Öl, Dollar, Zinsen und der Markt korrigiert nicht?
Ausgabe vom 14.10.2026 von Clemens Schmale
Die Mischung aus hohen Zinsen, einem starken Dollar und hohem Ölpreis ist im Normalfall das, was den Aktienmarkt korrigieren lässt. Ist es dieses Mal anders oder kommt die Korrektur noch?
Die Gemengelage führt nicht zufällig zu Korrekturen. Wieso das so ist, kann man einfach erklären. Man kann sich einfach das Gegenteil der aktuellen Gemengelage vorstellen. Ein Ölpreis von 50 USD, Zinsen und Anleiherenditen bei 2 % und ein schwacher Dollar, der weltweit für günstige Finanzierungsbedingungen sorgt, das alles schiebt die Wirtschaft an. Ist es umgekehrt, wie jetzt, bremst es die Wirtschaft.
Fass man die drei Komponenten in einen Index zusammen, ergibt sich ein "Rückenwindindex". Aktuell liegt der Index auf tiefem Niveau. Es besteht Gegenwind. Dieser Gegenwind sollte ungefähr ab jetzt auf die Wirtschaft wirken. Der Einkaufsmanagerindex des Gewerbes folgt dem Index.

Eine sofortige Trendumkehr ist trotz der ungünstigen Umstände unwahrscheinlich. Die US-Wirtschaft hat gerade erst Fahrt aufgenommen. Die Nachfrage nach Industriegütern ist robust, nicht zuletzt wegen des Ausbaus der KI-Infrastruktur. Je länger der Gegenwind anhält, desto kritischer wird die Lage. Das aktuelle Zinsniveau führt noch nicht zu einer Bremswirkung. Wird allerdings erst ein bestimmtes Niveau überschritten, kann es zu einer Vollbremsung kommen.
Der Aktienmarkt steigt, wenn die Wirtschaft wächst. Führt der Gegenwind zu langsamerem Wachstum, sollte dies auch auf den Aktienmarkt abfärben. Der Aktienmarkt folgt daher der Entwicklung des wirtschaftlichen Rückenwinds. Aktuell lässt dies darauf schließen, dass der Aktienmarkt Luft nach unten hat.

In der Theorie sollte der S&P 500 heute nicht höher stehen als im April 2026, also ungefähr 10 % tiefer. Einige Analysten vermuten, dass der Markt wegen des Gegenwinds noch korrigieren wird. Im schlimmsten Fall sollen es 15 % sein.
Unter normalen Umständen wäre es eine große Überraschung, wenn die Wirtschaft und der Aktienmarkt den Gegenwind unbeschadet überstehen würden. Die Umstände sind aber nicht normal. Das Gewinnwachstum von Unternehmen ist hoch. Der KI-Boom reicht aus. Anstatt zu korrigieren, laufen die Kurse seit einiger Zeit seitwärts. Gleichzeitig steigen die Gewinnerwartungen.
Das führt dazu, dass die Bewertung deutlich gefallen ist. KGV und Kurse entwickeln sich tendenziell parallel. Aktuell geht die Schere allerdings auf. Das KGV fällt, die Kurse tendieren seitwärts.

Die Bewertung ist über 10 % gefallen, ohne dass es dafür einen Kursrückgang benötigt hätte. Das ist nicht der Regelfall. Die Bewertungskorrektur ohne Kurskorrektur führt dazu, dass der Gegenwind über die Bewertung eingepreist wurde. Der Gegenwind muss nicht zu einem Kursrückgang führen.
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