In dieser Ausgabe von Börse - Intern lesen Sie: Die Aktienmärkte haben in dieser Woche bereits einen Großteil der Kursverluste der vergangenen Woche aufgeholt. Die Übertreibung kann sich damit fortsetzen ...
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Durch die Kursverluste der vergangenen Woche bestand für die Bären Hoffnung, dass sich die überkaufte Lage in den US-Indizes etwas abbauen würde. Doch wieder einmal ist den Bullen ein schneller Gegenschlag gelungen, mit dem die Aktienindizes einen Großteil ihrer Verluste binnen kürzester Zeit aufholen konnten. Zuerst machte der Nasdaq 100 mehr als 61,80 % der vom Rekordhoch ausgegangenen Kursverluste wett, dann folgten der S&P 500 und der Dow Jones.

Dow Jones - kurzfristige Chartanalyse

Eine größere Korrektur scheint damit vom Tisch. Alternativ ist eine längere Konsolidierung auf hohem Niveau denkbar. Womöglich setzt sich aber nun auch die Übertreibung fort. Dafür sprechen insbesondere die hohen Kursgewinne, die heute an die gestrigen Kurserholungen anschließen. Denn die Bullen kommen damit mit Schwung zurück.

Eine Spekulationsblase am Gesamtmarkt wird wahrscheinlicher

Im Extremfall könnten die Aktienmärkte nun sogar in einen fahnenstangenartigen Anstieg übergehen, der eine Übertreibung oft erst in die finale Phase einer Spekulationsblase treibt. Diese hat sich jüngst bereits in einigen Marktbereichen aufgebläht. Und wenn die Spekulanten, die dafür verantwortlich waren, Erfolge vorweisen können, dann zieht dies immer mehr neue Kleinanleger an, die vom Hype profitieren möchten. Man muss also nun genau beobachten, ob sich die dynamischen Kursanstiege dieser Woche fortsetzen.

Volatiles Hin und Her erschwert das Trading

Jedenfalls ist das aktuelle wilde Auf und Ab für Anleger und Trader problematisch. Denn da die Volatilität deutlich angezogen hat, wird man mit eng platzierten Stopps gegebenenfalls unglücklich aus dem Markt geworfen. Liegen die Stopps zu weit weg, riskiert man große Kursverluste, wenn es doch noch einmal abwärts geht. Und steigt der Markt wieder an, so wie aktuell, muss man eventuell Positionen zu höheren Kursen zurückkaufen, was die Performance ebenfalls schmälert.

Hin und Her macht Taschen leer

Für Trader, die sowohl Long- als auch Short-Signale handeln, waren die jüngsten Kursbewegungen noch problematischer. So wurden Long-Positionen aufgrund der kurzfristig klar bearishen Signale womöglich beendet und in einen Short-Trade gedreht, nur um diesen angesichts der aktuellen Kurserholung wieder in einen Long-Trade verwandeln zu müssen. Und wenn es nun wieder zu Kursverlusten kommt? Dann hat man gegebenenfalls mit drei Trades in Folge jeweils einen Verlust hinnehmen müssen. „Hin und her macht Taschen leer“, lautet nicht ohne Grund ein bekannter Börsenspruch.

Man muss nicht permanent investiert sein

Im Target-Trend-Spezial, in dem wir den DAX börsentäglich charttechnisch analysieren und Hinweise zu möglichen Trades geben, haben wir unseren Lesern daher bereits geschrieben, dass neue Positionen aufgrund des wilden Hin und Her aktuell spekulativ sind und es Sinn machen kann, „sich vorerst aus dem DAX herauszuhalten, bis sich eine klare neue Formation und klare neue Signale ergeben“.

