Gewinn- und Kursentwicklungen extrem ungleich verteilt
Ausgabe vom 08.10.2026 von Sven Weisenhaus
Die hohen Erwartungen an die Unternehmensgewinne in den USA bleiben eine große Stütze für die Aktienmärkte. Laut Daten von FactSet rechnen Analysten für die anstehende Berichtssaison zum 3. Quartal 2026 aktuell damit, dass die Gewinne der Unternehmen aus dem S&P 500 (je Aktie) um +29,5 % im Vergleich zum Vorjahr gestiegen sind.
Das Umsatzwachstum wird auf +12,3 % geschätzt.
Dabei wurden die Analysten im vergangenen Quartal zunehmend optimistisch, wie schon im Quartal zuvor. Von Ende Juni bis Ende September hoben sie ihre Umsatzerwartungen von +10,9 % auf den aktuellen Wert an. Die Gewinnerwartungen lagen Ende Juni bei +26,7 % und wurden seitdem um +1,4 % nach oben geschraubt.
In der Vergangenheit war hingegen eine Reduzierung üblich. In den letzten 5 Jahren (20 Quartalen) betrug der durchschnittliche Rückgang der Gewinnerwartungen im Laufe eines Quartals -2,2%.
Allerdings beschränkt sich der aktuelle Optimismus auf lediglich 3 Sektoren: Energie, IT und Finanzen. Die hohen Energiepreise sowie die Investitionen in KI lassen grüßen.
In diesem Zusammenhang erinnere ich an die Börse-Intern-Ausgabe vom Donnerstag der vergangenen Woche. Unter der Überschrift „US-Aktien: Unter der Oberfläche brodelt es“ war darin zu lesen, dass der Kursanstieg des S&P 500 nur von 4 Sektoren getragen wurde, während 7 von 11 Sektoren Kursverluste erlitten. Wo würde der S&P 500 wohl stehen, wenn es Microsoft, NVIDIA, Apple und Meta nicht gäbe?!
Gewinnwachstum extrem ungleich verteilt
Laut den Experten der DWS sollen rund 50 % des erwarteten Gewinnwachstums des S&P 500 im 3. Quartal 2026 aus Investitionen in KI-Infrastruktur stammen. Laut Goldman Sachs werden nur 10 Unternehmen 68 % des gesamten Gewinnwachstums des S&P 500 ausmachen, gegenüber 48 % im 2. Quartal 2026. Genau die Hälfte dieser 68 % entfällt allein auf NVIDIA und Micron. Es gibt nicht wenige Marktteilnehmer (mich eingeschlossen), denen diese Konzentration Sorgen bereitet.
Auch am deutschen Aktienmarkt öffnet sich eine Schere
Übrigens: Nicht nur in den USA ist die Gewinn- und vor allem die Kursentwicklungen extrem ungleich verteilt, sondern auch am deutschen Aktienmarkt. In der aktuellen Wochenausgabe des Börsenbriefs „Börse-Intern Premium“ ist dazu bereits zu lesen, dass der MDAX gestern auf ein neues Korrekturtief gefallen ist und damit seit Jahresbeginn -1,66 % im Minus notiert. Zusammen mit den heutigen Kursverlusten sind es inzwischen sogar -3,66 %.

Der DAX ist dem MDAX heute auf ein neues Korrekturtief gefolgt, liegt aber seit dem Schlusskurs von 2025 immerhin noch +1,36 % im Plus.

„Der SDAX kann sogar einen year-to-date-Gewinn von +5,79 % vorweisen. Und der TecDAX bringt es dank der (KI-)Technologie-Euphorie sogar mit +11,77 % auf einen prozentual zweistelligen Gewinn“, so die Information der Wochenausgabe.
Und weiter heißt es dort: „Es dürfte sehr spannend werden, wie weit sich diese Schere noch öffnet bzw. wann sie sich wieder schließt. Wir gehen derzeit jedenfalls weiterhin davon aus, dass es nach der saisonalen Schwäche für die meisten Aktien zu einem starken Jahresende kommen wird, von dem unser Depot dann auch wieder profitiert.“
DAX: Bearishe Kursinsel
Vorerst sind die Zeichen beim DAX aufgrund der jüngsten Kursentwicklung aber sehr bearish. Denn der deutsche Leitindex hat gestern eine grauenhafte Vorstellung gegeben. Die sehr bullishen Signale des Vortages wurden mit einer Abwärtslücke (rotes Rechteck im folgenden Chart) und anschließend deutlich fallenden Kursen zunichte gemacht. Doch damit nicht genug: Tags zuvor hatte es eine Aufwärtslücke gegeben (grünes Rechteck). Und das folgende Kursgeschehen stellt sich durch die gestrige Abwärtslücke nun als Kursinsel dar (rote Ellipse).

Mit Glück für die Bullen könnte die psychologisch sehr wichtige Marke von runden 25.000 Punkten (blau gestrichelt) die Kurse noch einmal anziehen und womöglich eine Weile beschäftigen. Zum Abwenden der aktuell sehr bearishen Signale muss aber die gestrige Abwärtslücke vollständig geschlossen werden.
Ich wünsche Ihnen jedenfalls weiterhin viel Erfolg an der Börse
Ihr
Sven Weisenhaus
www.stockstreet.de
PS: Bei den Stockstreet-Börsenbriefen gab es heute wieder Gewinnmitnahmen. Beim „Allstar-Trader“ wurde nach nur 2 Tagen ein Trade auf die Aktien von BASF mit einem Gewinn von +5,14 % beendet. Zeitgleich wurden Aktien von SGL Carbon mit einem Gewinn von +24,60 % verkauft – nach nur 2 Wochen.
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