In dieser Ausgabe von Börse - Intern lesen Sie: Warum in diesem Jahr "Sell in may and go away" die falsche Vorgehensweise sein könnte! ...
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Der DAX ist heute zwischenzeitlich um zwei Prozent eingebrochen und damit natürlich wieder unter die 10.000er Marke gefallen. Der Kampf um die 10.000er Marke geht, so sehr es auch mittlerweile nervt das zu schreiben, weiter und weiter.

Nach eigentlich guten Vorgaben aus den USA war es wieder einmal das Thema „China“, das die Kurse belastete. Der chinesische Einkaufsmanagerindex des verarbeitenden Gewerbes fiel auf 49,4 Punkte. Werte unterhalb von 50 Punkten weisen auf eine Schrumpfung des Sektors hin und damit hat die Sorge um das Wachstum in China wieder neue Nahrung erhalten. Analysten hatten übrigens mit einem Anstieg des Einkaufsmanagerindex gerechnet.

Euro am oberen Ende der Seitwärtsbewegung

Aber auch der weiter steigende Euro macht den Anlegern Sorgen:

Zwischenzeitlich stieg der Euro auf 1,1616 Dollar und ist damit aus der engeren Seitwärtsbewegung nach oben ausgebrochen. Jetzt ist der nächste Widerstand nur noch das Hoch aus dem August vergangenen Jahres bei 1,1714 Dollar. Ich rechne aber damit, dass der Euro in diesem Bereich seine aktuelle Aufwärtsbewegung zumindest unterbrechen wird. Insgesamt ist die Seitwärtsbewegung mittlerweile derart offensichtlich, dass grundsätzlich auch mit Fehlsignalen auf der oberen wie unteren Seite gerechnet werden muss.

Nach dem starken Anstieg kam der Euro im weiteren Tagesverlauf dann auch wieder deutlicher zurück, was zwischenzeitlich für eine leichte Beruhigung im DAX führte. Doch mit der Eröffnung der US-Indizes wurde es dann auch im DAX wieder turbulent.

Sell in May an go away?

Die aktuellen Kursverluste scheinen natürlich wieder zu der Theorie zu passen, dass man Aktien im Mai verkaufen soll, um im September und Oktober wieder einzusteigen. Jedes Jahr im Mai wird diese Theorie durch das Börsendorf gejagt. Und tatsächlich häufig macht dieses Vorgehen sogar Sinn. Aber eben nicht immer.

Es gibt nämlich eine signifikante Ausnahme von dieser Regel. Eine Ausnahme, die man kennen muss: Die Wahljahre des US-Präsidentschaftswahlzyklus:



In diesem Chart erkennt man zunächst, dass es seit 116 Jahren in den Jahren, in denen ein US-Präsident gewählt wird, keine gute Idee war, im Mai zu verkaufen und von der Börse fern zu bleiben – zumindest im Durchschnitt betrachtet.  Tatsächlich sollte man in Wahljahren aus saisonaler Sicht sogar spätestens Ende Mai eingestiegen sein, um die fulminante Rally bis zum Jahresende nicht zu verpassen.  

US-Wirtschaft ist überraschend schwach ins Jahr 2016 gestartet

Ebenso typisch für Wahljahre sind aber auch die eher schwachen ersten beiden Quartale an der Börse. Und auch hier stimmt die Entwicklung der US-Indizes in 2016 mit dem saisonalen Verlauf bisher überein. Zum Hintergrund dieser Schwäche haben wir bereits viel geschrieben. Ende der vergangenen Woche wurden dann noch Zahlen veröffentlicht, die einen weiteren Grund für die Schwäche der US-Aktienmärkte lieferten: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA ist von Januar bis März 2016 im Vergleich zum Vorquartal nur mit einer Jahresrate von 0,5 Prozent angestiegen. Analysten hatten mit einem Anstieg von 0,7 Prozent gerechnet.

Das schlechteste Quartal liegt hinter uns

Und dieses niedrige Wirtschaftswachstum erklärt auch die Zurückhaltung der Fed bei der vergangenen Fed-Sitzung. Interessant ist jedoch, wie es weitergeht und ob die Rally, die nach dem saisonalen Verlauf zu erwarten ist, auch fundamental Unterstützung bekommt. Dazu noch einmal die Grafik welche die bisherige Entwicklung der Umsätze und Gewinne der US-Unternehmen darstellt sowie die Prognosen für die kommenden Quarte (siehe auch die Börse-Intern Ausgabe vom 12. April).

 

Die Entwicklung zeigt einen weiteren Hintergrund für die aktuelle Schwäche der US-Indizes: Bislang gingen Umsätze und (operative) Gewinne der Unternehmen im S&P500 zurück. Schaut man sich jedoch die Schätzungen für die kommenden Quartale an, ist zu erkennen, dass die schwächsten Quartale hinter uns liegen könnten. Und eben diese Verbesserung bei Umsatz und Gewinn kann der Treibstoff für die Rally werden, die nach dem saisonalen Verlauf zu erwarten ist. Wenn man dann noch berücksichtigt, dass die Rohstoffpreise schon steigen und das dies ein Hinweis auf eine zunehmende Aktivität der Weltwirtschaft sein könnte, passt einiges zusammen.

Buy in may…

Im Moment sehen wir an den Börsen Kursrückgänge, die bisher noch idealtypisch zum saisonalen Muster passen. Deswegen hat sich auch der Rat, kurz- bis mittelfristige Positionen eng abzusichern, als richtig erwiesen. Weiterhin bleibe ich aber der Ansicht, dass nach diesen Kursrückgängen ab Ende Mai die Börsen eine Rally startet und dass man für das Jahr 2016 klar bullish bleiben sollte. Und so heißt es vielleicht in diesem Jahr statt "Sell in May...": Kaufe im Mai und halte bis Ende Dezember!


Viele Grüße

Ihr

Sven Weisenhaus


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