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Herbstkorrektur schon im Sommer möglich

Ausgabe vom 26.06.2017

Herbstkorrektur schon im Sommer möglich

von Torsten Ewert

Sehr verehrte Leserinnen und Leser,

eigentlich scheint die Welt an den Aktienmärkten noch in Ordnung. Zwar bleibt die Aufwärtsdynamik verhalten, aber es werden doch immer wieder neue Allzeithochs markiert. Vor allem aber folgten auf Fehlausbrüche an den Allzeithochs keine starken Kursrückschläge. Damit besteht die Chance, dass die Rally einfach weitergeht. Doch es gibt noch eine andere Möglichkeit.

Der Bullenmarkt im S&P 500 scheint völlig ungefährdet

Zugegeben, beim flüchtigen Blick auf den Chart (hier der S&P 500) sieht es noch nicht nach größeren Turbulenzen aus.

 

Der Kurs läuft immer noch komfortabel in der oberen Hälfte des übergeordneten, seit Anfang 2016 gültigen Aufwärtstrends (dicke schwarze Linien). Den kurzfristigen, steileren Trend (grün schattiert) mit Beginn im Herbst 2016, hat er zwar verlassen. Aber das bullishe Szenario bleibt trotzdem in Kraft: Es kam zweimal kurz nacheinander zu einer dynamischen Umkehr nach oben– erst an der Mittellinie des übergeordneten Trends und dann nach dem jüngsten Ausbruch nach oben (siehe grüne Pfeile).

Dass der S&P 500 unlängst erneut an dem Wiedereintritt in den grün schattierten Trend scheiterte (siehe roter Pfeil), ist zunächst weniger bedeutsam. Aufgrund der anhaltenden relativen Stärke ist auch nach dem Bruch des grünen Trends ganz klar eine leichte Trendabschwächung zu favorisieren, kein Trendwechsel.

Das erste Indiz für lahmende Börsen

Bei genauerer Betrachtung stellt man jedoch fest, dass die vermeintliche Stärke womöglich schon zu erlahmen droht. Dazu der gleiche Chart wie oben mit einigen zusätzlichen Chartelementen:

Hier fällt zum einen der flache rote Trend ins Auge, dessen Oberkante der S&P 500 zuletzt mehrfach bestätigt hatte (indem er daran scheiterte) und an der er in der Vorwoche einen Fehlausbruch produzierte (siehe roter Pfeil).

Bei einem Rückfall könnte der Kurs bis an die Unterkante des roten Trends laufen. Dabei würde er allerdings ein Fehlsignal am alten Hoch von März bei rund 2.400 Punkten produzieren. Das wäre natürlich auch aus übergeordneter Sicht bearish.

Das zweite Indiz für lahmende Börsen

Zum anderen könnte man die Kursbewegung von März bis Mai als Seitwärtsbewegung auffassen (unteres gelbes Rechteck). Dann sollte der Kurs nach klassischer Charttechnik nach dem jüngsten Ausbruch nach oben bis an die Oberkante des nächsten, gleichgroßen Rechtecks laufen, das einfach auf das Ursprungsrechteck gesetzt wird (oberes Rechteck).

Aber genau hierbei schwächelt der S&P 500 zurzeit ebenfalls. Es besteht also auch aus dieser Perspektive die Gefahr eines Rückfalls und Fehlausbruchs. Allerdings könnte der Kurs dabei sogar bis an die Unterkante des unteren Rechtecks zurückfallen. Je nach Zeitdauer dieser Bewegung würde der S&P 500 dabei auch die untere dicke schwarze Linie erreichen, die Unterkante des übergeordneten Aufwärtstrends. Das könnte z.B. im Bereich des untersten roten Targets geschehen.

Welche neuralgischen Punkte der S&P 500 vorher durchbrechen müsste

Wenn es so kommt, bestünde eine erhöhte Wahrscheinlichkeit dafür, dass auch dieser Trend gebrochen wird – denn zuvor hätte der S&P 500 ja nicht mehr dessen Oberkante erreicht, sondern bereits Schwäche gezeigt. Kursrückgänge bis 2.225 oder auch 2.200 Punkte (ca. -10 % vom jüngsten Hoch) wären demnach völlig normal. Sie würden den Bullenmarkt zwar nicht beenden, aber die längst erwartete und überfällige „größere“ Korrektur einleiten.

Dazu müsste aber der S&P 500 kurzfristig einige neuralgische Punkte durchbrechen (siehe obere rote Kreise im Chart): die Zwischentiefs vom Juni sowie die Mittellinie des übergeordneten Trends bzw. vor allem das alte Allzeithoch bei 2.401 Punkten.

