In dieser Ausgabe von Börse - Intern lesen Sie: Als Langfristinvestor müssen Sie nicht einfach eine Korrektur über sich ergehen lassen. Sie können davon profitieren - z.B. mit der Kleiderschrank-Methode. ...
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Sehr verehrte Leserinnen und Leser,

die Zeichen sind eindeutig: Demnächst scheint den Aktienbörsen womöglich eine (größere) Korrektur ins Haus zu stehen. Für manche Investoren ist das eine gute Nachricht. Den anderen kann ihr Kleiderschrank helfen, diese Korrektur zu überstehen.

Die Korrektur aus Sicht von Tradern und Langfristinvestoren

Sven Weisenhaus hat Ihnen in der Börse-Intern in jüngster Zeit alle Anzeichen einer bevorstehenden Korrektur genannt: die fundamentale Überbewertung von Aktien, die charttechnisch überkaufte Lage und die negativen Stimmungssignale.

Für Trader sind die Konsequenzen klar. Sie ziehen ihre Stopps enger nach, reduzieren ihre Positionsgrößen beim Trading oder legen einfach eine kleine Pause ein. (Short-Trades sind immer noch sehr riskant, kaum profitabel und sollten daher nur sehr erfahrenen Tradern mit einer klaren Strategie vorbehalten bleiben.)

Aber was machen langfristiger ausgerichtete Investoren in so einer Situation? Sie können nicht einfach ihr Depot leerräumen und eine Pause machen. Positionsgrößenmanagement ist ebenfalls keine vernünftige Option: Wegen der oben genannten Korrekturanzeichen gibt es für Langfristinvestoren ohnehin kaum Gründe, neue Positionen einzugehen.

Sind Langfristinvestoren in einer Korrektur im Nachteil?

Bleibt das Nachziehen von Stopps. Das ist jedoch eine zweischneidige Sache. Wer als Langfristinvestor überhaupt mit Stopps arbeitet, legt diese in der Regel sehr weit vom aktuellen Kurs. Schließlich will man eine gute Aktie langfristig halten und muss ihr dabei auch die üblichen Marktschwankungen genehmigen. Mit dem Nachziehen der Stopps wird genau dieses Prinzip ausgehebelt. Als Konsequenz fliegen dann häufig Positionen „unglücklich“ aus dem Depot, die man dann mit hohen Kosten und unter Umständen zu schlechteren Kursen mühsam wieder aufbauen muss.

Eine Möglichkeit ist natürlich, dass Depot insgesamt gegen Kursrückschläge abzusichern. Aber das ist die hohe Kunst des Risikomanagements und erfordert extrem viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl. Und die meisten Privatanleger verfügen weder über den Zugang zu den optimalen Instrumenten dafür, noch über das entsprechende Know-how. Von der Depotgröße, ab der solche Maßnahmen wirklich sinnvoll umzusetzen sind, mal ganz zu schweigen.

Die erste Methode, um als Investor in der Korrektur zu profitieren

Dennoch kann man sich auch als Langfristinvestor gegen eine Korrektur wappnen bzw. sich auf sie vorbereiten. Die erste Maßnahme ist relativ einfach. Sie ergibt sich aus meiner obigen Bemerkung, dass Langfristinvestoren zurzeit ohnehin keinen Anlass für größere Investments haben.

Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass Investoren, die nicht investiert sind oder noch ausreichend Cash haben, die Korrektur einfach für Zukäufe nutzen können. Wenn also einige hervorragende Aktien demnächst unverdientermaßen übertriebene Kursverluste erleiden, dann greifen Sie zu! Wenn die Korrektur beendet ist und die Kurse wieder steigen, werden Sie diese hervorragenden Aktien vielleicht nie wieder so günstig aufsammeln können. Insofern ist also die Korrektur für viele Langfristinvestoren eine gute Nachricht.

Was Sie durch einen Blick in Ihren Kleiderschrank lernen können

Trotzdem werden in einer Korrektur die bestehenden Positionen Rückschläge erleiden. Und natürlich sind wir daran interessiert, diese soweit wie möglich zu reduzieren. Und genau dabei kann Ihnen der (gedankliche) Blick in Ihren Kleiderschrank helfen.

