In dieser Ausgabe von Börse - Intern lesen Sie: Das Interview mit dem Anlagespzialisten für langfristige Anlagen: Torsten Ewert ...
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Die Adventszeit-Interviews mit unseren Tradern

Heute: Torsten Ewert, Chefredakteur Stockstreet-Investment-Strategie und Aktienperlen

Interview:

Herr Ewert, wie kamen Sie zur Börse?

Als Kind hat mir mein Opa ein Sparbuch eingerichtet. Darauf gab es jedes Jahr Zinsen. Das faszinierte mich: Wer gibt mir da Geld und warum? Später verstand ich natürlich den Zusammenhang. Kaum verstanden, fand ich es auch schon prompt ungerecht, dass es immer nur die gleichen mickrigen drei Prozent oder so gab. Auf der Suche nach dem entscheidenden „Mehr“ stieß ich unweigerlich auf die Börse. Und so kam bald eines zum anderen. Insbesondere die rasante technische Entwicklung von PC und Internet in den 1990er Jahren führte dazu, dass auch ich als Privatanleger mir Charts und Kurse direkt nach Hause holen konnte – bald auch mit eigener Chartsoftware. Mitte der 2000er Jahre war es dann soweit, dass ich mich als Trader selbstständig machte.

Was waren Ihre wichtigsten Erfahrungen?

Bei mir waren es die Verluste und wie man mit ihnen umgeht. Im „normalen“ Leben ist man ja darauf gedrillt, sein „Handwerk“ so auszuführen, dass man keine Fehler (= „Verluste“) macht. Das funktioniert beim Traden nicht. Hier sind Verluste unvermeidlich. Sie sind aber nicht zwangsläufig auch Fehler. Diesen Unterschied muss man lernen, um als Trader langfristig zu überleben. Am ehesten werden das Unternehmer verstehen, die ebenfalls zwangsläufig das eine oder andere erfolglose Projekt verbuchen müssen. Trotzdem machen sie immer weiter, weil das zu ihrem „Job“ einfach dazugehört.

Was war Ihr größter Fehler?

Dass ich nicht früher auf erfahrene Trader gehört habe, die eindringlich versucht haben, mir die Bedeutung der Psychologie und persönlichen mentalen Einstellung für den Börsenerfolg nahezubringen. Als gelernter Ingenieur war ich dagegen der Meinung, mit genügend Fleiß und „Gehirnschmalz“ würde man schon das unfehlbare System finden, um dauerhaft an den Börsen zu bestehen. Das war natürlich ein Irrglaube und hat mich einige verlorene Jahre und eine Menge entgangener Gewinne gekostet.

 

Welche Bücher haben Ihr Trading am meisten positiv beeinflusst?

Ich habe natürlich eine Menge Bücher gelesen, vor allem über Charttechnik. Für das Trading insgesamt war „Beruf: Trader“ von Van K. Tharp für mich sehr hilfreich. Daraus konnte ich vor allem zu Beginn meiner Trader-Selbstständigkeit viel Nützliches für die Organisation des Traderalltags und die ständige Selbstmotivation gewinnen. Im täglichen Trading helfen mir inzwischen aber erstaunlicherweise die Börsen-Bonmots von André Kostolany oder Warren Buffett am meisten. Sie klingen zwar häufig wie Binsenweisheiten oder Plattitüden. Sie erinnern mich aber stets daran, dass es an der Börse nichts Neues unter der Sonne gibt. Das ist extrem nützlich, insbesondere in Situationen, in denen Medien und andere Trader wegen irgendwelcher Ereignisse in helle Aufregung verfallen. Ich kann dann viel besser durch diese „Nebelkerzen“ hindurchsehen und mich auf das wirklich Wichtige konzentrieren.

Welche Tipps haben Sie für Anfänger?

Saugen Sie zunächst alles auf, was Sie an Büchern, Börsenbriefen, Newsletter usw. finden können. Natürlich ist die Vielfalt dabei inzwischen so unendlich groß, dass Sie unmöglich alles dauerhaft konsumieren können. Die Selektion ergibt sich also automatisch. Der gesunde Menschenverstand hilft auch dabei: Wenn etwas dauerhaft unverständlich oder verworren klingt, dann sind nicht Sie zu dumm, sondern der Autor kann sich entweder nicht verständlich machen oder verkündet tatsächlich einfach nur Unfug. Dann ist diese Publikation entbehrlich! Nutzen Sie diese Informationen, um Ihren persönlichen Weg als Trader zu finden. Denken Sie immer daran, dass jeder Jeck anders ist. Was für den einen der Heilige Gral ist, kann für Sie völlig ungeeignet sein. Das ist kein Beinbruch. Sie müssen das nur irgendwann erkennen, loslassen können und weitersuchen. Klingt nach viel Arbeit? Auf jeden Fall! Aber das ist Ihre Prüfung. Wenn Sie die nicht bestehen, dann sind Sie halt zum Trader nicht geeignet. Auch das ist kein Weltuntergang. Schließlich wird auch nicht jeder ein Fußball- oder Rockstar. Die Einsicht, nicht als Trader geeignet zu sein, kann aber buchstäblich Ihr Leben retten. Zumindest den materiellen Teil davon.

