In dieser Ausgabe von Börse - Intern lesen Sie: Der Bund-Future erreicht Extremwerte. Sollte man jetzt nicht eine Short-Position aufbauen? ...
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Der DAX lief seit Tagen oberhalb der 9.600er Marke eher seitwärts. Ein Ausbruch nach oben war, wie schon beschrieben, gescheitert. Heute hat er diese 9.600er Marke nach unten gebrochen. Als Grund muss wieder einmal der erneut fallende Ölpreis herhalten. Der DAX zeigt nach wie vor keine Anzeichen der Stärke und so muss damit gerechnet werden, dass die Tiefs bei 9.314 Punkten noch einmal angelaufen werden. Hier wird sich dann zeigen, ob diese Unterstützung auch noch einem zweiten Anlauf standhält. Tut sie das, kann sich ein Boden ausbilden (Doppelboden). Tut sie das nicht, wird es deutlich bearisher.

Leseranfragen zum Bund-Future

Aber neben dem DAX und dem Ölpreis scheint ein anderes Thema die Anleger zurzeit ebenfalls sehr zu beschäftigen:

Jüngst erreichten uns gleich mehrere Leseranfragen bezüglich des Bund-Futures. Ein Leser wundert sich, wer bei nahezu 0 Prozent Zinsen Staatsanleihen kauft, und spricht von einer Übertreibungsphase. Ein anderer Leser fragt, ob ein Ende der Fahnenstange nicht zwangsläufig absehbar ist und ein gestaffelter Einstieg auf der Shortseite in einem sinnvollen Chance/Risiko-Verhältnis steht. Bevor wir auf diese Anfragen eingehen, möchte ich zunächst einmal darstellen, was der Bund-Future eigentlich ist und wie er funktioniert:

Euro-Bund-Future – Terminkontrakte mit begrenzter Laufzeit

Der Bund-Future (exakt: Euro-Bund-Future, engl. Federal Government Bond Liabilities, Kürzel: FGBL) ist ein Terminkontrakt (Future). Terminkontrakte zeichnen sich durch eine begrenzte Laufzeit aus. Fällig werden die Kontrakte Ende März, Juni, September und Dezember. Aktuell steht der Bund-Future bei 163,44 Prozent (siehe Chart), wobei man hier auf den März-Kontrakt blickt, der am 07.03.2016 ausläuft.

Der Juni-Kontrakt steht derweil bei ca. 160,87 Prozent.

Eine fiktive Staatsanleihe der Bundesrepublik Deutschland

Der Bund-Future bezieht sich auf eine fiktive Staatsanleihe der Bundesrepublik Deutschland mit einem Nominalwert eines Kontraktes von 100.000 Euro. Diese hat eine Laufzeit von 10 Jahren und einem Kupon (Nominal-Zins) von 6 Prozent pro Jahr. Dadurch verhält sich der Bund-Future wie eine festverzinsliche Anleihe. Bei steigenden Zinsen sinkt der Kurs des Futures und umgekehrt.

Theoretischer Schwellenwert von 160 Punkten

Theoretisch erhält der Anleger, wenn der Bund-Future bei 160 Punkten steht, eine Rendite von 0 Prozent. Das ergibt sich aus folgender Überlegung: Wenn man in die zugrunde liegende Anleihe 100.000 Euro investieren und 10 Jahre lang eine fixe Rendite von 6 Prozent erhält, bekommt man während der Laufzeit 10 x 6.000 Euro = 60.000 Euro Zinsen und am Ende das Kapital von 100.000 Euro ausgezahlt. Das sind insgesamt 160.000 Euro. Wenn der Bund-Future aber bereits beim Einstieg bei 160 Punkten steht, man also de facto einen Preis von 160.000 Euro bezahlen muss, um am Ende 160.000 Euro zu erhalten, liegt die Rendite eben bei 0 Prozent nach 10 Jahren.

Oft wird daher als theoretischer Höchstpreis des Bund-Futures ein Wert von 160 Punkten genannt, weil, so die bisherige Annahme, kein vernünftig denkender Mensch bereit sein sollte, eine negative Rendite hinzunehmen. Doch negative Renditen sind längst zur alltäglichen Realität geworden und somit auch bei zehnjährigen Bundesanleihen nicht auszuschließen. In der Schweiz zum Beispiel rentierten zehnjährige Staatsanleihen schon längst im negativen Bereich.

Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis

Als Berechnungsgrundlage für den Bund-Future dienen zudem reale Bundesanleihen, die aus einer Emission mit einem Volumen von mindestens 5 Mrd. Euro entstammen müssen. Sie müssen mit einer Restlaufzeit (zum Zeitpunkt der Lieferung) von mindestens 8,5 Jahren und nicht mehr als 10,5 Jahren ausgestattet sein, aber nicht zwingend einen Kupon von sechs Prozent haben. Hier sind schon die wesentlichen Abweichungen zur fiktiven Bundesanleihe erkennbar.

Der Konvertierungsfaktor

Da die Anleihen unterschiedliche Restlaufzeiten und Kupons aufweisen, werden sie mit Hilfe eines sogenannten Konvertierungsfaktors vergleichbar gemacht, der von der Eurex Clearing AG bestimmt wird. Er gibt an, bei welchem Kurs die jeweilige Anleihe am Liefertermin notieren müsste, um eine Rendite zu erzielen wie die dem Bund-Future zugrundeliegenden fiktive Anleihe (6 Prozent).

Komplexer Zusammenhang zwischen Kursniveau und Zinsniveau

Entsprechend lässt sich nicht eindeutig sagen, welches Zinsniveau 10-jährige deutsche Anleihen haben, wenn der Bund-Future bei einem bestimmten Niveau steht. Denn es gibt nicht den einen Bund-Future. Es gibt vielmehr aktuell einen März-Kontrakt, der, wie oben bereits geschrieben bei ca. 163,44 Punkten steht, und einen Juni-Kontrakt, der bei 160,87 Prozent notiert. Die Rendite 10-jähriger deutscher Anleihen liegt aktuell bei +0,32 Prozent. Ein Stand des Bund-Futures über 160 Punkten bedeutet also nicht zwingend bereits negative Renditen bei 10-jährigen Anleihen.  Hier zeigt sich der Unterschied zwischen der theoretischen Höchstgrenze des Bund-Futures bei 160 Punkten und der Realität.

Zwischenfazit

Es ist also ohne größeren Aufwand nicht möglich, präzisere Angaben zum Verhältnis zwischen Kurs des Bund-Futures und den tatsächlichen Renditen von Anleihen zu machen. Konstruktion und Berechnung des Bund-Futures sind einfach zu komplex. Begrenzte Laufzeiten der Kontrakte, unterschiedliche Anleihen als Berechnungsgrundlage und der Konvertierungsfaktor führen unter anderem dazu, dass man mit einfachen Mitteln keine Aussage dazu treffen kann, wie hoch das Zinsniveau 10-jähriger Anleihen bei einem bestimmten Kursniveau des Bund-Futures sein wird.

Ein Ende der Fahnenstange ist nicht in Sicht

Was nun die Beantwortung der Leserfragen angeht, so ist ein Ende der Fahnenstange bzw. der Übertreibungsphase (siehe extremer Aufwärtstrend im Chart oben) so lange nicht in Sicht, wie die EZB die Zinsen niedrig hält und als massiver Käufer von Staatsanleihen in Europa auftritt. Zwar ist das aktuelle Kursniveau des März-Kontraktes als extrem zu bezeichnen, doch würde es sich alleine durch den Wechsel auf den Juni-Kontrakt bereits wieder von mehr als  163 auf 160,7 Punkte reduzieren.

Man kann zwar immer mal wieder mit deutlichen Kursrückgängen im Bund-Future rechnen (siehe rote Rechtecke im Chart), doch ein Trendwechsel ist bis mindestens 2017 nicht zu erwarten. Zumindest wenn die EZB zu ihrer Ankündigung steht, bis mindestens März 2017 als Käufer für Staatsanleihen aufzutreten und so lange die Zinsen niedrig zu halten.

Mit kurzfristigen Short-Trades kann man bei gutem Timing durchaus schnelle Tradinggewinne erzielen. Doch einen längerfristigen Short-Trade oder gar einen „(Short-)Trade des Lebens“ (siehe Ausgabe vom 18. November 2015) wird man wohl mit dem Bund-Future nicht realisieren können. Denn Wertpapiere, die auf einen fallenden Bund-Future setzen, erleiden in der Regel im Zeitablauf Verluste, auch wenn sich der Kurs des Basiswertes gar nicht bewegt. Man spricht hier von „Rollverlusten“, die durch die quartalsweisen Kontraktwechsel entstehen können.

Viele Grüße

Ihr

Sven Weisenhaus

PS: Der Premium-Trader hat heute die Position "Software AG" mit einem Plus von 17,16 % verkauft. Die Software AG ist einer der wenigen Aktien, die gegen den Markt stark angestiegen ist.


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