Werden die hohen Gewinnerwartungen wieder übererfüllt?
Ausgabe vom 13.10.2026 von Sven Weisenhaus
Die DWS berichtet heute, dass das Gewinnwachstum des S&P 500 laut Goldman Sachs im 3. Quartal 2026 zwar voraussichtlich +27 % zum Vorjahr beträgt, der Medianwert allerdings eher bei +9 % liegt (gegenüber +14 % im 2. Quartal). Über die extrem ungleiche Verteilung der Gewinnentwicklungen habe ich bereits am vergangenen Donnerstag berichtet.
Zugleich wurden auch die ungleichen Kursentwicklungen thematisiert (siehe „Gewinn- und Kursentwicklungen extrem ungleich verteilt“). Diesbezüglich wiesen die Analysten von Real Investment Advice am vergangenen Wochenende darauf hin, dass nur 3 der 11 Sektoren des S&P 500 über ihren 50-Tage-Durchschnitten liegen.

Und die DWS verweist heute auf eine Marktanalyse von Morgan Stanley, wonach sich über ein Drittel der Aktien in den USA UND in der EU in einem Bärenmarkt befinden.
Werden die hohen Gewinnerwartungen erfüllt?
Angesichts dieser Marktschieflage wird es in den kommenden Tagen und Wochen umso interessanter, ob die hohen Gewinnerwartungen erfüllt werden und ob die Schwergewichte den in großen Teilen schwächelnden Aktienmarkt weiterhin oben halten können.
Mit Blick auf die Saisonalität wäre allerdings auch eine Aufholjagd bei den derzeit schwachen Titeln denkbar – womöglich, während es zugleich bei den heiß gelaufenen Aktien aus dem „Magnificent 7“- und KI-Universum zu (weiteren) Gewinnmitnahmen kommt. Eine derartige Tendenz war jüngst bereits zu beobachten: Der Nasdaq 100 gab nach, während Dow Jones, DAX & Co. Kursgewinne verbuchten.
Gewinnmitnahmen sind auch deshalb denkbar, weil die Gewinnerwartungen wieder einmal sehr hoch sind. Flüsterschätzungen zufolge konnten die Unternehmen aus dem S&P 500 ihre Gewinne im abgelaufenen Quartal sogar um +35 % steigern. In einem noch optimistischeren Szenario scheinen sogar mehr als +43 % möglich zu sein.
Gewinnerwartungen werden regelmäßig übertroffen
Denn in den letzten 5 Jahren haben die tatsächlichen Gewinne die vorherigen Schätzungen im Durchschnitt um 7,5 % übertroffen.

Dadurch fiel die Gewinnwachstumsrate am Ende der Berichtssaison im Durchschnitt um 6,4 Prozentpunkte höher aus als zunächst angenommen. Wendet man diesen Durchschnitt auf das erwartete Wachstum von 29,2 % vom Ende des 3. Quartals an, ergibt sich ein mögliches Gewinnwachstum von 35,6 %.
In den vergangenen 4 Quartalen wurden die Gewinnerwartungen sogar um durchschnittlich +13,8 % übertroffen. Das hob die Wachstumsrate um +14,1 Prozentpunkte an. 29,2 % + 14,1 % = 43,3 %.

Hohes Gewinnwachstum auch in Europa
Übrigens sehen nicht nur die Gewinnerwartungen für die USA blendend aus. Wie das Handelsblatt gestern berichtete, rechnet die Deutsche Bank für die Unternehmen aus dem STOXX Europe 600 mit einem Gewinnwachstum von +20 % im abgelaufenen 3. Quartal 2026, nach +24 % im 2. Quartal. Im 4. Quartal sollen es erneut +24 % werden, im Vergleich zu +28,9 % beim S&P 500 (siehe folgende Grafik).

Etwas andere Zahlen nennt die Fondsgesellschaft der Sparkassen, die Deka. Laut ihren Daten erwartet der Konsens für den STOXX Europe 600 ein Gewinnwachstum von +22,8 % im 3. Quartal und für den S&P 500 von +25,8 %. Der Unterschied ist allerdings relativ gering.
Energiepreise und KI treiben die Kursgewinne
Die Gewinner sind jedenfalls in Europa dieselben wie in den USA, wie die folgende Grafik der Helaba zeigt. Da auf beiden Seiten des Atlantiks die Öl-, Diesel- und Benzinpreise gestiegen sind und daneben Künstliche Intelligenz (KI) das beherrschende Thema ist, verwundert es nicht allzu sehr, dass sich die Aktienkurse auch hierzulande seit Jahresbeginn entsprechend entwickelt haben.

Fazit
Am Ende bleibt es bei der Frage: Werden die hohen Gewinnerwartungen erfüllt. Spannend wird dabei sein, wie die Kurse auf die Veröffentlichung der Unternehmensergebnisse reagieren. Allgemein wird mit überwiegend positiven Kursreaktionen auf überwiegend positive Unternehmenszahlen gerechnet. Wenn es tatsächlich so kommt, dürfte es ein positiver Auftakt ins saisonal starke 4. Quartal werden.
Ich wünsche Ihnen jedenfalls weiterhin viel Erfolg an der Börse
Ihr
Sven Weisenhaus
www.stockstreet.de