USA: Wirtschaft stark, Inflation zu hoch, Fed untätig
Ausgabe vom 29.10.2026 von Sven Weisenhaus
- Nasdaq-100 - WKN: A0AE1X - ISIN: US6311011026 - Kurs: 26.989,05 Pkt (TTMzero Indikation)
- DAX - WKN: 846900 - ISIN: DE0008469008 - Kurs: 25.820,36 Pkt (XETRA)
USA: Wirtschaft stark, Inflation zu hoch, Fed untätig
Die US-Notenbank hat gestern die mehrheitlichen Markterwartungen erfüllt und beschlossen, den Leitzins unverändert zu belassen. Im Statement zu dem Zinsentscheid gab es nur eine relevante Änderung: Die US-Wirtschaft wächst demnach nicht mehr „in einem soliden Tempo“, sondern „stark“.
BIP-Wachstum stark beschleunigt
Passend dazu wurden heute aktuelle Wirtschaftsdaten veröffentlicht. Demnach ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA im 3. Quartal 2026 um annualisiert +3,4 % gewachsen. Das stellt eine massive Wachstumsbeschleunigung im Vergleich zu den Vorquartalen dar. Erwartet wurde ein Anstieg um +3,2 %.

Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht besonders, dass die gestrige Zinsentscheidung nicht einstimmig ausfiel. Zwar votierten 10 FOMC-Mitglieder für die Beibehaltung des aktuellen Leitzinsniveaus, doch mit Lisa Cook und Beth Hammack sprachen sich zugleich immerhin 2 dafür aus, den Leitzins um einen Viertelprozentpunkt anzuheben.
Inflation deutlich gestiegen
Die US-Wirtschaft hätte es offensichtlich locker verkraften können, wenn die US-Notenbank im Kampf gegen die viel zu hohe Inflation noch einen Gang höher geschaltet hätte. Schließlich war die Inflation im September auf +3,7 % gestiegen und dabei auch die Kernrate wieder nach oben gezogen, nach zuvor 3 Rückgängen in Folge.

Wenn man bedenkt, wie sehr die Fed zuletzt beteuert hat, Preisstabilität zu liefern, wie es auch im aktuellen Statement wieder heißt, dann verwundert es, dass nicht noch mehr FOMC-Mitglieder für eine sofortige Leitzinsanhebung gestimmt haben.
Fed und Kurse treten auf der Stelle
Nun ist es, wie es ist: Die Märkte haben voraussichtlich bis zur Dezember-Sitzung eine Schonfrist bekommen. Die Kurse an den Börsen schwankten daher nach der Veröffentlichung des Beschlusses und während der Pressekonferenz zwar stark, entwickelten aber keinen neuen Trend, sondern traten – entsprechend dem Sitzungsergebnis – auf der Stelle (siehe gelbes Rechteck im folgenden Chart).
Alphabet enttäuscht massiv
Erst als die „Magnificent 7“-Unternehmen Alphabet und Microsoft nach Ende des offiziellen US-Handels ihre Geschäftszahlen vorlegten, etablierte sich ein Trend. Allerdings wurden die Anleger zunächst in eine Falle gelockt (siehe roter Bogen). Denn der Nasdaq 100 sprang zum Beispiel binnen 2 Minuten um mehr als +200 Punkte nach oben, nur um dann fast 3 Stunden lang um insgesamt mehr als -550 Punkte bzw. -1,84 % nachzugeben.

Ob sich daraus ein nachhaltiger (Abwärts-)Trend entwickelt, bleibt abzuwarten. Der Grund für die Kursverluste ist jedenfalls, dass Alphabet die Erwartungen massiv enttäuscht hat. Statt eines erwarteten Gewinns von 3,02 US-Dollar je Aktie meldete das Unternehmen einen Wert von lediglich 2,12 US-Dollar. Somit wurden die Erwartungen um -30 % verfehlt. Das ist heftig, vor allem, weil Anleger es gewohnt sind, dass die Erwartungen übertroffen werden.
Nun bleibt abzuwarten, wie die gestrigen Ereignisse von den Börsen „verdaut“ werden. Auf jeden Fall hat die KI-Blase einen weiteren Riss bekommen. Denn erneut hat sich gezeigt, dass sich die Kosten für den Aufbau der KI-Infrastruktur nicht so leicht in Gewinne verwandeln lassen.
Nasdaq 100 im charttechnischen Niemandsland
Für den Nasdaq 100 hatten die jüngsten Kursverluste kaum charttechnische Relevanz. Nach dem letzten Kursanstieg um +9,09 % auf ein neues Rekordhoch, der anschließenden Bullenfalle (siehe roter Bogen im folgenden Chart) und dem folgenden Kurseinbruch um -8,12 % konnte sich der Index erholen. Dabei gelangte er wieder zur psychologisch sehr wichtigen Marke von runden 30.000 Punkten zurück (blau gestrichelt). Um dieses Niveau pendelt er nun bereits seit Ende Mai.

