In dieser Ausgabe von Börse - Intern lesen Sie: Die Top-Formation im DAX ist beendet und bestätigt. Welche möglichen Kursziele ergeben sich daraus für den weiteren Kursverlauf n 2019? ...
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Sehr verehrte Leserinnen und Leser,

nachdem der DAX zuletzt deutlich unter 11.000 Punkte fiel, gibt es keinen Zweifel mehr, dass im Oktober eine Top-Formation vollendet wurde. Es stellt sich also längst die Frage, welche Konsequenzen das hat – auch mit Blick auf den Verfallstag in dieser Woche.

Update: Wie es nach dem Ende der Top-Formation im DAX weiterging

Werfen wir dazu zunächst einen Blick auf den langfristigen Chart, den ich Ihnen bereits Anfang Oktober gezeigt hatte, als ich die Top-Formation im DAX vor ihrer Vollendung ausführlicher analysiert habe.

DAX Wochenchart seit 2011 (1)

Auch in diesem Wochenchart ist deutlich zu sehen, dass der Kursrückgang mit Bruch der Unterseite der (grauen) Top-Formation Fahrt aufnahm. Zwischenzeitlich fiel der Kurs nach Bruch durch diese Unterseite, die in der roten Zone liegt, mehr als 1.000 Punkte. Er hat damit in kurzer Zeit die erste der beiden Unterstützungen bei gut 10.800 angelaufen, die ich schon im Oktober als nächsten (Zwischen-)Stopp des DAX auf dem Weg nach unten genannt hatte.

Das Target kann immer noch erreicht werden

Das ging sogar schneller als erwartet. Denn in dem Szenario, dass ich im Oktober entworfen hatte, schälte sich an dieser Unterstützung auch ein Target heraus. Hier der aktualisierte Chat von damals dazu:

DAX Tageschart seit Juni 2016

Das Target wurde zunächst nur von dem roten Kanal, der rot gestrichelten Parallellinie und der oberen blauen Unterstützungslinie gebildet. Inzwischen wurde es durch die Unterkante des blauen Trends verstärkt, der eine Beschleunigung der Abwärtsbewegung anzeigt und im Oktober erst im Entstehen war.

Dass der DAX die blaue Linie und damit das Target-Niveau zu früh erreicht hat, ist grundsätzlich ein bearishes Zeichen. Es könnte aber etwas abgemildert werden, wenn der Kurs bis zum Target (das in der ersten Januarwoche erreicht wäre) seitwärts läuft. Allerdings wäre das charttechnisch immer noch nur eine (kleine) Konsolidierung in einem intakten Abwärtstrend, der nach deren Ende fortgesetzt werden sollte.

So ist die kurzfristige Lage im DAX einzuschätzen

Das Target – sofern der DAX es überhaupt anläuft – ist also sehr wahrscheinlich nicht der Endpunkt des laufenden Rückfalls, sondern nur eine Zwischenstation. Darauf deutet auch der kurzfristige Verlauf hin (siehe folgender Chart):

DAX Tageschart seit März 2018

Denn der DAX ging bereits in die nächste Beschleunigungsphase seines Rückfalls über. So folgt er seit dem Rückfall vom Oktober einem dritten, noch steileren Abwärtstrend (schwarze Linien). Ende November machte er zwar kurzzeitig Anstalten, diesen zu verlassen und sprang mit einer Kurslücke aus diesem Kanal heraus. Doch bereits Anfang Dezember fiel er – erneut mit einer Kurslücke – in diesen Kanal zurück (siehe graue Rechtecke/blaue Pfeile).

Inzwischen hat der DAX den roten und den blauen Trendkanal sogar nach unten verlassen. Die schwächliche Erholung der Vorwoche scheiterte nicht nur an der oberen schwarzen Linie und bestätigte damit die erneute Abwärtstrendbeschleunigung, sondern ist auch ein erfolgreicher Test des Ausbruchs aus dem blauen Kanal (siehe roter Pfeil).

Ein weiteres bearishes Zeichen ist natürlich auch, dass der DAX bei seiner jüngsten Erholung nicht mehr die hellgrüne Linie, die alte Unterstützung am Tief vom Oktober, erreicht hat, sondern schon vorher wieder nach unten drehte.

Ein Kursziel, das der DAX noch ansteuern könnte

Wir müssen uns also darauf einstellen, dass es mit dem DAX weiter abwärts geht und auf dem aktuellen Kursniveau noch keine Bodenbildung zustande kommt. Damit stellt sich die Frage nach den nächsten Kurszielen des DAX. Dazu nochmals ein Blick auf den übergeordneten Chart:

DAX Wochenchart seit 2011 (2)

Bereits im Oktober wies ich darauf hin, dass der DAX auf seinem Weg nach unten nur wenige Unterstützungen hat. Neben der schon erreichten bei gut 10.800 Punkten (obere hellgrüne Linie) findet sich die nächste erste unterhalb von 10.200 Punkten (untere hellgrüne Linie) und damit schon gefährlich nah an der 10.000-Punkte-Marke.

