In dieser Ausgabe von Börse - Intern lesen Sie: Die US-Wirtschaft nimmt wieder Fahrt auf. Aktuelle Indikatoren deuten auf ein Wachstum von +3,6 % hin. Die US-Notenbank muss daher den Leitzins anheben. ...
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Während die europäische Wirtschaft in diesem Jahr bislang an Wachstumstempo zu verlieren scheint, kann die US-Wirtschaft offenbar wieder mehr Fahrt aufnehmen. Darauf deuten zumindest die endgültigen Werte der Einkaufsmanagerindizes für den Monat Mai hin.

US-Wirtschaft wächst doppelt so schnell wie die Eurozone

Während die Schellschätzungen zur Eurozone gestern mit 54,1 Punkten lediglich bestätigt wurden (April: 55,1) und damit weiterhin das schwächste Wachstum seit eineinhalb Jahren andeuten, gab es bei den Werten aus den USA eine deutliche Korrektur nach oben. Statt der zunächst gemeldeten 55,7 Punkte stieg der Gesamteinkaufsmanagerindex (also Industrie und Dienstleistungen zusammen = Composite-PMI) von IHS Markit sogar auf 56,6 Zähler, nach 54,9 im April.

IHS Markit-Einkaufsmanagerindex der Gesamtwirtschaft in den USA
(Quelle: IHS Markit)

So hoch notierte der Index zuletzt vor mehr als drei Jahren (im April 2015). Und er signalisiert damit derzeit eine annualisierte Wachstumsrate für die US-Wirtschaft von 3,5 %. Das ist mehr als doppelt so viel, wie das Wachstum, welches der Einkaufsmanagerindex derzeit für die Wirtschaft der Eurozone anzeigt. Der ISM-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe der USA signalisiert mit aktuell 58,7 Punkten im Mai sogar ein Wachstum von 4,8 %.

Geringe Arbeitslosigkeit, steigende Löhne, steigende Preise

Zusammen mit dem US-Arbeitsmarktbericht vom vergangenen Freitag, den Torsten Ewert in seiner Analyse am vergangenen Montag bereits kurz erwähnt hatte, wird der US-Notenbank kaum eine Wahl bleiben - sie wird den Leitzins auf ihrer kommenden Sitzung am 13. Juni erneut anheben müssen. Schließlich liegt die Arbeitslosenquote mit 3,8 % auf dem niedrigsten Stand seit April 2000.

Arbeitslosenquote der USA

Einen noch niedrigeren Stand gab es zuletzt Ende der 1960er Jahre. (Den niedrigsten Stand gab es im April 1953 mit 2,7 %.) Und bei einem derart „leergefegten“ Arbeitsmarkt und gleichzeitig hohem Wirtschaftswachstum werden die Löhne weiter steigen. Mit durchschnittlich +0,3 % gegenüber dem Vormonat nahmen sie im Mai schon etwas stärker als erwartet zu. Die Jahresrate stieg wieder auf +2,7 % (siehe Grafik).

Entwicklung der Stundenlöhne in den USA
(Quelle: DekaBank)

Das treibt den Konsum und damit die Preise. Eine höhere Inflation wird die Folge sein. Da diese aber bereits das Ziel der Fed erreicht hat (siehe auch Börse-Intern vom 16. Mai), muss die Notenbank nun verstärkt gegensteuern und die Entwicklungen im Zaum halten.

US-Notenbank ist zum nächsten Zinsschritt gezwungen

Es besteht daher kaum ein Zweifel, dass die US-Notenbank den Leitzins nach ihrer nächsten Sitzung am 13. Juni auf die Spanne von 1,75 bis 2,00 % anheben werden. Gemessen an den „Fed Funds Futures“ liegt die Wahrscheinlichkeit dafür aktuell bei 93,8 %. Zuletzt wurde der Zins im März 2018 angehoben.

Leitzins in den USA

Und der Schritt davor lag im Dezember 2017. Setzt die Fed den Pfad der graduellen Zinsschritte fort, dann wäre der 13. Juni der logische Termin.

Auswirkungen auf die Börsenkurse

Für die Aktienmärkte sind diese Entwicklungen bullish. Denn die US-Wirtschaft wächst wieder stärker und die Basis für steigende Unternehmensgewinne und damit Aktienkurse ist damit weiterhin gegeben. Allerdinge erinnere ich an die nach wie vor ambitionierte Bewertung der US-Indizes, weshalb das Potential dort weiterhin begrenzt erscheint. Die Seitwärtskonsolidierung der vergangenen Wochen dürfte an den US-Märkten daher noch nicht vorüber sein. Zumal auch höhere Zinsen eine zunehmende Belastung für den Aktienmarkt werden.

Höhere US-Zinsen dürften auch die Anleihenmärkte und wegen der zunehmenden Zinsdifferenz zur Eurozone den EUR/USD weiterhin belasten. Dass wir aktuell dennoch leicht steigende Euro-Notierungen erleben, ist wohl eher das Ergebnis einer charttechnischen Gegenbewegung. Diese kommt auch nicht unerwartet. Denn vor genau einer Woche hatte ich geschrieben, dass der EUR/USD wichtige Unterstützungen erreicht hat, „die sich für eine Stabilisierung und Konsolidierung anbieten“. Und exakt seit dieser Analyse steigt der Wechselkurs (grüner Pfeil / grüner Bogen im Chart).

EUR/USD - Chartanalyse

Ich gehe weiterhin davon aus, dass der EUR/USD in Reichweite der 1,15er Marke konsolidiert.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhaus
www.stockstreet.de


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