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Märkte greifen nach jedem Zinssenkungs-Strohhalm

Ausgabe vom 10.07.2019

Es ist schon wirklich beeindruckend, aber ebenso verwunderlich, wie die Märkte derzeit nach Hinweisen für mögliche Zinssenkungen gieren. Dabei werden offenbar auch gerne einmal relativ neutrale oder auch längst bekannte Aussagen dahingehend gewertet, dass sie Hinweise auf zukünftige Zinssenkungen enthalten.

Redetext von Fed-Chef beinhaltet nichts Neues

Heute kam es zu einem deutlichen Kurssprung an den Aktienmärkten, als der Redetext von Fed-Chef Jerome Powell veröffentlicht wurde, obwohl dieser eigentlich keinerlei neue Informationen beinhaltete. Laut dem Redetext gibt es Unsicherheiten bezüglich der globalen Wirtschaft wegen der Handelsstreitigkeiten, die auf dem Wirtschaftsausblick lasten. Das Wachstum im 2. Quartal sei moderat ausgefallen. Die schwache Inflation könne sich länger halten als von der Fed erwartet. Powell bekräftigt daher, dass die Fed angemessen handeln werde, um nachhaltiges Wachstum in den USA zu erhalten.

Diese Aussagen beinhalten keine überraschenden oder auch nur neuen Informationen. Dass die Handelsstreitigkeiten zu Unsicherheiten führen, ist schon seit Monaten ein Thema. Dass dies auf dem Wirtschaftsausblick lastet, ebenso. Und dass das 2. Quartal ein schwächeres Wachstum mit sich gebracht haben dürfte, haben sämtliche Frühindikatoren längst angezeigt. Trotzdem legten auch der Euro und der Goldpreis heute zu, womit klar ist, dass die Märkte aus dem Redetext neue Zinssenkungshoffnungen geschöpft haben.

Vielleicht hatten sie nach den starken US-Arbeitsmarktdaten vom vergangenen Freitag und den gestrigen positiven Meldungen zum US-amerikanisch-chinesischen Handelskonflikt aber auch Worte befürchtet, die gegen eine schnelle Zinssenkung sprechen. Und weil diese nicht kamen, rückte eine Senkung am 31. Juli wieder in den Bereich des Möglichen bzw. sogar Wahrscheinlichen. Denn eine Zinssenkung um 25 Basispunkte gilt inzwischen als sicher.

Zinssenkungserwartungen treiben die US-Indizes auf neue Allzeithochs

Durch die bullishen Marktreaktionen scheint sich die saisonale Schwäche nun jedenfalls doch noch nicht durchsetzen zu können. Stattdessen gilt eher wieder das Szenario, dass die Aktienmärkte „im aktuellen Jahr durch die derzeitigen Zinsspekulationen sogar noch bis zu den nächsten Notenbanksitzungen Stärke zeigen“ können (siehe Börse-Intern vom vergangenen Freitag). Die US-Indizes haben heute sogar schon neue Allzeithochs markiert, ohne allerdings dabei klar über die bisherigen Hochs auszubrechen.

Haben Aktien- und Devisenanleger verschiedene Erwartungen?

Interessant ist, dass sich der Devisenmarkt noch gar nicht so sicher bezüglich einer Zinssenkung durch die US-Notenbank zu sein scheint. Denn ein solcher Zinsschritt müsste eigentlich den US-Dollar belasten, weil dieser bei sinkenden Zinsen als Anlagewährung unattraktiver wird. Doch der Dollar hatte vor der heutigen Schwäche zum Euro deutlich zugelegt. Der EUR/USD-Wechselkurs ist kürzlich von über 1,14 USD auf unter 1,12 USD gesunken (siehe rote Ellipse im folgenden Chart).

EUR/USD - Chartanalyse

Dabei war dieser gerade erst aus einem bullishen Keil (blaue Linien) nach oben ausgebrochen und hatte damit beste Chancen für eine Trendwende. Es hatte sich sogar schon ein kleiner Aufwärtstrendkanal ausgebildet (grün). Doch der ist mit dem scharfen Rücksetzer nun schon wieder Geschichte. Immerhin konnte aber das Zwischentief noch knapp verteidigt werden (grüne horizontale Linie).

Starker Dollar oder schwacher Euro?

Diese Kursentwicklung muss aber nicht zwingend eine Stärke des Dollars bedeuten. Sie könnte auch einer Schwäche des Euros geschuldet sein. Denn auch der Europäischen Zentralbank (EZB) trauen die Märkte inzwischen eine Zinssenkung zu. Und sollten tatsächlich beide Notenbanken einen derartigen Zinsschritt vollziehen, bedeutet dies vorerst ein ausgeglichenes Kräfteverhältnis zwischen den Währungen. Damit würde es wohl eher zu einer Seitwärtstendenz im EUR/USD kommen und die Trendwende, die durch den Bull-Keil und den idealtypischen Ausbruch aus diesem nach oben möglich war, muss wohl noch etwas auf sich warten lassen.

