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Die markante Schwäche des DAX
Ausgabe vom 27.03.2026
Die markante Schwäche des DAX
von Torsten Ewert
Zunächst ein Hinweis in eigener Sache: Die Börse-Intern geht in eine kurze Osterpause – in der kommenden Woche werden also keine Ausgaben erscheinen. Die nächste Ausgabe gibt es dann am Dienstag, 07.04.2026. Wir Redakteure, Sven Weisenhaus und Torsten Ewert, und das gesamte Stockstreet-Team wünschen Ihnen und Ihren Lieben schöne Feiertage!
Schöne Zeit an den Börsen?
Ob allerdings die Zeit über Ostern auch für Börsianer schön wird, bleibt abzuwarten. Nach wie vor tun sich vor allem die Aktienmärkte schwer. Da hilft auch nicht, dass US-Präsident Trump bei seinem Krieg gegen Iran immer weiter zurückrudert.
Bekanntlich hat er in der Vorwoche der iranischen Führung ein 48-Stunden-Ultimatum für die Freigabe der Straße von Hormus gestellt. Am Montag folgte die Verlängerung auf 5 Tage (was zu einem kleinen Kursschub führte; dazu gleich mehr). Inzwischen hat er die Frist bis Ostern verlängert.
Der Zweck dieses Manövers ist unklar: Iran dementiert weiterhin, überhaupt mit den USA zu verhandeln, und Trumps 15-Punkte-Forderungskatalog an Iran dürfte ebenfalls wenig hilfreich sein. Am wahrscheinlichsten erscheint, dass er mit seiner bekannten Vorstoß-Rückzugs-Taktik nur Zeit gewinnen will.
Denn parallel dazu haben die USA weitere Kampfeinheiten in den Nahen Osten verlegt. Somit scheint alles auf die Vorbereitung einer Bodenoffensive hinauszulaufen. Und diese könnte die Märkte weiter einbrechen lassen. Immerhin: Wenn sich Donald Trump an seine eigenen Vorgaben hält, könnten bis Ostern zumindest weitere größere Hiobsbotschaften aus Nahost ausbleiben.
DAX weiter im Abwärtsstrudel
So weit die weltpolitische Gemengelage, in der die Anleger ihre Entscheidungen treffen müssen. Und da sieht es für den DAX nicht gut aus, wie der folgende Chart zeigt:

Zunächst hat der DAX bei seinen ersten Rückfällen aus dem gelben Rechteck noch wichtige Unterstützungen halten können: die blaue Zone bei 23.000 Punkten bzw. eine große Kurslücke (grau) seines dynamisches Wiederanstiegs vom April/Mai 2025 (siehe grüne Pfeile). Inzwischen fiel er aber klar darunter.
Mehr noch: Die Gegenreaktion blieb schwach. Und Sie wissen inzwischen, dass wir an den Gegenreaktionen die Stärke oder Schwäche einer Abwärtsbewegung beurteilen. So endete der erste Wiederanstieg schon knapp oberhalb der blauen Zone. Er reichte damit zwar etwas höher als der Rückfall vom 9.3. (linker grüner Pfeil), aber nach dem weiteren Kursverlauf kann man sagen, dass der DAX bei der Wiedereroberung der blauen Zone gescheitert ist.
Das zeigt sich vor allem auch daran, dass die Hochs der beiden folgenden Kerzen genau am Hoch der ersten und damit an der Unterkante der Kurslücke unterhalb des gelben Rechtecks gebildet wurden (linker roter Pfeil). Und am Mittwoch scheiterte der DAX sogar noch tiefer, direkt an der schmalen blauen Zone (rechter roter Pfeil).
Weitere bearishe Signale im DAX
Allein das sind schon stark bearishe kurzfristige Signale, zumal sich dadurch eine Abwärtstrendbeschleunigung andeutet (blaue Linien im folgenden Chart):

Aber das ist noch nicht alles. Es gibt noch ein weiteres, verstecktes Warnsignal, das sich aus dem Kursverlauf dieser Woche ergibt. Dazu der dritte Chart:

Darin habe ich die 5 Tageskerzen dieser Woche mit einem blauen Rechteck markiert: Die lange (grüne) Kerze vom Montag entstand, nachdem der DAX wegen Trumps erstem Iran-Ultimatum zunächst kräftig einbrach, sich dann aber rasant erholte, nachdem es der US-Präsident verlängert hat.
Der DAX überstrich dadurch am Montag eine Kursspanne von 6 %. Und seitdem bewegen sie die Kurse der 4 Folgetage innerhalb dieser Kursspanne.
Unbedeutende Inside Days? Nicht in diesem Fall!
Bezogen auf die Montagskerze handelt es sich damit um sogenannte Inside Days. Charttechnisch gelten sie als unbedeutend, weil natürlich der vorherige Kursimpuls das bedeutsame Ereignis war und es nun darum geht, ob der weitere Verlauf dieses vermeintliche Signal bestätigt.
Formal erhalten wir also erst ein Signal, wenn der DAX über das Hoch oder unter das Tief der Kerze vom Montag hinausgeht. Doch in diesem Fall ist allein die Dauer dieser Inside-Periode ein starkes (bearishes) Signal! Denn natürlich sollten nach einem 6%-igen Intraday-Kursanstieg bald Anschlusskäufe folgen! Aber wie wir sehen: Nach oben wollte der DAX im ersten Anlauf schon mal nicht…
Die Inside-Day-Cluster im DAX aus historischer Perspektive
Dieser sogenannte Inside-Day Cluster von 4 Tagen ist auch aus historischer Perspektive auffällig. Dazu die entsprechende Analyse seit 1990:

Quelle: MarketMaker mit Daten von infront, eigene Berechnungen
Hier sehen Sie außer dem Kursverlauf des DAX (oben) die Anzahl der aufeinanderfolgenden Inside Days (Mitte) sowie die Spanne der vorangegangenen Kerze in Prozent (unten). Weil es deutliche Unterschiede gibt, habe ich Inside-Serien danach unterteilt, ob der vorangegangene Impuls positiv war (also Schlusskurs größer als Eröffnungskurs; grüne „Nadeln“) oder negativ.
Inside-Day-Cluster von 4 oder mehr Tagen nach positiven Impulsen (grün) gibt es praktisch erst seit den vergangenen Jahren. (Die längste Serie von 9 Tagen war im November 2020, nachdem die Meldung, BioNTech habe einen COVID-Impfstoff entwickelt, einen starken Aufwärtsimpuls auslöste, danach aber die Börsianer offenbar weitere Nachrichten abwarteten. Das war offensichtlich ein Sonderfall.)
Nach negativen Impulsen (rot) dauert die Orientierungsphase meist länger – dabei spielt die Hoffnung mit, dass das, was den Abwärtsimpuls ausgelöst hat, doch nicht so schlimm wird…
Vor allem aber zeigt diese Analyse, dass auf starke positive Impulse (blaue „Nadeln“) nur sehr kurze Inside-Day-Phasen folgen. Der aktuelle Fall einer 6%-igen Impulsspanne und einer 4-tägigen Inside-Day-Phase ist einzigartig.
Dow-Jones-CFD ebenfalls mit 4-Tage-Inside-Day-Serie
Wir müssen also davon ausgehen, dass der DAX in der kommenden Woche weiter fällt. (Die nächste Unterstützung ist die nächste große Kurslücke vom April 2025 (unten grau in den ersten Charts). Das gilt umso mehr, da auch der Dow Jones – zumindest in den CFD-Daten von JFD Brokers einen 4-Tage-Inside-Day-Cluster wie der DAX aufweist:

Hier gibt es ebenfalls weiterhin keine Gegenbewegung – der Kurs läuft sauber in einem sehr steilen und sehr schmalen Abwärtstrend! Und nun scheint auch noch die grüne Unterstützung gebrochen zu werden...
Und wenn dann noch neue Hiobsbotschaften aus Nahost hinzukommen, könnte der Kursrutsch weiter Fahrt aufnehmen…
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Und bei Bedarf können Sie über die Kontaktfunktion im Kundenbereich „Ihren“ Redakteur auch direkt fragen…
Eine gute Zeit wünscht Ihnen
Ihr Torsten Ewert
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