In dieser Ausgabe von Börse - Intern lesen Sie: Die US-Notenbank hat eine Kehrtwende vollzogen und schließt Zinsanhebungen in 2019 nun aus. Muss man sich daher um die Wirtschaft der USA Sorgen machen? ...
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Der Markt hat immer Recht. Obwohl ich diesen altbekannten Börsenspruch eigentlich nicht mag, weil er oft als Ausrede für alles Mögliche herhalten muss und auch stimmt, ist er dieses Mal doch sehr zutreffend. Denn der Markt hatte den von der US-Notenbank gestern nach unten angepassten Zinspfad schon frühzeitig eingepreist. Und im Grunde folgt die Federal Reserve (Fed) nun weitestgehend den Markterwartungen – zumindest für 2019.

Keine Leitzinsanhebung in 2019

Ihren Leitzins (federal funds rate) belässt die Fed vorerst wie erwartet in einer Spanne von 2,25 % bis 2,50 %. Und mit den aktuellen Projektionen (siehe folgende Tabelle) signalisiert das Federal Open Market Committee (FOMC), dass der Leitzins in diesem Jahr voraussichtlich auch nicht mehr angehoben wird – und im kommenden Jahr allenfalls einmal.

Fed-Projektionen

Gleiches ergibt sich aus den aktuellen Erwartungen der einzelnen FOMC-Mitgliedern hinsichtlich des angemessenen geldpolitischen Zinspfades („dot plots“, siehe folgende Grafik), die im Vergleich zur Veröffentlichung vom Dezember 2018 (Punkte unterhalb der dicken blauen Linie) deutlich nach unten verschoben wurden (Punkte oberhalb der dicken blauen Linie).

"dot plots" der US-Notenbank

Laut Fed-Chef Jerome Powell geben die jüngsten Konjunkturdaten keine Signale hinsichtlich der Richtung des nächsten Zinsschritts. Ihre BIP-Wachstumsprognose senkten die Währungshüter von 2,3 % auf 2,1 % für 2019 und von 2,0 % auf 1,9 % für 2020 (siehe Tabelle oben). Und die Inflationserwartungen wurden ebenfalls leicht nach unten angepasst. Auch bezüglich der Arbeitslosenquote ist man etwas weniger optimistisch. Und daher will man bei der Festsetzung der künftigen Fed Funds-Rate weiterhin „geduldig“ sein.

Liquiditätsentzug wird noch in diesem Jahr beendet

Zudem wird die Fed die Geschwindigkeit des Abbaus der Zentralbankbilanz ab Mai reduzieren - die Bestände an Staatsanleihen werden dann nicht mehr um 30 Milliarden, sondern "nur noch" um 15 Milliarden Dollar reduziert - und die Bilanzsumme ab Ende September für eine gewisse Zeit konstant halten. Im Kampf gegen die zurückliegende Wirtschaftskrise war das Portfolio der Fed durch Wertpapierkäufe auf rund 4,5 Billionen Dollar angewachsen. Mittlerweile wurde es auf unter vier Billionen Dollar reduziert. Und ab Oktober wird es sich dann bei über 3,5 Billionen Dollar einpendeln.

Muss man sich um die Wirtschaft der USA Sorgen machen?

Es ist schon beeindruckend, in welchem Tempo die US-Notenbank derzeit einen geldpolitischen Schwenk vollzieht, nachdem sie im vergangenen Jahr noch sehr konsequent und verlässlich agierte. Da stellt sich nun zwangsläufig die Frage, wie schlecht es eigentlich um die Zukunft der Weltwirtschaft und die Wirtschaft der USA steht.

Gewöhnlich kann die Welt in einem halben Jahr, ja sogar schon in einem Vierteljahr wieder ganz anders aussehen. Das zeigt sich ja auch derzeit eindrucksvoll an den Anpassungen der Konjunkturerwartungen von den Notenbanken und den führenden Wirtschaftsinstituten weltweit. Doch die US-Notenbank scheint sich sehr sicher zu sein, dass es in diesem Jahr nicht mehr zu einer Wachstumsbeschleunigung kommt. Ansonsten hätte sie sich zumindest die Türe für eine Zinsanhebung offen gelassen.

Märkte sind hin- und hergerissen

Auch die Märkte scheinen derzeit hin- und hergerissen zu sein. Freuten sie sich in einer ersten Reaktion gestern zunächst über die Entscheidungen der US-Notenbank, weil sie doch für einen längeren Zeitraum billige Liquidität bedeutet, so wurden die daraus resultierenden Kursgewinne doch sehr schnell wieder abgegeben. Aber heute zeigen sich die Aktienkurse schon wieder recht freundlich. Eine neue Richtung ist also noch nicht gefunden.

Das weitere Potential der Aktienmärkte scheint begrenzt

Aktuell muss man wohl davon ausgehen, dass sich die Konjunktur in den kommenden Monaten nicht bessert, sondern eher noch verschlechtert. Ansonsten hätten sich die Notenbanken, egal ob Fed, EZB oder BoJ, nicht schon jetzt für so lange Zeit festgelegt. Und daher dürfte das weitere Potential der Aktienmärkte begrenzt sein.

In den USA sind die Indizes langsam schon wieder in Reichweite der Allzeithochs angekommen. Aktien sind damit schon wieder recht hoch bewertet. Und angesichts der bescheidenen Wachstumsaussichten ist dies eigentlich nicht gerechtfertigt. Ich erwarte daher bald wieder deutliche Rücksetzer, mit denen sich dann die Seitwärtstendenz auf hohem Niveau fortsetzt.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhaus
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