EUR/USD: Für short zu spät, für long zu früh
Ausgabe vom 27.10.2026 von Sven Weisenhaus
- EUR/USD - WKN: 965275 - ISIN: EU0009652759 - Kurs: 1,11399 $ (FOREX)
Wie Oliver Baron bereits gestern angemerkt hat, werden die Leitzinsen bei den Zinssitzungen von EZB und Fed in dieser Woche voraussichtlich unverändert bleiben. Laut dem FedWatch-Tool der CME Group stehen die Chancen aktuell bei 90,6 %, dass die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) ihren Leitzins morgen nicht antastet. Eine Überraschung wird nicht erwartet.

(Quelle: cmegroup.com)
Diese ist bei der Europäischen Zentralbank (EZB) hingegen durchaus denkbar, da die Euro-Währungshüter vor einer schwierigen Entscheidung stehen. Denn die „Inflation im Euroraum lag im September bei 3,8 %, was deutlich über dem 2%-Ziel liegt und damit weitere Zinserhöhungen rechtfertigen würde“, schrieb Oliver Baron.

Und weiter: „Zugleich gefährden allerdings die gestiegenen Energiekosten und höhere Zinsen die wirtschaftliche Erholung.“ Daraus ergibt sich ein „Zielkonflikt zwischen Inflation und Wirtschaftswachstum“.
EZB: Zinssenkung ausgeschlossen, Zinserhöhung unwahrscheinlich
Die Krise in Frankreich würde theoretisch sogar eine lockerere Geldpolitik begründen – also Zinssenkungen. Doch diese gelten angesichts der hohen Inflation als ausgeschlossen. Möglich wäre hingegen eine Zinserhöhung zur Bekämpfung der Inflation.
Doch dagegen spricht, dass es erst im September einen Zinsschritt nach oben gegeben hat (um 25 Basispunkte). Und die jüngste Umfrage der EZB (Bank Lending Survey) deutet auf eine schwächere Kreditnachfrage aufgrund höherer Zinsen hin. Banken berichteten von einer (weiteren) Verschärfung der Kreditvergabestandards für Unternehmen, während die Nachfrage nach Unternehmenskrediten im 3. Quartal 2026 wegen gestiegener Zinsen unerwartet zurückging. Zudem werden zur aktuellen Sitzung keine neuen Prognosen der EZB-Volkswirte vorliegen. Das wird erst bei der Sitzung im Dezember wieder der Fall sein, weshalb die EZB wahrscheinlich auf diesen Termin verweisen wird.
Laut der ING Bank haben die Märkte aktuell auch „nur“ eine Anhebung um etwas mehr als 20 Basispunkte bis Jahresende eingepreist. Werden diese Erwartungen am Donnerstag von der EZB bestätigt, dürften die Marktreaktionen begrenzt sein.
EUR/USD neigt weiter zur Schwäche
Auch beim EUR/USD sollte es vor diesem Hintergrund eigentlich keine größeren Kursveränderungen geben. Nach seinen recht herben Kursverlusten, die zum bearishen Ausbruch aus einer monatelangen Seitwärtsspanne führten (gelb im folgenden Chart), hatte sich der Wechselkurs in den vergangenen Tagen recht stabil bei rund 1,12 USD gehalten. Doch abgesehen von einer leichten Kurserholung zur Monatsmitte neigt die Gemeinschaftswährung insgesamt weiterhin zur Schwäche.

Selbst bei der zwischenzeitlichen Kurserholung gelang es nicht, eine Abwärtstendenz zu durchbrechen (siehe dicke rote Abwärtslinien im Chart). Und mit den Kursverlusten von gestern und heute scheint der Wechselkurs schon wieder auf dem Weg zu neuen Tiefs. Zwar wurde das Tief vom 14. Oktober bei 1,11127 USD noch nicht unterschritten, doch ist die aktuelle Kursentwicklung eindeutig bearish. Wahrscheinlich kommt es daher noch zu einem weiteren Korrekturtief, bevor eine fällige Kurserholung einsetzt.
Für Short-Trades zu spät, für Long-Trades zu früh
Weil der Wechselkurs kurzfristig bereits überverkauft ist, würde ich auf dem aktuellen Niveau allerdings nicht mehr zu Short-Positionen greifen. Das wäre nur noch für kurzfristige Trader interessant, die jetzt auf ein wahrscheinliches neues Korrekturtief setzen wollen.
Auch von Long-Trades würde ich aktuell abraten. Sie werden erst wieder interessant, wenn der EUR/USD seine Schwäche klar abschütteln kann. Das ist frühestens der Fall, wenn das jüngste Erholungshoch bei 1.12757 USD überschritten wird.
Ich wünsche Ihnen jedenfalls weiterhin viel Erfolg an der Börse
Ihr
Sven Weisenhaus
www.stockstreet.de