In dieser Ausgabe von Börse - Intern lesen Sie: Der US-Wirtschaft droht ein Schock historischen Ausmaßes. Dennoch sind US-Aktien so teuer wie am Allzeithoch. Das könnte sich aber bald wieder ändern. ...
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Die Aktienmärkte zeigen sich in dieser Woche bislang von ihrer freundlichen Seite. Der DAX konnte ein neues Hoch in seiner Kurserholung erreichen, ebenso wie die US-Indizes. Geholfen hat dabei wieder einmal billige Notenbankliquidität. So beschloss die Bank of Japan gleich zu Wochenbeginn weitere Maßnahmen zur Unterstützung der Wirtschaft.

Das Programm zum Kauf von Wertpapieren wird auf ein Volumen von 20 Billionen Yen (rund 171 Milliarden Euro) ausgeweitet. Bislang hatte das Programm einen Umfang von sieben Billionen Yen. Mit anderen Worten: Das Programm wurde fast verdreifacht (!). Die Notenbank bekräftigte zudem, im Zweifel sogar unbegrenzt Staatsanleihen aufzukaufen. Den Leitzins ließen die Währungshüter derweil unverändert bei 0,1 %.

Legen Fed und EZB nach?

Auch die US-Notenbank und die Europäische Zentralbank (EZB) tagen in dieser Woche. Es wird erwartet, dass hier ebenfalls neue geldpolitische Lockerungen beschlossen werden und die EZB dadurch in Summe sogar mehr Liquidität in den Markt pumpen wird als die Fed. Einige Experten gehen davon aus, dass die EZB das Ausmaß ihres Notfall-Anleihekaufprogramms (PEPP) um rund 500 Milliarden Euro auf 1,250 Billionen Euro erhöht.

Übrige Nachrichten ähneln sich

Abgesehen davon habe ich aktuell den Eindruck, dass sich die Nachrichten im Grundtenor inzwischen wiederholen und ähneln: Die diversen Forschungsinstitute geben (teils aktualisierte) Prognosen zum Wirtschaftswachstum ab, die meisten Unternehmen streichen ihre Prognosen und Dividenden und die Politik diskutiert über mögliche Lockerungen der in der Virus-Krise erlassenen Beschränkungen sowie über weitere Hilfspakete.

Aktienindizes konnten neue Erholungshochs markieren

Dass dies keine wirklich neuen Meldungen sind, ist durchaus positiv für die Märkte. Denn diese Art der Nachrichten ist man inzwischen gewöhnt. Sie werden von den Anlegern offenbar mehr oder weniger achselzuckend zur Kenntnis genommen und man konzentriert sich auf den Wiedereinstieg in die Märkte. Dadurch steigen die Aktienkurse in dieser Woche wieder deutlicher an und die Indizes konnten neue Hochs in ihren aktuellen Kurserholungen markieren.

Anleger lehnen sich weit aus dem Fenster

Ich halte diese Sorglosigkeit der Anleger allerdings weiterhin für gefährlich. Denn man muss berücksichtigen, dass sich die Anleger nach wie vor im „Blindflug“ befinden. Zwar werden derzeit im Rahmen der laufenden Berichtssaison die Ergebnisse der Unternehmen zum 1. Quartal 2020 veröffentlicht, so dass man einen ersten Eindruck davon gewinnt, welche Spuren das Coronavirus in den Bilanzen der Unternehmen hinterlässt, doch die Virus-Epidemie bzw. -Pandemie ist in vielen Ländern erst im 2. Quartal so richtig ausgebrochen, so auch hierzulande und insbesondere in den USA. Und wie stark die Geschäfte in diesem Quartal bereits eingebrochen sind und noch einbrechen werden, ist völlig unklar. Denn es geht gerade erst der erste Monat des Quartals zu Ende. Und die beschlossenen Maßnahmen im Kampf gegen das Virus werden bislang nur sehr behutsam Schritt für Schritt gelockert. Daher haben die meisten Unternehmen inzwischen ihre Prognosen zurückgenommen, weil sie selber nicht wissen, wie es weitergeht. Es ist somit sehr schwer, einen fairen Aktienkurs für die jeweiligen Unternehmen zu ermitteln.