Denn auch einen Kleiderschrank sollte man nicht wahllos vollstopfen, sondern von Zeit zu Zeit mal ausmisten. Doch was sortieren Sie dann aus? Schmeißen Sie wirklich die Stücke weg, die noch tragbar und modern sind und daher im Second-Hand-Shop die höchsten Preise erzielen? Oder werfen Sie nicht eher das über Bord, was Sie sowieso nicht mehr anziehen, nicht mehr passt oder aus anderen Gründen unbrauchbar ist? Sie wollen ja schließlich insgesamt und jeden Tag besser aussehen. Da macht es doch keinen Sinn, Ihre bisher besten Stücke zu verbannen, mit denen Sie noch Eindruck schinden können.

Warum die Kleiderschrank-Methode auch für die Börse taugt

Und genau dieses Prinzip sollten Sie auch auf Ihr Depot anwenden. Denn an der Börse ist es so: Verlierer bleiben Verlierer, und Verlierer verlieren bei Rückschlägen meist überproportional stark. Der Grund dafür ist einfach: Kein Fondsmanager will Verliereraktien im Depot haben. Der Herdentrieb sorgt also dafür, dass Aktien, die in Ungnade gefallen sind, auch weiterhin schwach bleiben. Einfach, weil auf absehbare Zeit keine „großen Adressen“ bei diesen Verlierern zugreifen.

Es mag einzelne Ausnahmen geben, bei denen es anders ist – genauso, wie auch einige gute Aktien unter „Gewinnmitnahmen“ leiden. Aber am Grundprinzip ändert das nichts. Und es dürfte Ihnen nicht schwerfallen, einige prominente Beispiele der vergangenen Jahre zu benennen: die Deutsche Telekom und Co. nach der Technologieblase 2000, E.On und RWE seit der Energiewende und Deutsche Bank und Commerzbank seit der Finanzkrise. Wer diese Werte „antizyklisch“ ins Depot nahm oder im Depot behielt, hatte jahrelang keine Freude an diesen Investments.

So nutzen Sie die Kleiderschrank-Methode zur Depotbereinigung

Als Langfristinvestor bereiten Sie sich also am besten auf eine Korrektur vor, indem Sie nach der Kleiderschrank-Methode Ihr Depot ausmisten. Dazu machen Sie eine Art Kassensturz: Sie prüfen also alle Werte darauf, wie gut oder schlecht sie sich im Vergleich zum Gesamtmarkt entwickelt haben. Sie können bei Bedarf einen charttechnischen Indikator, wie z.B. die Relative Stärke, verwenden. Notwendig ist das aber nicht. Es reicht, wenn Sie einfach die Performance Ihrer Aktien seit dem jüngsten Hoch oder Tief mit der Performance eines Benchmarks im gleichen Zeitraum vergleichen.

Für US-Aktien sind dabei der S&P 500 oder der Dow Jones, für Euro-Aktien der Euro STOXX 50 oder besser der Euro STOXX geeignet. Aber Achtung! Bei deutschen Aktien sollten Sie nicht den DAX nehmen, weil dieser ein Performance-Index ist. Das kann unter ungünstigen Umständen zu Fehlschlüssen führen. Korrekter für diesen Vergleich ist der DAX-Kursindex (ISIN DE0008467440 / WKN 846744), den Sie ebenfalls auf allen einschlägigen Finanzportalen finden.

Die Berechnung ist selbst mit einem normalen Taschenrechner schnell gemacht und liefert Ihnen eine Rangliste der schlechtesten Werte. Diese verkaufen Sie nach und nach, wenn entweder bearishe Signale im Markt (siehe die laufenden Ausgaben der Börse-Intern) oder in den betreffenden Aktien auftreten. (Letzteres müssen Sie natürlich selbst überwachen.)

Zwei Fliegen mit einer Klappe und der entscheidende Vorteil

Der Vorteil dieser Methode ist, dass Sie auf diese Art und Weise gleichzeitig Ihr Cash-Polster erhöhen, um in der Korrektur wieder zugreifen zu können (siehe oben). Sie schlagen also zwei Fliegen mit einer Klappe und verbessern überdies Ihre Depotstruktur, indem Sie konsequent auf Gewinner setzen.

Der größte Vorteil ist aber ein psychologischer: So vorbereitet können Sie sich dann sogar auf die Korrektur freuen. Die Untergangskommentare der Analysten können Sie ab jetzt an sich abprallen lassen – und sich ins Fäustchen lachen, denn Sie profitieren von Ihren bisherigen guten Aktien und erhalten überdies weitere gute Aktien zu einem Discountpreis. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen in den kommenden Wochen und Monaten viel Spaß!

Mit besten Grüßen

Ihr Torsten Ewert


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