Und solche runden Marken werden bekanntlich auch gerne getestet, wenn sie in Reichweite sind – zumal im Fall des DAX ein „richtiger“ Test dieser Marke nach seinem Ausbruch 2016 ohnehin noch aussteht.

Welches Kursziel ergibt sich aus der Top-Formation?

Aber auch das theoretische Kurspotenzial aus der vollendeten Top-Formation deutet auf einen möglichen Test der runden 10.000er Marke hin. Nach wie vor handelt es sich bei dieser Top-Formation nicht um eine eindeutige charttechnische Formation mit definiertem Kursziel. Aber natürlich kann man trotzdem das Abwärtspotenzial ausloten, indem man übliche Regeln entsprechend anwendet.

Bei einer SKS z.B. wird die Spanne zwischen Hoch und Nackenlinie an die Nackenlinie nach unten abgetragen, um das Kursziel zu bestimmen. Im aktuellen Fall könnte man in vergleichbarer Weise die Spanne vom Hoch bis zur Unterseite der Formation nehmen, wobei letztere allerdings nicht klar definiert ist. Ich habe mal das Hoch des letzten Tests der roten Zone vor dem jüngsten Rückfall als Ausbruchsniveau genommen (siehe roter Pfeil) und daraus mit den gelben Rechtecken das Abwärtspotenzial bestimmt.

Auch mit dieser Methode erreicht man fast die 10.000-Punkte-Marke (genau: 10.099 Punkte), so dass wir uns darauf einstellen sollten, dass die Bären versuchen werden, den DAX tatsächlich in diese Richtung zu treiben. Mit Handelsstreit und Brexit-Chaos gibt es auch entsprechende fundamentale Faktoren, die ein solches Szenario stützen.

Achtung vor diesem Crash-Szenario!

Charttechnisch könnte es sogar noch ein Stück weiter abwärts gehen, schließlich verläuft die Unterkante des übergeordneten Aufwärtstrends seit 2009 (grün) nur bei gut 9.000 Punkten. Und von da aus wäre es auch nicht mehr weit bis zu den Hochs der Jahre 2000 und 2007 bei gut 8.100 Punkten. Auch dieses Niveau wurde vom DAX nach seinem Ausbruch 2013 noch nicht ernsthaft getestet.

Allerdings kommen wir damit schon in den Bereich der zurzeit wieder einmal „beliebten“ Crash-Szenarien. Soweit ist es noch lange nicht, aber die Möglichkeit kann man inzwischen nicht mehr völlig ausschließen. Daher weisen wir – wie Sie das von uns bei Stockstreet gewohnt sind – frühzeitig auf diese Möglichkeit hin, damit Sie im Fall der Fälle darauf vorbereitet sind und rechtzeitig reagieren können, wenn es so kommen sollte.

Die weiteren Aussichten bis zum Verfallstag

Kurzfristig sind natürlich erst einmal andere Punkte von Bedeutung: Die Fed-Sitzung in dieser Woche mit der Zinsentscheidung am Mittwoch (die keine Überraschung, sondern die erwartete nächste Zinserhöhung bringen sollte) sowie natürlich der Verfallstag am Freitag.

Unser Szenario zum Verfallstag bleibt vorerst unverändert: Da der DAX schon tief im negativen Terrain (aus Sicht der Verfallstagspositionierung) notiert, sollten die weiteren Kursbewegungen eher zäh ausfallen. Zumindest in der Vorwoche hat sich das auch bestätigt, als der DAX trotz einiger erneuter Turbulenzen faktisch auf seinem Niveau verharrte.

Allerdings mussten die US-Märkte zum Wochenschluss erneute Rückschläge hinnehmen. Dow Jones und S&P 500 schlossen dadurch am Freitag auf ihrem tiefsten Stand seit November und könnten bei weiteren Verlusten bald neue Tiefs in der laufenden Korrektur markieren. Einer solchen eindeutigen Wiederaufnahme der Abwärtsbewegung der US-Indizes dürfte auch der DAX folgen, so dass dann doch noch deutlich niedrigere Kurse zum Verfallstag am Freitag möglich sind.

Aber es könnte natürlich, wie so häufig vor der Fed-Sitzung, das übliche Abwarten der Anleger geben. (Das deutet sich heute tatsächlich schon an: Nach einer erneuten Schwäche am Vormittag setzte nachmittags eine leichte Erholung ein.) Und da danach schon die übliche Ruhe zum Jahreswechsel zu erwarten ist, stehen die Chancen weiterhin gut, dass der DAX das aktuelle Kursniveau bis zum Verfallstag hält – und danach vielleicht sogar bis zu seinem Target seitwärts läuft.

Mit besten Grüßen

Ihr Torsten Ewert


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