In dieser Ausgabe von Börse - Intern lesen Sie: Aufgrund zunehmender Probleme sind derzeit sichere Häfen gesucht. Doch während Staatsanleihen deutlich steigen, gibt der Goldpreis nach. Woran liegt das? ...
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Die Federal Reserve in den USA (Fed), die Europäische Zentralbank im Euroraum (EZB) und die Bank of Japan (BoJ) haben jüngst allesamt eine abwartende Haltung in ihrer Geldpolitik signalisiert. Das kann man positiv und negativ werten.

Aktienmärkte in abwartender Haltung

Einerseits haben die Märkte damit nun eine relativ hohe Planungssicherheit, was die Zinsen angeht. Denn die drei großen Zentralbanken werden in diesem Jahr mit höchster Wahrscheinlichkeit keine Zinsanhebung mehr vornehmen. Doch andererseits schwächen sich die Wirtschaftsdaten seit geraumer Zeit kontinuierlich ab. Und dass die Notenbanken aktuell derart vorsichtig vorgehen, verheißt für die weitere Konjunkturentwicklung nichts Gutes.

Soll man sich nun also über die länger verfügbare günstige Liquidität freuen oder Angst vor einer anhaltenden oder sich sogar noch verschärfenden Wirtschaftsschwäche haben? An den Aktienmärkten ist man angesichts dieser Fragestellung zurückhaltend. Man will wohl zunächst die weitere Entwicklung abwarten und beobachten. So zumindest lassen sich die Kursentwicklungen in dieser Woche erklären. Denn es gab, wie gestern bereits geschrieben, nur relativ moderate Bewegungen – von Einzelwerten einmal abgesehen.

Staatsanleihen schlagen Gold

Abseits der Aktienmärkte gab es allerdings eine interessante Beobachtung: Staatsanleihen konnten als sichere Häfen deutlich zulegen, während der Goldpreis nachgab – obwohl dieser eigentlich ebenfalls als sicherer Hafen gilt. Letzteres könnte mit sinkenden Inflationserwartungen begründet werden, die mit der Erwartung an eine sich weiter abschwächende Wirtschaft  kompatibel sind. Und Gold gilt auch als Schutz vor Inflation, den man nun eben auf absehbare Zeit nicht braucht.

Gedämpfte Wachstums- und Inflationserwartungen

Gestern wiesen aktuelle Inflationsdaten aus Deutschland und Spanien bereits auf einen weiterhin mäßigen Preisdruck hin. In Deutschland ist die jährliche Inflation im März nach vorläufigen Daten nur um 1,3 % gestiegen und damit deutlich schwächer als von der EZB gewünscht (2 %). Vor allem die Kernteuerung zeigt keinen nachhaltigen Aufwärtstrend, was besonders wichtig für die Geldpolitik ist. In den USA liegt die Kerninflation zwar in der Nähe der Zielgröße von 2 %, die auch die Fed verfolgt, und die Inflationserwartungen liegen noch oberhalb der Dezembertiefs, doch sind sie zuletzt wieder gesunken. Und in der Eurozone wurden sogar neue Tiefs markiert.

Unentschlossene Gold-Investoren

Daher stecken Gold-Anleger in einem ähnlichen Dilemma wie Aktieninvestoren. Eigentlich ist die abwartende Haltung der Notenbanken positiv, weil eine expansive Geldpolitik gewöhnlich den Goldpreis treibt. Doch die Zinsen bleiben nur deshalb so niedrig, weil es mit der Wirtschaft nicht aufwärts geht – und damit auch nicht mit der Inflation. Und so können sich auch die Goldinvestoren derzeit nicht so recht für eine Richtung entscheiden.

Seit Mitte August haben wir zwar wieder steigende Goldpreise gesehen, doch vor einem Monat wurde das vorläufige Hoch dieser Bewegung markiert – und zwar exakt am oberen Ende der übergeordneten Seitwärtsrange (siehe gelbes Rechteck und roter Pfeil im folgenden Chart).

Gold - Chartanalyse

Aktuell erhält der Goldpreis noch Unterstützung von einer zurückeroberten Aufwärtstrendlinie (dick grün im Chart), aber diese dürfte ihre Relevanz bald auch verlieren, genau wie die beiden anderen (dünn grün). Denn die Seitwärtsrange scheint weiterhin kursbestimmend zu sein. Und dabei sind Auf- und Abwärtstrends eben nur vorübergehende Phänomene.

Gegenbewegung perfekt vorausgeahnt

Übrigens ist die Situation von heute mit der von vor mehr als sieben Monaten vergleichbar. Mitte August 2018 hatte ich nämlich zuletzt den Goldpreis analysiert. Und auch damals konnte man trotz zunehmender Probleme eine Flucht aus Gold beobachten (siehe „Trotz zunehmender Probleme hält die Flucht aus Gold an“). Allerdings waren damals die Preise schon deutlich stärker gefallen und die COMEX-Netto-Long-Futures auf den tiefsten Stand seit drei Jahren gesunken. Und daher erschien eine Gegenbewegung immer wahrscheinlicher. Tatsächlich wurde nur zwei Tage später das Korrekturtief erreicht und der Goldpreis stieg anschließend von 1.172 USD bis an das obere Ende der Seitwärtsrange bei rund 1.350 USD.

Steht bald ein bullisher Ausbruch an?

Aktuell bin ich nicht ganz so optimistisch, dass wir in Kürze wieder einen neuen Aufwärtstrend im Goldpreis sehen. Aber man kann im Chart oben seit dem Ende des Abwärtstrends im Jahre 2015 zwei höhere Tiefs bei erkennen, während die Hochs gleichzeitig regelmäßig auf einem etwa gleichen Niveau markiert wurden. Dadurch scheint der Druck auf das obere Ende der Seitwärtsrange langsam zuzunehmen. Es könnte also längerfristig ein bullisher Ausbruch aus der Handelsspanne anstehen.

Strategie für Gold-Anleger

Wenn sich weiterhin abzeichnet, dass der Goldpreis eher am oberen Ende der Seitwärtsrange verbleibt, dann kann man langsam Gold-Positionen aufbauen, um von einem möglichen bullishen Ausbruch zu profitieren. Wer es prozyklisch mag, der wartet diesen Ausbruch einfach ab. Sollte der Preis aber das Tief des vergangenen Jahres erreichen, wäre dieses Szenario hinfällig. Dann kann man höchstens versuchen, weiterhin die Seitwärtsrange gewinnbringend zu nutzen, indem man am oberen Ende short und am unteren Ende long geht.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhaus
www.stockstreet.de


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