Welche Tipps haben Sie für Fortgeschrittene?

Ihnen ist es nicht zu öde, Charts zu analysieren, Wirtschafts- und Unternehmensmeldungen zu lesen oder stundenlang auf die Kurse zu schauen? Sie haben sogar schon erste Erfolge, die Verluste schmerzen noch, aber Sie sind trotzdem heiß darauf, immer wieder Ihren Trading-PC hochzufahren und an der Börse mitzumischen? Gut so – dann kann aus Ihnen eines Tages ein Trader werden. Nun müssen Sie unbedingt an Ihrer Psyche und Ihrer mentalen Einstellung arbeiten. Das ist jetzt wichtiger als das x-te Setup auszuknobeln. Sie müssen herausfinden, wo Ihre Stärken liegen und wo Sie noch Fehler machen, wie Sie sich am besten motivieren und wie Sie aus einem „Loch“ am schnellsten wieder herauskommen. Der Austausch mit anderen Tradern kann dabei hilfreich sein, aber letztlich ist doch jeder vor seinem Bildschirm mit seinen Problemen allein. Lernen Sie, das auszuhalten!

Welche Setups sind Ihrer Meinung nach die vielversprechendsten?

Wie gesagt, jeder Trader hat mit völlig anderen Methoden Erfolg. Allgemeingültiges gibt es nicht. Ich persönlich halte Fehl- und Umkehrsignale für die besten Setups. Meiner Meinung nach können Sie kein stärkeres Signal als ein Fehlsignal bekommen. Entsprechend profitabel sind die darauf basierenden Trades. Es erfordert jedoch eine starke Psyche, weil man sich damit meist komplett gegen den Markt stellt.

Welche Strategie ist Ihre favorisierte Gewinnerstrategie?

Ich bevorzuge momentumbasierte Swing-Trades in Long-Richtung, am besten bei Werten in starken übergeordneten Aufwärtstrends. Hier habe ich stets klare Umkehrsignale, mitunter auch Fehlsignale (nach unten) und häufig viele „Shorties“, die versuchen, einen vermeintlich „gefallenen Engel“ nach unten zu prügeln. Wenn das misslingt, profitiere ich von einem starken und entsprechend gewinnträchtigen Short-Squeeze. Das Risiko ist hingegen recht überschaubar.

Welchen Broker nutzen Sie und welchen würden Sie Ihren Lesern empfehlen?

Vor allem aus historischen Gründen habe ich noch Accounts bei den klassischen Onlinebrokern. Diese nutze ich für den guten alten Sparplan (Ja, ich bekenne: Ich bin ein Trader, der auch einen Sparplan hat – auch als Trader sollte man unbedingt diversifizieren!), Langfristanlagen in ETFs, z.B. für Dividenden-Strategien, oder gelegentliche Trades mit klassischen Hebelzertifkaten. Für das eigentliche Trading habe ich einen Account bei Interactive Brokers, einem US-Broker, der insbesondere für das von mir bevorzugte Trading mit US-Aktien und (US-)Optionen sowohl einfache Zugänge zu den entsprechenden Handelsplätzen, gute Analysetools, eine leistungsfähige Handelsplattform und günstige Gebühren bietet.

Welche Chartsoftware nutzen Sie?

Ebenfalls aus historischen Gründen arbeite ich mit einer „Uralt-Software“, an die ich mich trotz ihrer unbestreitbaren Schwächen gewöhnt habe (weil sie auch für mich wichtige Möglichkeiten bietet, die andere Programme nicht haben). Damit kann ich zwar im Wesentlichen nur End-Of-Day-Daten verarbeiten, aber das reicht für meine Trades in den allermeisten Fällen aus. Intraday-Daten und -Charts erhalte ich über meinen Broker.

Woher beziehen Sie Ihre Informationen?

Im Laufe der Zeit hat sich bei mir eine außerordentliche Quellenvielfalt ergeben, die hier unmöglich aufgelistet werden kann. Darunter sind aber etliche Standard-Nachrichtenportale und regelmäßige Newsletter. Diese versorgen mich aber nur mit Stichworten, die ich bei Bedarf jedoch auch anderswo recherchiere. Leider gibt es sowohl die aktuellsten als auch die fundiertesten Informationen meist nur auf englischsprachigen Webseiten. Gleiches gilt für halbwegs verlässliche Fundamentaldaten (insbesondere, wenn man diese scannen will). Diese sind dann auch in der Regel auf US-Aktien beschränkt. Hier bieten z.B. zacks.com und finviz.com gute Tools. Für Unternehmensnachrichten ist finanznachrichten.de für mich eine der ersten Anlaufstellen. Allerdings sind auch dort viele News in Englisch. Ein Praxistipp, der sich schon vielfach bewährt hat: Trauen Sie keiner Agenturmeldung! Recherchieren Sie insbesondere Unternehmensdaten und -meldungen, aber auch z.B. Konjunkturdaten nach Möglichkeit stets an der Quelle. Das sind in erster Linie die Webseiten der entsprechenden Firmen oder Behörden.

 

Vielen Dank für dieses Interview

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