In dieser Ausgabe von Börse - Intern lesen Sie: Überraschend positiv fiel der US-Arbeitsmarktbericht aus. Dies kann Auswirkungen auf die Fed-Sitzung im Juli haben. Derweil gehen der EZB die Anleihen aus. ...
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Heute wurde der monatliche US-Arbeitsmarktbericht für den Juni veröffentlicht. Und dieser fiel deutlich über den Erwartungen aus. Volkswirte hatten im Vorfeld mit einem Stellenaufbau von 165.000 bis 181.000 gerechnet, nach dem enttäuschenden Plus von nur (revidiert) 11.000 Stellen im Vormonat. Tatsächlich lag die Zahl der neugeschaffenen Stellen allerdings bei 287.000. Damit könnte der schwache Stellenaufbau im Mai (siehe Diagramm) nur eine kleine Delle in der ansonsten stabilen Entwicklung des US-Arbeitsmarktes gewesen sein.

neu geschaffene Stellen in den USA

Macht der Arbeitsmarktbericht eine Zinsanhebung im Juli wahrscheinlicher?

Dies könnte Auswirkungen auf die nächste Zinssitzung der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) am 26. und 27. Juli haben. Auf der letzten Fed-Sitzung vom 14. und 15. Juni bestand noch eine erhöhte Unsicherheit bezüglich der wirtschaftlichen Entwicklung. Dies geht aus dem Sitzungsprotokoll hervor, das die US-Notenbank am Mittwochabend (MEZ) veröffentlicht hat.

Die Fed-Mitglieder diskutierten demnach kontrovers die Verfassung des Arbeitsmarktes, die Inflationsentwicklung, den Wachstumsausblick und die Risiken für die Wirtschaft. Während die Notenbanker im April und Mai noch signalisierten, dass die Zinsen noch in diesem Sommer angehoben werden, war die Neigung zu derartigen Zinsanhebungen zu diesem Zeitpunkt relativ gering.

Zumal aus den Mitschriften hervorgeht, dass aus Sicht der Notenbanker die Abkehr der Briten von der EU (Brexit) nicht nur Finanzmarktturbulenzen auslösen, sondern auch die amerikanische Wirtschaft bremsen könne. Daher sei es nötig, zunächst weitere Daten über die Folgen der Abstimmung abzuwarten, bevor man sich an eine erneute Zinserhöhung heranwagt.

Weitere Konjunkturdaten können Hinweise liefern

Ob der überraschend starke Stellenaufbau nun schon für eine Fed-Zinsanhebung Ende Juli reicht, muss abgewartet werden. Schließlich ist der Arbeitsmarkt ein nachlaufender Indikator. Und wie Sie vorgestern hier an dieser Stelle lesen konnten, beziehen sich die meisten Konjunkturdaten, die derzeit veröffentlicht werden, auf den Zeitraum vor dem Brexit. So auch der Arbeitsmarktbericht. Und daher könnte es sein, dass die US-Notenbank ihre abwartende Haltung noch etwas beibehält.

Allerdings ist bis zur Sitzung Ende Juli noch etwas Zeit, in der noch viele weitere Konjunkturdaten veröffentlicht werden. Bis dahin muss man also genau beobachten, ob die weiteren Daten den positiven Eindruck aus dem heutigen Arbeitsmarktbericht bestätigen und inwiefern der Brexit noch negativen Einfluss auf die Daten haben könnte.

Gehen der EZB die kaufbaren Anleihen aus?

Neben der Fed hat auch die EZB ihr Protokoll zur jüngsten Ratssitzung veröffentlicht. Dieses hielt ein interessantes Detail parat, das zu neuen Gerüchten am Markt geführt hat. Denn aus der Mitschrift geht hervor, dass die Notenbanker mögliche Knappheitsprobleme bei ihrem Anleihekaufprogramm diskutierten haben.

Demnach führen unter anderem der extreme Anstieg des Bund-Future bzw. die damit verbundenen fallenden Renditen am Anleihemarkt dazu, dass der EZB die kaufbaren Anleihen ausgehen. Daher wurden erste Vermutungen laut, dass die EZB den Einlagezins von aktuell -0,4 auf -0,5 Prozent absenken wird, um das Volumen der kaufbaren Anleihen wieder zu erhöhen.

EZB kauft unter eigenen Auflagen

Bekannt ist, dass die EZB derzeit jeden Monat Staatsanleihen im Wert von 80 Milliarden Euro kauft. Dabei hat sich die Notenbank eigene Grenzen gesteckt:

  1. Die EZB kann die Anleihen der verschiedenen Länder nur in dem Maße erwerben, wie diese der Notenbank Eigenkapital zur Verfügung stellen.
  2. Es dürfen nur Titel gekauft werden, die eine bestimmte Bonität aufweisen und deren Laufzeit zwischen zwei und 30 Jahren liegen.
  3. Der wichtige Punkt ist aber, dass die Renditen nicht niedriger als der aktuelle Einlagenzins von -0,4 Prozent liegen dürfen.

Renditen liegen vielfach unterhalb der Schwelle

Da Anleihen zurzeit unter Anlegern als „sichere Häfen“ gelten, sind sie aktuell sehr gefragt. Die hohe Nachfrage führt dazu, dass die Renditen vieler Papiere bereits unter der EZB-Schwelle von -0,4 Prozent liegen. Und das könnte für die Notenbank nun zum Problem werden: Mittlerweile sind fast ein Drittel aller von der Bonität her geeigneten Papiere wegen zu niedriger Zinsen für die EZB tabu. Ihr gehen also die kaufbaren Anleihen aus.

Fazit

Es wird demnach spannend, wie einerseits die Fed auf den Brexit, den US-Arbeitsmarktbericht und die weitere Daten auf Ihrer Sitzung Ende Juli reagiert und andererseits die EZB mit dem Problem der kaufbaren Anleihen umgeht. Beides sind Entwicklungen, die einen hohen Einfluss auf die Kurse haben können. Entsprechend genau werden wir hier in der Börse-Intern die weitere Entwicklung beobachten und analysieren.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage

Ihr

Sven Weisenhaus


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