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Bei diesen Daten ist eine Fed-Leitzinssenkung kaum zu rechtfertigen

Ausgabe vom 26.07.2019

Bei diesen Daten ist eine Fed-Leitzinssenkung kaum zu rechtfertigen

von Sven Weisenhaus

Nach der gestrigen geldpolitischen Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) richtet sich nun die Aufmerksamkeit der Märkte auf die anstehende Zinssitzung der US-Notenbank in der kommenden Woche. Bis dahin werden die Konjunkturdaten aus den USA sehr genau unter die Lupe genommen, um daraus Hinweise auf die mögliche und bereits eingepreiste Zinssenkung zu erhalten.

Dabei ist allerdings schon jetzt klar: Nicht nur in Deutschland und Europa trüben sich die Aussichten für die Wirtschaft ein, sondern auch in den USA. So haben Stimmungsindikatoren wie der ISM-Index bereits deutlich nachgegeben. Und auch die realwirtschaftlichen Aktivitäten der USA legten zuletzt weniger stark zu als noch zu Jahresbeginn.

US-Wirtschaft wächst ordentlich

Konnte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA im 1. Quartal 2019 noch um annualisiert 3,1 % gegenüber dem Vorquartal zulegen, so hat sich das BIP-Wachstum im 2. Quartal auf 2,1 % reduziert. Allerdings lag es damit oberhalb der Erwartungen. Die Fed in New York hatte zum Beispiel nur einen Zuwachs von 1,4 % geschätzt, in Atlanta gingen die Notenbanker von +1,6 % aus. Die Konsensschätzung lag immerhin bei 1,8 %, aber selbst diese wurde übertroffen.

Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) der USA

Vor diesem Hintergrund und mit Blick auf die Quartalszuwächse in den vergangenen Jahren kann man das jüngste Wachstum der USA immer noch als sehr ordentlich bezeichnen. Der für die US-Wirtschaft sehr wichtige private Konsum verzeichnete mit 4,3 % sogar das dickste Plus seit Ende 2017.

US-Wirtschaft startet mit gemischten Signalen ins 3. Quartal

Zwar dürfte sich das BIP-Wachstum im 3. Quartal weiter abschwächen, aber ein problematischer Einbruch ist derzeit nicht zu erwarten. Der Einkaufsmanagerindex (PMI) von IHS Markit für die USA konnte im Juli sogar erneut leicht zulegen, von 51,5 auf 51,6 Punkte. Das war der zweite Anstieg in Folge seit dem deutlichen Rückgang im Mai.

IHS Markit Einkaufsmanagerindex USA Composite (Industrie und Dienstleistung)

Getragen wurde der Anstieg aber auch hier, ähnlich wie in Deutschland und der Eurozone, nur durch einen expandierenden Dienstleistungssektor, während die Industrie schwächelt. Der Dienstleistungs-PMI legte im Juli von 51,5 auf 52,2 Punkte zu, der Industrie-PMI gab dagegen auf 50,0 Punkte nach, von zuvor 50,6 Zählern. Letzterer lag damit so niedrig wie zuletzt im September 2009 und nur noch exakt auf der Schwelle, die zwischen Expansion und Kontraktion unterscheidet. Die Industrieproduktion ist laut IHS Markit im Juli sogar zurückgegangen, zwar nur marginal, aber laut IHS Markit immerhin so stark wie seit fast 10 Jahren nicht mehr. Allerdings gewann das Neugeschäft wieder an Dynamik.

Die US-Wirtschaft ist demnach mit gemischten Signalen und verhaltenen Entwicklungen ins 3. Quartal 2019 gestartet. Die aktuellen Umfragedaten von IHS Markit zeigen aber immerhin noch ein BIP-Wachstum von annualisiert 1,6 % an, das von einem Produktionsrückgang in der Industrie belastet und von einem stetigen Wachstum im Dienstleistungsbereich getrieben sein dürfte.

Leitzinssenkung der Fed keinesfalls sicher

Die US-Notenbank könnte vor diesem Hintergrund am kommenden Mittwoch durchaus die erste Zinssenkung seit 10 Jahren vornehmen. Dieser Schritt ließe sich dann aber nur als eine Art Vorsichtsmaßnahme gegen ein weiter nachlassendes Wachstumsmomentum verkaufen, das vor allem durch die bestehenden Handelskonflikte droht. Zumal sich die annualisierte PCE-Kerninflation mit 1,8 % (nach 1,1 % in Q1) nur noch leicht unter dem Zielbereich der Fed bewegt.

So sicher, wie die Märkte eine Zinssenkung derzeit einschätzen, ist diese mit Blick auf die positiven Aspekte der jüngsten Wirtschaftsdaten daher nicht. Es drohen eine erneute Enttäuschung der Zinsfantasien und damit auch ein erneuter Rücksetzer an den Aktienmärkten. Dieser könnte dieses Mal auch die US-Indizes härter treffen. Schließlich geht es ja nun um die US-Notenbank und nicht um die Europäische Zentralbank. Der Bezug zu US-Aktien ist also dieses Mal höher. Daher empfiehlt es sich, vor Neuengagements am US-Markt zumindest die Fed-Zinsentscheidung am Mittwoch kommender Woche abzuwarten.


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Sven Weisenhaus
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