zu erwarten. Aber der zukünftige Kursanstieg dürfte sich nicht im bisherigen Tempo fortsetzen und von scharfen Rücksetzern unterbrochen werden. Solche Rücksetzer haben wir auch jüngst bereits gesehen. Und die Saisonalität spricht dafür, dass sie sich in den kommenden Tagen und Wochen noch häufen werden.

US-Indizes auf Allzeithoch, DAX auf neuem Korrekturtief

Bislang halten sich die US-Indizes aber immer noch sehr stabil. Der Dow Jones Industrial konnte in den vergangenen Tagen sogar zehn Mal in Folge ein neues Allzeithoch erklimmen, am Dienstag bei 22.179,11 Punkten (Start der Serie = grüner Pfeil im Chart).

Dow Jones - Chartanalyse

Doch dann folgte an diesem Tag einer der besagten scharfen Rücksetzer. Dennoch wurde mit der beeindruckenden Gewinnserie noch offensichtlicher, dass sich der DAX und die US-Indizes in verschiedene Richtungen bewegen (siehe folgender Chart). Seit dem Hoch vom 20. Juni bei 12.951,54 Punkten hat der DAX rund 6 % verloren. Die US-Indizes konnten derweil neue Hochs erklimmen.

Vergleich der Aktienindizes

Und daran scheint nicht mehr nur der starke Euro schuld zu sein. Denn der hat inzwischen seine steile Aufwärtsbewegung beendet und wieder leicht nachgegeben. Trotzdem ist der DAX weiter gefallen und die US-Indizes sind auf neue Allzeithochs gestiegen. Hier dürfte vielmehr die sich zuspitzende Lage der deutschen Autobauer negativ auf den heimischen Gesamtmarkt durchgeschlagen sein.

DAX im Abwärtstrendkanal

Wir haben aber am Dienstag im Handelsverlauf auch einen erneuten Vorgeschmack darauf bekommen, dass auch die US-Indizes durchaus korrekturanfällig sind und sehr schnell dynamische Verluste entstehen können. Ich erwarte aufgrund der Saisonalität, dass es in den kommenden Wochen in den US-Indizes ebenfalls zu einer deutlichen Korrektur kommt. Das würde allerdings für den DAX selbst bedeuten, dass sich auch hier die Verluste noch ausweiten.

Bislang hat sich der Index an unseren Fahrplan gehalten. „Solange die Kurse unterhalb der rot gestrichelten Linie bleiben, ist mit einem weiteren Korrekturtief zu rechnen“, hieß es in der letzten Ausgabe der Börse-Intern vor der Sommerpause. Tatsächlich konnte der deutsche Leitindex die Mittellinie des Abwärtstrendkanals nicht nachhaltig überwinden, weil er diese exakt am Kreuzwiderstand mit den Zwischentiefs von Ende Juni bzw. Anfang Juli ansteuerte (roter Pfeil im Chart). Und so kam es zu einem erneuten Anlauf auf die untere Linie des kurzfristigen Abwärtstrendkanals und damit zu einem neuen Korrekturtief.

DAX - Chartanalyse

Dann stabilisierten sich die Kurse allerdings (grüner Pfeil) und es etablierte sich bei rund 12.100 Punkten eine solide Unterstützung (grüne Linie). Nach oben hin festigte sich aber auch der Widerstand bei ca. 12.320 Punkten. Und so kam es zu der eingangs erwähnten zweiwöchigen Seitwärtsbewegung.

Heute wurde diese nach unten verlassen, womit sich eine Fortsetzung der Korrektur andeutet. Damit scheint auch der Kampf um den seit mehr als einem Jahr gültigen Aufwärtstrendkanal (gelb im folgenden Chart) verloren zu gehen (roter Pfeil).

DAX - Target-Trend-Analyse

Aus Sicht der Target-Trend-Methode ist die zweiwöchige Seitwärtstendenz ein idealtypisches Pendeln um die Mittellinie bei 12.235 Punkten. Dabei haben Bullen und Bären ihre Kräfte gemessen. Mit dem heutigen Kursrutsch wurde nach der klassischen Charttechnik der Aufwärtstrend nun nachhaltig gebrochen (roter Pfeil). Nach der Rechteckmethode wird das nächste bearishe Signal erst generiert, wenn der DAX das aktuelle Rechteck nach unten verlässt, also unter die 11.880 Punkte Marke fällt.  

DAX-Korrektur könnte vor dem Ende stehen

Die US-Indizes zogen aber bislang kaum mit, weshalb die Situation für den DAX noch nicht allzu dramatisch ist. Zumal auch noch die runde Marke von 12.000 Punkten als psychologisch wichtige Anlaufmarke und Unterstützung dienen kann. Tatsächlich lag das heutige Tief bislang mit 11.993,73 Zählern ziemlich exakt an der runden Marke. Wenn die US-Indizes also nicht bald mit einer Korrektur nachziehen, sondern stattdessen sogar in Kürze wieder neue Allzeithochs anstreben, könnte die Korrektur im DAX im größeren Bereich der 12.000er Marke enden.

