In dieser Ausgabe von Börse - Intern lesen Sie: EZB-Chef Mario Draghi hat heute von der Möglichkeit einer Anpassung der Geldpolitik an die Konjunkturerholung gesprochen. Die Börsen reagierten prompt. ...
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Mario Draghi hat mit seinen Aussagen heute die Kursrichtung an den Börsen vorgegeben. Im portugiesischen Sintra erläuterte der EZB-Chef vor Fachleuten die Geldpolitik der Euro-Währungshüter. Dabei sprach er erstmals seit Beginn der historischen Niedrigzinsphase von der Möglichkeit einer „graduellen Anpassung“ der Geldpolitik an die anhaltende Konjunkturerholung in Europa. Er äußerte zudem die Einschätzung, dass die gegenwärtig inflationsbremsenden Effekte vorübergehender Natur sind.

Kursreaktionen auf Draghi-Rede

Der Euro zeigte daraufhin gegenüber anderen Währungen Stärke. Dahinter steckt die Überlegung, dass eine weniger expansive Geldpolitik das Angebot an Euros nicht mehr so stark steigen lässt. Und weniger Angebot führt zu höheren Preisen (= Kursen). Gleichzeitig wird durch eine Begrenzung oder das Ende des Anleihenkaufprogramms die Nachfrage nach Anleihen der Eurozone reduziert, was dementsprechend zu fallenden Kursen führte (zum Beispiel im Bund-Future). Die Ölpreise zogen derweil an, weil anhaltendes Wirtschaftswachstum zu einem höheren Energiebedarf führt. Und die Aktienkurse zeigten sich unentschlossen. Denn einerseits war die expansive Geldpolitik der Notenbanken bislang stets ein Kurstreiber, der zukünftig mehr und mehr wegfallen wird. Aus dieser Überlegung resultierte heute ein kleiner Kurssturz in den Aktienindizes. Doch andererseits führt anhaltendes Wirtschaftswachstum auch zu höheren Unternehmensgewinnen. Und diese Überlegung führte dann wohl zu einer schnellen Kurserholung und -beruhigung.

Einkaufsmanager senden klare Wachstumssignale

Dass es in den kommenden Wochen und Monaten zu weiterem Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone kommen wird, daran bestehen also kaum Zweifel. Bestätigt wurde diese Erwartung am vergangenen Freitag auch noch einmal vom Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe in der Eurozone. Dieser stieg im Juni zum zehnten Mal in Folge und erreichte mit nun 57,3 Punkten den höchsten Stand seit sechs Jahren.

Derweil gab der Dienstleistungsindex um 1,6 auf 54,7 Punkte nach. Und der vorläufige Wert für den Gesamteinkaufsmanagerindex (Markit-Composite Index) fiel dadurch um 1,1 auf 55,7 Punkte zurück. Dennoch unterstreichen auch diese beiden Werte die nach wie vor gute Stimmung der Unternehmen in der Eurozone. Denn mit einem Wert deutlich über 50 Zählern senden die Konjunkturbarometer weiterhin klare Wachstumssignale.

Die Stimmung ist besser als die Realität

Selbst wenn es in den kommenden Monaten zu weiteren Rückgängen bei diesen Frühindikatoren kommen sollte, sollte man diese Entwicklung nicht als Signal für einen nahenden konjunkturellen Abschwung oder gar Weg in die nächste Rezession interpretieren. Denn die Stimmungsindikatoren liegen derzeit viel höher als es die tatsächliche konjunkturelle Entwicklung rechtfertigen würde. Sie werden also früher oder später in eine Phase der Normalisierung eintreten, sodass sich Stimmung und „harte“ Konjunkturdaten wieder annähern.

Rückgänge auch bei den Aktienkursen möglich

Das könnte übrigens auch für die Aktienkurse gelten. Der DAX konnte heute nur sehr knapp seine Seitwärtskonsolidierung (blauer Pfeil) beziehungswiese den leichten Aufwärtstrend verteidigen. Im Tagestief lag er bereits unterhalb der (im Chart grünen) Aufwärtslinie, konnte sich aber noch einmal retten. Anschließend testete er die Linie noch zwei Mal und setzte sie damit gehörig unter Druck. Letztlich schloss er exakt auf der Linie und bestätigte sie damit als wichtige Unterstützung.

DAX - Chartanalyse

Damit die Linie als Unterstützung hält, muss der DAX jetzt möglichst schnell wieder ansteigen und die gestrige Tendenz von tieferen Hochs gebrochen werden. Dies wäre bei über 12.707 Zählern der Fall. Steigt der DAX über diesen Wert, dann wäre der gestrige Test der unteren Aufwärtstrendkanallinie bestätigt und nach der Trend-Theorie müsste man dann wieder mit einem erneuten Test der oberen Linie rechnen.

Geschieht das nicht und bricht der DAX stattdessen aus dem Trandkanal nach unten aus, dürfte das gestern von Torsten Ewert geschilderte Szenario bereits Form annehmen. Zumal es dann auch eindeutige Fehlsignale über das Allzeithoch gegeben hat. Beides wäre bearish zu bewerten.

Solange dies nicht der Fall ist, kann man die Tipps aus der Börse-Intern vom vergangenen Freitag umsetzen und „am unteren Ende des laufenden Trendkanals noch einmal long gehen und darauf setzen, dass der DAX in den kommenden Wochen mindestens wieder bis an die obere Linie zurückläuft, bevor der Trendkanal dann nach unten gebrochen wird“. Da die untere Linie aber gestern stark unter Druck geraten ist, sollte man besser erst den Anstieg über 12.707 Punkte abwarten. Und den Stopp sollte man dann sehr eng platzieren und bei einem klar bearishen Bruch des Trendkanals die Long-Position schließen und gegebenenfalls sogar sofort in eine Short-Position wechseln.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhaus
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