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Die Quartalsberichtssaison nimmt Fahrt auf
Ausgabe vom 19.01.2026
Die Quartalsberichtssaison nimmt Fahrt auf
von Torsten Ewert
In der Vorwoche hat in den USA „offiziell“ die Quartalsberichtssaison begonnen; traditionell mit der Vorlage der Bilanzen der großen Banken und Finanzinstitute.
Erste Ergebnisse der US-Berichtssaison
In dieser Woche, die durch den heutigen Martin-Luther-King-Feiertag auch an der Börse verkürzt ist, bleibt die Zahlenflut zwar noch verhalten, aber ab der kommenden Woche geht es in die Vollen:

Quelle: ZRW
Bisher haben erst knapp 7 % der Unternehmen des S&P 500 ihre Zahlen vorgelegt; mehr als ein Drittel davon waren aus dem Finanzsektor. Und die Institute haben ihre Sache gut gemacht: Die Mehrzahl hat bei den Einnahmen und Gewinnen die Analystenerwartungen übertroffen.
Was die Analysten für die US-Konzerne erwarten
Das gilt auch für die anderen Konzerne, von denen bereits Zahlen vorliegen, sodass der Start in diese Berichtssaison geglückt ist. Und die Analysten rechnen stark damit, dass dies so bleibt:

Quelle: LSEG
Je nach Quelle sollen die Gewinne um 8,2 bis 9,0 % gegenüber dem Vorjahresquartal steigen, die Umsätze um 7,3 bis 8,2 %. Laut dem Datenanbieter Factset wäre dies das 10. Quartal in Folge mit steigenden Gewinnen (was in guten Zeiten nicht allzu ungewöhnlich ist).
Factset verweist zudem darauf, dass während der Berichtssaison die Schätzungen in der Regel nach oben revidiert werden, weil die Unternehmen die Schätzungen meist übertreffen. (Ob zuvor die Unternehmen selbst oder die Analysten tiefstapeln, sei hier mal dahingestellt.)
Auf Basis der vergangenen 4, 20 bzw. 40 Quartale hat Factset daher diesen „Surprise Factor“ berechnet und ist dabei auf Werte von 5,7 bis 7,4 Prozentpunkte gekommen, die auf die obigen Werte im Durchschnitt noch aufgeschlagen wurden. Falls es also in der laufenden Berichtssaison einen ähnlichen Aufschlag auf die Schätzungen gibt, würde das Gewinnwachstum erneut zweistellig ausfallen. Das wäre dann laut Factset das 5. Mal in Folge.
Steigender Optimismus
Die Chancen dafür stehen gut, denn auch laut den Daten von LSEG steigen die Gewinnschätzungen – und damit der Optimismus – schon seit geraumer Zeit:

Und wie fast immer sind die Analysten zuversichtlich, dass es in den kommenden Quartalen so weitergeht:

Die Lage in Europa (STOXX Europe 600)
Deutlich verhaltener beurteilen die Analysten wieder einmal die Aussichten für die europäischen Unternehmen im STOXX Europe 600:

Quelle: LSEG
Hier sollen Umsätze und Gewinne gegenüber dem Vorjahr sogar sinken – die deutsche und europäische Wachstumsschwäche lassen grüßen! Während in den USA nur für die Energieunternehmen Umsatzeinbußen und Gewinnrückgänge erwartet werden und nur ein paar andere Sektoren ihre Gewinne ebenfalls nicht halten dürften, kämpft in Europa die Mehrzahl der Sektoren mit geringeren, oft zweistellig niedrigeren Gewinnen, die zum Teil regelrecht einbrechen.
Zudem sind die positiven Werte – z.B. bei den Versorgern und Immobilienunternehmen – wohl eher auf Sondereffekte zurückzuführen (z.B. Bewertungsänderungen bei Immobilien und niedrige Vergleichswerte) als auf tatsächliche operative Erfolge.
Allein der Vergleich der Tech-Sektoren aus den USA und Europa spricht Bände: In den USA sollen die Unternehmen knapp 27 % mehr Gewinn bei gut 18 % höheren Umsätzen liefern, in Europa werden die Umsätze voraussichtlich nur weniger als 3 % „zulegen“, während die Gewinne wohl um fast 10 % (!) einbrechen.
Sinkende Erwartungen und verhaltener Optimismus
Kein Wunder, dass auch die Erwartungen für die laufende Berichtssaison abwärtsgerichtet sind …

… und sowohl die Ergebnisse der Vorquartale als auch die Erwartungen für den Rest dieses Jahres eher ernüchternd sind.

Immerhin: Bisher hat noch nicht mal eine Handvoll der STOXX600-Unternehmen Zahlen vorgelegt. Gut deren Ergebnisse sind bisher zwar durchwachsen, aber was ja nicht ist, kann ja noch werden. Vielleicht überraschen uns die europäischen doch noch positiv?
Bewertung und Fazit
Abwarten. Vorerst gilt also: Wenn es nach den Ergebnissen der Unternehmen und den Erwartungen der Analysten geht, sollten Anleger weiterhin (große) US-Werte gegenüber (großen) europäischen Werten bevorzugen. (Bei Mid und Small Caps sieht die Sache unter Umständen anders aus!)
Vorteile haben die STOXX600-Aktien allerdings bei der Bewertung: Das Index-KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) auf Basis der nächsten vier Quartale liegt bei 15,4 im Gegensatz zu 22,2 beim S&P 500. Zwar liegen beide Werte über ihren historischen 10-Jahresdurchschnitten (STOXX 600: 14,2; S&P 500: 18,8), aber diese Überbewertung beträgt beim STOXX 600 „nur“ 8,5 %, bei S&P 500 sind es immerhin 18,1 %.
Fairerweise muss man aber dazu sagen, dass die Verhältnisse schon seit Jahren so sind. Und dennoch konnte der STOXX 600 seit 2008 keine nachhaltige charttechnische Stärke gegenüber dem S&P 500 entwickeln. Gut, das mag in jüngster Zeit an der Dominanz der US-Tech-Werte gelegen haben. Aber solange diese „Tech-Blase“ nicht platzt, sollte man allenfalls selektiv auf starke (!) europäische Aktien setzen.
Mit besten Grüßen
Ihr Torsten Ewert
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