Ziehen die US-Indizes bald nach?

Angesichts des mittel- und langfristig stark überkauften Zustands der US-Indizes ist es aber wahrscheinlich, dass es auch dort bald zu einer Korrektur kommt. Zumal die saisonal schwache Zeit begonnen hat.

Dow Jones - durchschnittlicher Kursverlauf in US-Nachwahljahren

Vielleicht ist es kein Zufall, dass die US-Indizes S&P 500 und Nasdaq100 ausgerechnet seit Ende Juli keinen Schwung mehr haben und zuletzt nur noch die eher defensiven Schwergewichte aus dem Dow Jones noch zulegen konnten. Denn in US-Nachwahljahren beginnt genau Ende Juli die saisonale Schwächephase.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhaus
www.stockstreet.de


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Das Ende der dynamischen Kursgewinne?

von Sven Weisenhaus

Vor rund zwei Wochen ging die Börse-Intern in die alljährliche Sommerpause. Heute melden wir uns wieder zurück. Und wenn man nur grob auf die Marktentwicklungen schaut, könnte man fast meinen, in der Zwischenzeit sei nicht viel passiert.

Die jüngsten Wirtschaftsdaten haben die bisherige Markteinschätzung bestätigt. Damit sind auch die Erwartungen an die Geldpolitik unverändert. Und so verwundert es kaum, dass die Aktienkurse gemessen an den Indizes in den wichtigsten Regionen meist lediglich seitwärts tendierten. Der Euro hat derweil seine steile Aufwärtsbewegung beendet. - Willkommen im Sommerloch! Wirft man allerdings einen Blick auf die Details, so erkennt man doch interessante Entwicklungen.

Neue Hinweise auf die zukünftige Geldpolitik der US-Notenbank

Die US-Notenbank hat auf ihrer jüngsten Sitzung am 26. Juli wie erwartet keine Änderungen an den geldpolitischen Maßnahmen beschlossen. Im schriftlichen Statement zum Zinsentscheid gab es jedoch Hinweise auf den zukünftigen Zeitplan. Statt, wie im Juni formuliert, die Reinvestitionen aus den Anleihebeständen der Notenbank grundsätzlich beizubehalten, will sie dies nach dem neuen Wortlaut nur noch „im Moment“ tun („for the time being“). Im Juni prognostizierte die Fed den Beginn der Bilanznormalisierung „in diesem Jahr“. Nun will sie damit „relativ bald“ starten.

Daraus kann man Schlussfolgern, dass auf der nächsten Sitzung im September (19./20.) die konkreten Beschlüsse zur Bilanzreduzierung gefasst und veröffentlicht werden. In der dann auch wieder stattfindenden Pressekonferenz (auf der jüngsten Sitzung gab es planmäßig keine) kann Fed-Chefin Janet Yellen die Modalitäten ausführlich erläutern. Daher ist dieser Starttermin auch organisatorisch sinnvoll. Bislang wurde der Start der Bilanzreduzierung zum Beginn des Jahres 2018 erwartet. Nach dem aktuellen Wortlaut des Statements ist auch ein früherer Startermin denkbar. Vielleicht schon zum Start des dritten Quartals 2017, also ab 1. Oktober.

Das Ende der dynamischen Kursgewinne

Vor diesem Hintergrund wird ein Ende der dynamischen Kursgewinne in den US-Indizes immer wahrscheinlicher. Denn der Zeitpunkt, an dem die US-Notenbank dem Markt die bisher so wichtige und kurstreibende Liquidität langsam entzieht, rückt immer näher. Durch das behutsame Vorgehen der Notenbanken wird dabei sicherlich kein Crash am Aktienmarkt ausgelöst. Und auch eine übergeordnete Trendwende ist nicht zu erwarten. Aber der zukünftige Kursanstieg dürfte sich nicht im bisherigen Tempo fortsetzen und von scharfen Rücksetzern unterbrochen werden. Solche Rücksetzer haben wir auch jüngst bereits gesehen. Und die Saisonalität spricht dafür, dass sie sich in den kommenden Tagen und Wochen noch häufen werden.

US-Indizes auf Allzeithoch, DAX auf neuem Korrekturtief

Bislang halten sich die US-Indizes aber immer noch sehr stabil. Der Dow Jones Industrial konnte in den vergangenen Tagen sogar zehn Mal in Folge ein neues Allzeithoch erklimmen, am Dienstag bei 22.179,11 Punkten (Start der Serie = grüner Pfeil im Chart).