Ein Schock historischen Ausmaßes für die US-Wirtschaft

Und während die Aktienkurse dennoch zulegen, werden die Gewinnerwartungen immer weiter reduziert. Am 15. April hatte ich berichtet, dass Analysten für das 2. Quartal 2020 einen Gewinnrückgang im S&P 500 in Höhe von durchschnittlich -20,0 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum erwarteten. Aktuell sind es -31,9 %.

S&P 500: Gewinnerwartungen 2. Quartal 2020

Die Prognosen für das 3. Quartal wurden von -8,5 % auf -16,9 % und die für das 4. Quartal von -0,9 % auf -7,4 % zurückgenommen.

Der Wirtschaftsberater des Weißen Hauses, Kevin Hassett, geht aufgrund der Coronavirus-Pandemie von einem „Schock historischen Ausmaßes“ für die US-Wirtschaft aus. „Wir werden uns mit einer Arbeitslosenquote befassen müssen, die wir während der Großen Depression gesehen haben", sagte der Berater von Präsident Donald Trump dem Sender ABC am Montag. Er erwarte eine Arbeitslosenquote von 16 % oder mehr für diesen Monat. Diese würde deutlich über dem Hoch der Finanzkrise liegen (10,2 %).

Arbeitslosenquote der USA

Wie Sie aus der Börse-Intern vielleicht bereits wissen, wurden seit Mitte März 26,5 Millionen Erstanträge auf Arbeitslosengeld gestellt. Nach Schätzungen des überparteilichen Congressional Budget Office (CBO) wird die Arbeitslosenquote auch im nächsten Jahr noch bei über 10 % liegen.

Da die US-Wirtschaft erheblich vom inländischen Konsum abhängig ist, würde es bei einer anhaltend hohen Arbeitslosigkeit zu einer dauerhaften Belastung für die Wirtschaft kommen, welche dann auch Firmen belasten könnte, die zurzeit noch von der Corona-Pandemie profitieren.

Für die am morgigen Mittwoch anstehenden Daten zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA im 1. Quartal 2020 erwarten Experten aufs Jahr hochgerechnet einen Rückgang um 4,1 %. Für das 2. Quartal erwartet das CBO, dass das US-Bruttoinlandsprodukt mit einer jährlichen Rate von fast 40 % schrumpfen wird.

Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA

Von der Erwartung an eine schnelle V-förmige Konjunkturentwicklung sollte man sich wohl verabschieden.

Und man sollte auch beachten, dass die Politik mit Geld nicht alle Schäden beheben kann. Schon jetzt wird das US-Haushaltsdefizit wohl in diesem Fiskaljahr auf den Rekordwert von 3,7 Billionen Dollar steigen und sich damit fast vervierfachen, wie das CBO am Freitag mitteilte.

S&P 500 nun höher bewertet als am Allzeithoch

Vor dem Hintergrund dieser Zahlen, Daten und Fakten ist es aus meiner Sicht schon spektakulär, dass die Anleger dem S&P 500 inzwischen ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) gestatten, das höher liegt als am Allzeithoch.

S&P 500: Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)

Aber ich habe das Gefühl, dass dies nicht lange Bestand haben wird. Denn der S&P 500 hat heute im Hoch ziemlich genau sein 61,80%-Fibobanacci-Retracement erreicht (siehe schwarze horizontale Linien im folgenden Chart). Dabei ist er an eine ehemalige Unterstützungslinie geprallt (grün), die nun als Widerstand fungieren könnte.

S&P 500 - Chartanalyse

Und außerdem zeichnet sich mit dem neuen Erholungs-Hoch inzwischen ein 5-gliedriger Kursverlauf ab (grüne Ziffern), der dafür spricht, dass der Aufwärtszyklus zu Ende geht und sich die Kurse im Rahmen einer ABC-Korrektur wieder zurückziehen könnten (grüne Buchstaben, Pfeile).


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhaus
www.stockstreet.de


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