In dieser Ausgabe von Börse - Intern lesen Sie: Die EZB hat heute die Markterwartungen erfüllt und den Plan zu den Anleihekäufen bestätigt. Derweil konnte der DAX zulegen und sein Ausbruchsniveau testen. ...
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Auf der heutigen Sitzung hat der EZB-Rat beschlossen, die Leitzinsen unverändert zu belassen. Auch der Zinsausblick blieb unverändert. Demnach werden die Leitzinsen noch mindestens über den Sommer 2019 auf dem aktuellen Niveau liegen.

Was die Anleihenkäufe angeht, so bestätigte die Europäische Zentralbank (EZB), dass ab Oktober der Nettoerwerb von aktuell noch 30 Milliarden Euro auf einen Umfang von monatlich 15 Milliarden Euro reduziert wird. Dieses Volumen will die EZB bis Ende Dezember 2018 konstant halten. Und „sofern die neu verfügbaren Daten die mittelfristigen Inflationsaussichten bestätigen“, geht der EZB-Rat davon aus, dass der Nettoerwerb mit dem Jahreswechsel enden wird. Mit diesem Satz hat sich die EZB das Türchen für den endgültigen Ausstieg noch offengehalten.

Da dies aber genau so von den Märkten erwartet wurde, blieben merkliche Kursreaktionen an den Börsen aus. Daran änderte auch die Tatsache nichts, dass der volkswirtschaftliche Stab der EZB die Wachstums-Prognosen für 2018 und 2019 leicht gesenkt hat. 2018 soll die Wirtschaft nun um 2,0 % wachsen, statt zuvor 2,1 %. Und für 2019 wurde die Erwartung von +1,9 % auf +1,8 % zurückgenommen. Die Inflationsprognosen für 2018, 2019 und 2020 wurden mit je 1,7 % bestätigt.

Türkische Zentralbank hebt Leitzins auf 24 % an

Überraschender war heute die geldpolitische Entscheidung der türkischen Zentralbank. Diese hat im Kampf gegen den Lira-Verfall und die hohe Inflation beschlossen, den Leitzins von 17,75 % auf 24,0 % anzuheben. Marktteilnehmer hatten zuvor im Schnitt nur eine Anhebung auf bis zu 22 % erwartet.

Die Entscheidung galt als Test dafür, ob die Notenbank weiterhin unabhängig von Staatspräsident Erdogan agieren wird. Erdogan hatte sich noch kurz zuvor gegen Zinserhöhungen und für Zinssenkungen ausgesprochen, weil er fürchtete, sie könnten die Konjunktur des Landes abwürgen.

Im vergangenen Monat war allerdings die Inflation auf 18 % nach oben geschnellt, den höchsten Wert seit 15 Jahren. Die Renditen zehnjähriger türkischer US-Dollaranleihen waren auf 8,3 % geklettert. Und seit Beginn der Währungsturbulenzen im August hatte die Lira gegenüber dem Dollar und dem Euro massiv abgewertet - seit Jahresbeginn um 40 %. Kurz nach den jüngsten Worten Erdogans hatte der Kurs der Lira vorübergehend noch einmal um fast 4 % nachgegeben.

Ob damit nun die (Währungs-)Krise des Landes, die sich inzwischen auch auf andere Schwellenländer ausgeweitet hat (Argentinien, Brasilien, Südafrika, Indien, Russland etc.), eingedämmt werden kann, bleibt abzuwarten. Zunächst ist die Zinsanhebung für die Lira und damit für das mit 330 Milliarden Dollar im Ausland hoch verschuldete Land ein positives Signal. Und laut EZB-Chef Draghi sind die Auswirkungen der Türkei- und Argentinien-Krise auf die Eurozone jedoch nicht substanziell.

DAX testet das Ausbruchsniveau von unten

Wohl auch deshalb ist dem DAX heute ein kurzfristig wichtiges Trendwendesignal gelungen. Denn nachdem die Rechteckgrenze bei 11.880 Punkten inzwischen zwei Mal erfolgreich verteidigt werden konnte (siehe grüner Pfeile im folgenden Chart), gelang heute die nachhaltige Rückeroberung der 12.000er Marke.

DAX - Target-Trend-Analyse

Allerdings ist die Gefahr damit noch nicht gebannt. Denn im Hoch stieg der DAX lediglich genau bis in die ehemalige Unterstützungszone zwischen 12.132,72 und 12.104,41 Zählern, die nun aber als Widerstand gilt (roter Bereich). Und diese Funktion übte sie auch prompt aus, so dass der DAX im ersten Anlauf klar von ihr nach unten abgeprallt ist (roter Pfeil).

Sollte der DAX nun bis an die 12.000er Marke zurückfallen, stünde der aktuelle Bodenbildungsversuch auf der Kippe. Können die Bullen aber am Ball bleiben und die ehemalige Unterstützungszone im nächsten Anlauf überwinden, hätte der DAX weiteres Aufwärtspotential. Er könnte dann seine Zielzone von 12.300 bis 12.500 Punkten zum September-Verfallstag erreichen (siehe Börse-Intern vom vergangenen Montag).


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Sven Weisenhaus
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