Wie die Sommerkorrektur zum saisonalen Zyklus passt

Aber wie passt das zu der immer noch positiven Saisonalität im aktuellen Nachwahljahr? Danach soll die Rally noch bis Ende Juli weitergehen (siehe Börse-Intern vom 23.06.2017). Und tatsächlich, diesen Verlauf gibt es nicht nur im DAX, sondern auch für die US-Märkte – siehe schwarze Kurve im folgenden Chart, die den Durchschnittsverlauf der Nachwahljahre im Dow Jones seit 1901 darstellt.

 

Im Vergleich dazu zeigt die rote Kurve den aktuellen Verlauf des Dow Jones. Und hier sehen Sie, dass der Dow Jones in diesem Jahr nicht nur den üblichen Februar-Einbruch ausgelassen , sondern auch die typische Konsolidierung von Mitte Mai bis Mitte Juni frühzeitig beendet hat.

Ein Durchschnittsverlauf ist nur ein Durchschnittsverlauf

Inzwischen ist er längst auf dem Niveau, von dem aus die ausgedehnte Konsolidierung im Nachwahljahr beginnt. Und wenn man das Zeitfenster des früheren Beginns des Anstiegs vom durchschnittlichen Jahreshoch Anfang August vorverlegt (siehe blaue Streifen), dann wäre der Dow Jones auch zeitlich längst für einen Korrekturbeginn bereit.

Zudem müssen wir bei solchen Vergleichen stets bedenken, dass wir nur mit statistischen Durchschnitten arbeiten – im konkreten Fall kann der Verlauf natürlich völlig anders aussehen. Aber immerhin folgt der Dow Jones bisher seinem Durchschnittsverlauf sowohl hinsichtlich der Bewegungen als auch der Größenordnung recht gut. Merkliche zeitliche Abweichungen wie in diesem Jahr treten dagegen recht häufig auf. Wenn diese Abweichungen, wie aktuell, im Jahresverlauf vergleichsweise konstant bleiben, dann können sie sogar eine Bestätigung des typischen Saisonmusters sein.

Warum auch fundamental eine baldige Korrektur möglich ist

Mit Blick auf die fundamentalen Rahmenbedingungen macht eine solche verfrühte Schwäche ebenfalls Sinn: So beginnt demnächst wieder die Quartalsberichtssaison. Bis dahin dürften viele Anleger erst einmal abwarten. Und wenn die eher verhaltenen Erwartungen auch noch enttäuscht werden, dann kann es schnell zu einer Verkaufswelle kommen.

Worauf Sie achten und wie Sie reagieren sollten

Aber erfreulicherweise bieten uns die Charts aktuell sehr gute Anhaltspunkte: Wenn es doch noch zu einem baldigen Aufwärtsschub in Richtung der Oberkante des oberen gelben Rechtecks bei rund 2.480 Punkten kommt, verringern sich die Korrekturgefahren zunächst wieder. Kritisch sind dagegen Rückfälle durch die roten Kreise und insbesondere unter die 2.400er Linie zu werten. Dann nimmt die Gefahr eines Rückschlags deutlich zu und Sie sollten aufgrund der dann möglichen größeren Korrektur nach und nach Gewinne sichern.

Mit besten Grüßen

Ihr Torsten Ewert

Trader-Sentiment für 26. KW 2017 (26.06. - 30.06.)

von Sven Weisenhaus

Die Bären stellten mit einem Anteil von 54,31 Prozent vor einer Woche wieder einmal die klare Mehrheit - zum 16. Mal in den vergangenen 20 Wochen. Und mit diesem erneut klaren Pessimismus sprach das Sentiment als Kontraindikator für steigende Kurse im DAX.

Tatsächlich konnte der Index anschließend (siehe helles Rechteck im Chart) einen kräftigen Satz nach oben machen und mit 12.951,54 Punkten am Dienstag sogar ein neues Allzeithoch markieren.

Zwar kam es anschließend zu fallenden Kursen und am Mittwoch rutschte der Index sogar ins Minus und schloss am Freitag auch mit einem leichten Abschlag von 19,32 Punkten bzw. 0,15 Prozent. Dennoch kann man argumentieren, dass die negative Stimmung zu Wochenbeginn den Impuls für ein neues Allzeithoch lieferte und das Sentiment somit als Kontraindikator wieder einmal funktioniert hat.

Folgt auch die neue Handelswoche diesem Muster, dann sollte man sich auf wieder steigende Kurse einstellen. Denn auch in der aktuellen Umfrage sind die Bären in der Überzahl.

 

Mit 51,16 Prozent ist deren Anteil allerdings deutlich geschrumpft. Es liegt also nur noch ein relativ geringes Ungleichgewicht vor. Und damit sinkt die Prognosequalität des Sentiments als Kontraindikator. Man sollte in den kommenden Tagen also vorsichtig agieren, wenn man sich beim Anlegen oder Traden nach dem Stimmungsbild richtet.


Ihr
Sven Weisenhaus 
- Stockstreet-Team -
www.trader-sentiment.de

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