Der technologielastige US-Aktienindex befindet sich also seit 5 Monaten in einer volatilen Seitwärtstendenz. Aktuell notiert er in deren Zentrum. Die Chancen für steigende und fallende Kurse sind daher derzeit in etwa gleich hoch.
Elliott-Wellen wiesen kurzfristig den Weg
Auch beim Blick auf die kurzfristige Kursentwicklung gewinnt man kaum neue Erkenntnisse über die zukünftige Kursrichtung.
Die jüngste Kurserholung war zu erwarten, nachdem sich die vorangegangene Abwärtswelle 5-gliedrig darstellte UND mit den Tiefs der Konsolidierung vom August und September bei 28.881,90 Punkten horizontale Unterstützungen erreicht wurden (grüne Linie).
Leser des „Elliott-Wellen-Trading“-Service von stock3 konnten mit einem Long-Trade von der Erholung profitieren. Und sie blieben von den aktuellen Kursverlusten verschont, weil ca. 40 Minuten vor dem gestrigen Zinsentscheid die Empfehlung kam, den Long-Trade beim Stand von rund 29.700 Punkten zu beenden und den Gewinn zu realisieren.
Zieht die 30.000er Marke weiter an?
Jetzt stellt sich die Frage, ob es nach der erwartbaren Kurserholung wieder abwärts geht oder sich die Kurse schnell wieder fangen und die 30.000er-Marke den Index weiterhin in ihrem Bann hält. Das bleibt vorerst abzuwarten. Nach dem sehr guten und gewinnbringenden Long-Trade sehe ich derzeit keine Tradinggelegenheit beim Nasdaq 100.
In den letzten Ausgaben des Chartanalyse-Dienstes „Target-Trend-Spezial“ hieß es daher auch schon wiederholt: „Ich würde mich weiterhin aus diesem Markt mit seinen ständigen 180-Grad-Wenden und der Übertreibungen heraushalten, bis diese Phase vorbei ist.“
Dem DAX gelingt der Befreiungsschlag
Deutlich vielversprechender ist dagegen die aktuelle Kursentwicklung des DAX. Denn dem deutschen Leitindex ist ein charttechnischer Befreiungsschlag gelungen. Wie erwartet hat er die bogenförmige Wende (grün im folgenden Chart) fortgesetzt und auch vollendet, indem die Kurse impulsiv und mit anhaltender Stärke über die Hochs der wochenlangen Seitwärtskonsolidierung ausgebrochen sind (siehe grüne Ellipse).

„Vielleicht sollte man der Saisonalität also einfach noch etwas mehr Zeit einräumen“, schrieb ich vor einer Woche hier im Newsletter. Wer diese Geduld aufgebracht hat, könnte nun mit Long-Trades von den steigenden Kursen profitieren.
Ein scheinbar optimaler Ausbruch
Zumal man beim Blick auf den obigen Chart einen idealtypischen Ausbruch sieht: Erst arbeitete sich der DAX an die Hochs heran, dann erfolgte der Sprung über die Hürden. Also scheint doch alles ganz einfach: In die Ausbruchsbewegung konnte man mit einer Long-Positionen einsteigen und sich dann über die zunehmenden Gewinne freuen. Oder?
Ein Ausbruch mit unzähligen Fehsignalen
Es war nicht ganz so einfach! Denn schaut man auf die Details und den Handel außerhalb der Xetra-Zeit (siehe folgender Chart), hätte sich der Ausbruch kaum problematischer darstellen können.

Im „DAX Trading-Room“ von stock3 (der Bestandteil von stock3-Ultimate ist) hatte ich gestern vor dem Ausbruch auf die ABCDE-Formation hingewiesen (unten links im Chart). Diese entwickelte sich unterhalb der Hochs der wochenlangen Seitwärtstendenz (grüner Bogen im Tageschart oben) bei rund 25.700 Punkten (blau gestrichelte Linie). Und es handelte sich dabei auch noch um ein steigendes Dreieck, also eine bullishe Formation. Was für eine perfekte Vorlage für die Bullen!
Doch man beachte die zahlreichen Fehlsignale, die folgten:
- Die ersten Fehlausbrüche fanden kurz vor der gestrigen Zinsentscheidung der US-Notenbank statt (kleine rote Bögen).
- Nach dem Zinsentscheid und während der Pressekonferenz kam es zu einem wilden Auf und Ab (gelbes Rechteck).
- Noch brutaler wurden die Bullen in eine Falle gelockt, als Microsoft und Alphabet ihre Geschäftszahlen veröffentlichten (großer roter Bogen).
- Kurz vor dem heutigen Xetra-Handel wagte der DAX dann den nächsten Vormarsch, der aber erneut zu einem Fehlversuch wurde (rotes Rechteck). Dabei geriet der DAX sogar wieder deutlich unter die 25.700er Marke und somit unter die Hochs der wochenlangen Seitwärtstendenz (grüner Bogen).
- Doch mit diesem Rückfall täuschte der DAX nur nach unten an, um dann doch nach oben durchzustarten (= Bärenfalle).
Gratulation daher an alle Long-Trader, die sich heute in die irre Rally des DAX ab 9:00 Uhr gewagt haben, nachdem Mr. Fehlsignal seinem Namen zuvor auf so vielfältige Weise alle Ehre gemacht hat!
Lasst mich gerne wissen, wenn ihr zu den Glücklichen gehört. Lasst mich aber auch gerne wissen, wenn ihr, wie ich, mit diesem Hin und Her nicht klargekommen seid. Ich habe das Ganze nur von der Seitenlinie beobachtet und keinen richtigen Zeitpunkt für einen (Long-)Einstieg gefunden.
Aber immerhin: Mit dem Hinweis auf die mögliche bogenförmige Wende hatte ich den richtigen Hinweis für mögliche Long-Trades geliefert. Daher bin ich zufrieden.
Ich wünsche Ihnen jedenfalls weiterhin viel Erfolg an der Börse
Ihr
Sven Weisenhaus
www.stockstreet.de