Dow Jones - Chartanalyse

Doch dann folgte an diesem Tag einer der besagten scharfen Rücksetzer. Dennoch wurde mit der beeindruckenden Gewinnserie noch offensichtlicher, dass sich der DAX und die US-Indizes in verschiedene Richtungen bewegen (siehe folgender Chart). Seit dem Hoch vom 20. Juni bei 12.951,54 Punkten hat der DAX rund 6 % verloren. Die US-Indizes konnten derweil neue Hochs erklimmen.

Vergleich der Aktienindizes

Und daran scheint nicht mehr nur der starke Euro schuld zu sein. Denn der hat inzwischen seine steile Aufwärtsbewegung beendet und wieder leicht nachgegeben. Trotzdem ist der DAX weiter gefallen und die US-Indizes sind auf neue Allzeithochs gestiegen. Hier dürfte vielmehr die sich zuspitzende Lage der deutschen Autobauer negativ auf den heimischen Gesamtmarkt durchgeschlagen sein.

DAX im Abwärtstrendkanal

Wir haben aber am Dienstag im Handelsverlauf auch einen erneuten Vorgeschmack darauf bekommen, dass auch die US-Indizes durchaus korrekturanfällig sind und sehr schnell dynamische Verluste entstehen können. Ich erwarte aufgrund der Saisonalität, dass es in den kommenden Wochen in den US-Indizes ebenfalls zu einer deutlichen Korrektur kommt. Das würde allerdings für den DAX selbst bedeuten, dass sich auch hier die Verluste noch ausweiten.

Bislang hat sich der Index an unseren Fahrplan gehalten. „Solange die Kurse unterhalb der rot gestrichelten Linie bleiben, ist mit einem weiteren Korrekturtief zu rechnen“, hieß es in der letzten Ausgabe der Börse-Intern vor der Sommerpause. Tatsächlich konnte der deutsche Leitindex die Mittellinie des Abwärtstrendkanals nicht nachhaltig überwinden, weil er diese exakt am Kreuzwiderstand mit den Zwischentiefs von Ende Juni bzw. Anfang Juli ansteuerte (roter Pfeil im Chart). Und so kam es zu einem erneuten Anlauf auf die untere Linie des kurzfristigen Abwärtstrendkanals und damit zu einem neuen Korrekturtief.

DAX - Chartanalyse

Dann stabilisierten sich die Kurse allerdings (grüner Pfeil) und es etablierte sich bei rund 12.100 Punkten eine solide Unterstützung (grüne Linie). Nach oben hin festigte sich aber auch der Widerstand bei ca. 12.320 Punkten. Und so kam es zu der eingangs erwähnten zweiwöchigen Seitwärtsbewegung.

Heute wurde diese nach unten verlassen, womit sich eine Fortsetzung der Korrektur andeutet. Damit scheint auch der Kampf um den seit mehr als einem Jahr gültigen Aufwärtstrendkanal (gelb im folgenden Chart) verloren zu gehen (roter Pfeil).

DAX - Target-Trend-Analyse

Aus Sicht der Target-Trend-Methode ist die zweiwöchige Seitwärtstendenz ein idealtypisches Pendeln um die Mittellinie bei 12.235 Punkten. Dabei haben Bullen und Bären ihre Kräfte gemessen. Mit dem heutigen Kursrutsch wurde nach der klassischen Charttechnik der Aufwärtstrend nun nachhaltig gebrochen (roter Pfeil). Nach der Rechteckmethode wird das nächste bearishe Signal erst generiert, wenn der DAX das aktuelle Rechteck nach unten verlässt, also unter die 11.880 Punkte Marke fällt.  

DAX-Korrektur könnte vor dem Ende stehen

Die US-Indizes zogen aber bislang kaum mit, weshalb die Situation für den DAX noch nicht allzu dramatisch ist. Zumal auch noch die runde Marke von 12.000 Punkten als psychologisch wichtige Anlaufmarke und Unterstützung dienen kann. Tatsächlich lag das heutige Tief bislang mit 11.993,73 Zählern ziemlich exakt an der runden Marke. Wenn die US-Indizes also nicht bald mit einer Korrektur nachziehen, sondern stattdessen sogar in Kürze wieder neue Allzeithochs anstreben, könnte die Korrektur im DAX im größeren Bereich der 12.000er Marke enden.

Ziehen die US-Indizes bald nach?

Angesichts des mittel- und langfristig stark überkauften Zustands der US-Indizes ist es aber wahrscheinlich, dass es auch dort bald zu einer Korrektur kommt. Zumal die saisonal schwache Zeit begonnen hat.

Dow Jones - durchschnittlicher Kursverlauf in US-Nachwahljahren

Vielleicht ist es kein Zufall, dass die US-Indizes S&P 500 und Nasdaq100 ausgerechnet seit Ende Juli keinen Schwung mehr haben und zuletzt nur noch die eher defensiven Schwergewichte aus dem Dow Jones noch zulegen konnten. Denn in US-Nachwahljahren beginnt genau Ende Juli die saisonale Schwächephase.


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