Wer in Erwartung einer Trendwende nach dem Bruch der Abwärtstrendlinien Long-Trades eingegangen ist, sollte diese weiterhin unterhalb des Tiefs der Abwärtsbewegung bei rund 1,11 USD absichern.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhaus
www.stockstreet.de


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Märkte greifen nach jedem Zinssenkungs-Strohhalm

von Sven Weisenhaus

Es ist schon wirklich beeindruckend, aber ebenso verwunderlich, wie die Märkte derzeit nach Hinweisen für mögliche Zinssenkungen gieren. Dabei werden offenbar auch gerne einmal relativ neutrale oder auch längst bekannte Aussagen dahingehend gewertet, dass sie Hinweise auf zukünftige Zinssenkungen enthalten.

Redetext von Fed-Chef beinhaltet nichts Neues

Heute kam es zu einem deutlichen Kurssprung an den Aktienmärkten, als der Redetext von Fed-Chef Jerome Powell veröffentlicht wurde, obwohl dieser eigentlich keinerlei neue Informationen beinhaltete. Laut dem Redetext gibt es Unsicherheiten bezüglich der globalen Wirtschaft wegen der Handelsstreitigkeiten, die auf dem Wirtschaftsausblick lasten. Das Wachstum im 2. Quartal sei moderat ausgefallen. Die schwache Inflation könne sich länger halten als von der Fed erwartet. Powell bekräftigt daher, dass die Fed angemessen handeln werde, um nachhaltiges Wachstum in den USA zu erhalten.

Diese Aussagen beinhalten keine überraschenden oder auch nur neuen Informationen. Dass die Handelsstreitigkeiten zu Unsicherheiten führen, ist schon seit Monaten ein Thema. Dass dies auf dem Wirtschaftsausblick lastet, ebenso. Und dass das 2. Quartal ein schwächeres Wachstum mit sich gebracht haben dürfte, haben sämtliche Frühindikatoren längst angezeigt. Trotzdem legten auch der Euro und der Goldpreis heute zu, womit klar ist, dass die Märkte aus dem Redetext neue Zinssenkungshoffnungen geschöpft haben.

Vielleicht hatten sie nach den starken US-Arbeitsmarktdaten vom vergangenen Freitag und den gestrigen positiven Meldungen zum US-amerikanisch-chinesischen Handelskonflikt aber auch Worte befürchtet, die gegen eine schnelle Zinssenkung sprechen. Und weil diese nicht kamen, rückte eine Senkung am 31. Juli wieder in den Bereich des Möglichen bzw. sogar Wahrscheinlichen. Denn eine Zinssenkung um 25 Basispunkte gilt inzwischen als sicher.

Zinssenkungserwartungen treiben die US-Indizes auf neue Allzeithochs

Durch die bullishen Marktreaktionen scheint sich die saisonale Schwäche nun jedenfalls doch noch nicht durchsetzen zu können. Stattdessen gilt eher wieder das Szenario, dass die Aktienmärkte „im aktuellen Jahr durch die derzeitigen Zinsspekulationen sogar noch bis zu den nächsten Notenbanksitzungen Stärke zeigen“ können (siehe Börse-Intern vom vergangenen Freitag). Die US-Indizes haben heute sogar schon neue Allzeithochs markiert, ohne allerdings dabei klar über die bisherigen Hochs auszubrechen.

Haben Aktien- und Devisenanleger verschiedene Erwartungen?

Interessant ist, dass sich der Devisenmarkt noch gar nicht so sicher bezüglich einer Zinssenkung durch die US-Notenbank zu sein scheint. Denn ein solcher Zinsschritt müsste eigentlich den US-Dollar belasten, weil dieser bei sinkenden Zinsen als Anlagewährung unattraktiver wird. Doch der Dollar hatte vor der heutigen Schwäche zum Euro deutlich zugelegt. Der EUR/USD-Wechselkurs ist kürzlich von über 1,14 USD auf unter 1,12 USD gesunken (siehe rote Ellipse im folgenden Chart).

EUR/USD - Chartanalyse

Dabei war dieser gerade erst aus einem bullishen Keil (blaue Linien) nach oben ausgebrochen und hatte damit beste Chancen für eine Trendwende. Es hatte sich sogar schon ein kleiner Aufwärtstrendkanal ausgebildet (grün). Doch der ist mit dem scharfen Rücksetzer nun schon wieder Geschichte. Immerhin konnte aber das Zwischentief noch knapp verteidigt werden (grüne horizontale Linie).

Starker Dollar oder schwacher Euro?

Diese Kursentwicklung muss aber nicht zwingend eine Stärke des Dollars bedeuten. Sie könnte auch einer Schwäche des Euros geschuldet sein. Denn auch der Europäischen Zentralbank (EZB) trauen die Märkte inzwischen eine Zinssenkung zu. Und sollten tatsächlich beide Notenbanken einen derartigen Zinsschritt vollziehen, bedeutet dies vorerst ein ausgeglichenes Kräfteverhältnis zwischen den Währungen. Damit würde es wohl eher zu einer Seitwärtstendenz im EUR/USD kommen und die Trendwende, die durch den Bull-Keil und den idealtypischen Ausbruch aus diesem nach oben möglich war, muss wohl noch etwas auf sich warten lassen.

Wer in Erwartung einer Trendwende nach dem Bruch der Abwärtstrendlinien Long-Trades eingegangen ist, sollte diese weiterhin unterhalb des Tiefs der Abwärtsbewegung bei rund 1,11 USD absichern.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhaus
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