Letzteres schrieben wir bereits am vergangenen Freitag in der vorbörslichen Analyse. Und auf den spekulativen Charakter, insbesondere von neuen Long-Positionen, hatten wir sogar schon erstmals am 21. Januar hingewiesen. Damals stand der DAX bei rund 13.900 Punkten. Kurz zuvor hatte er eine wichtige Aufwärtstrendlinie bestätigt (dick grün im folgenden Chart) und den kurzfristigen Abwärtstrendkanal (rot) nach oben gebrochen (siehe gelbe Ellipse). Eigentlich sah also vieles nach einem Ende der kurzfristigen Konsolidierung (Flagge im Aufwärtstrend) und somit einer Fortsetzung der Aufwärtsbewegung aus (siehe auch Börse-Intern vom 19. Januar).

DAX - kurzfristige Chartanalyse

Doch anschließend gaben die Kurse bis auf nur noch etwa 13.300 Zähler nach. Und insbesondere mit dem Bruch des kurzfristigen Abwärtstrendkanals nach unten zeichnete sich eine Beschleunigung und Ausweitung der Korrektur ab. Es lagen zu diesem Zeitpunkt nun klar bearishe Signale vor, die für einen Short-Trade sprachen. Doch auch hier endeten die Bewegungen in einem Fehlsignal (gelber Bogen). Auf eine Bullenfalle folgte also eine Bärenfalle.

Und jetzt? Soll man nun den erneuten Bruch des Abwärtstrendkanals auf der Oberseite für einen Long-Einstieg nutzen? Angesichts des wilden Hin und Her und der beiden beschriebenen Fehlsignale würde ich dem Rat aus dem Target-Trend-Spezial folgen und mich „vorerst aus dem DAX heraushalten, bis sich eine klare neue Formation und klare neue Signale ergeben“.

Profis haben 70 Milliarden Dollar verloren

Wenn Sie bereits mit Trades im aktuellen Hin und Her Verluste erlitten haben, dann werten Sie dies nicht unbedingt als Anfängerfehler oder Ähnliches. Denn Sie befinden sich damit in guter Gesellschaft. Dem Datenanbieter Ortex Analytics zufolge haben Short-Seller an der Wall Street wegen der GameStop-Turbulenzen Verluste in Höhe von mehr als 70 Milliarden Dollar zu verschmerzen. Und hier waren mit einigen Hedgefonds ausgewiesene Profis am Werk.

Medienberichten zufolge hat allein Melvin Capital im Januar mehr als die Hälfte seines Vermögens verloren. Das von diesem Hedgefonds verwaltete Vermögen, welches sich zu Jahresbeginn noch auf 12,5 Milliarden Dollar belief, sei laut einer mit den Zahlen vertrauten Person bis Monatsende um 53 % zusammengeschmolzen.

Das Blatt kann sich noch wenden

Die Frage ist allerdings, wie nachhaltig diese Entwicklungen sind. Denn inzwischen ist zum Beispiel die Aktie von GameStop von im Hoch bei fast 500 Dollar auf heute im Tief nur noch weniger als 75 Dollar abgeschmiert. Wie viele Milliarden haben damit wohl die vielen Kleinanleger verloren, die oberhalb des aktuellen Kurses in den vorübergehenden Hype eingestiegen sind? Und auf der anderen Seite könnten die Hedgefonds, die auf der Short-Seite engagiert sind, einen großen Teil ihrer Verluste aufgeholt haben. Sind am Ende doch wieder nur unerfahrene Kleinanleger auf der Verliererseite zu finden?

Eine Bilanz lässt sich – sofern überhaupt möglich – wahrscheinlich erst ziehen, wenn sich die Aktien von GameStop wieder irgendwo im Bereich von 20 Dollar oder tiefer eingependelt haben, was aus fundamentalen Gründen zweifelsfrei früher oder später passieren wird, und die Spekulationen auch in anderen Werten nachhaltig nachgelassen haben.

Bis dahin muss man sich sehr genau überlegen, ob man das aktuelle Spielchen der Märkte mitmacht oder vielleicht eine Weile von der Seitenlinie zuschaut, um einen möglichen finanziellen Schaden durch unkalkulierbare Kursbewegungen zu verhindern.


Ich wünsche Ihnen jedenfalls weiterhin viel Erfolg an den Börsen
Ihr
Sven Weisenhaus
www.stockstreet.de


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