Darum steigen Ölexporte und Ölpreise gleichzeitig
Ausgabe vom 22.10.2026 von Sven Weisenhaus
- Brent Crude Öl - WKN: 967740 - ISIN: XC0009677409 - Kurs: 101,103 $/bbl. (GBE brokers)
- DAX - WKN: 846900 - ISIN: DE0008469008 - Kurs: 25.820,36 Pkt (XETRA)
Darum steigen Ölexporte und Ölpreise gleichzeitig
Die Ölpreise kennen derzeit wieder nur den Weg nach oben. Die Nordsee-Sorte Brent markiert fast täglich neue Hochs, so auch heute. Seit einem kleinen Rücksetzer im September hat der Preis bereits wieder um +16,47 % zugelegt – nach zwei vorangegangenen Preisexplosionen um jeweils fast +40 %.

Bereits am vergangenen Freitag wurde mit der aktuellen Aufwärtsbewegung das Hoch von Mitte September überschritten. Damit notiert der Ölpreis nun wieder auf dem höchsten Niveau seit Mai.
Ölexporte aus dem Nahen Osten auf Vorkriegsniveau
Betrachtet man die folgende Grafik der Hamburg Commercial Bank, verwundern die steigenden Preise etwas. Denn demnach haben sich die Ölexporte aus dem Nahen Osten in den vergangenen Monaten kontinuierlich erholt und zuletzt sogar fast wieder das Niveau vor dem Iran-Krieg erreicht. Und eigentlich müsste ein höheres Angebot zu sinkenden Preisen führen.

(Quelle: Hamburg Commercial Bank)
Die Grafik zeigt jedoch auch eine deutliche Verschiebung in der Aufteilung der Transportwege. So hat sich der Anteil transportierter Ölexporte über die Küste des Golfs von Oman zum Beispiel mehr als verdreifacht. Der Grund: Die Lage in der Straße von Hormus bleibt problematisch. Um die Spannungen in der Region zu umgehen, ist eine Diversifizierung der Transport- und Verladewege nötig. Das ist allerdings mit höheren Kosten verbunden.
Hohe Transportkosten treiben die Ölpreise
Die folgende Grafik der Berenberg Bank veranschaulicht diesen Zusammenhang sehr gut. Explodierende Tanker-Frachtraten treiben die Ölpreise wieder nach oben.

(Quelle: Berenberg Bank)
Laut der Berenberg Bank sind die hohen Frachtraten dabei „auf einen ineffizienteren Schiffsverkehr, eine Fehlallokation von Tankern und hohe Versicherungsprämien zurückzuführen, welche die Kosten von Ölexporten aus dem Golf erhöhen“. Dabei treiben vor allem auch immer wieder Angriffe auf Tanker den Ölpreis nach oben, neben global niedrigen Lagerbeständen.
DAX: Die Bullen blasen mehrere Angriffe ab
Diese Entwicklungen auf dem Ölmarkt sind wahrscheinlich auch ein Grund dafür, dass die Bullen ihre Angriffe beim DAX jüngst wiederholt abgebrochen haben, obwohl sie sich bereits in sehr gute Positionen bringen konnten. Das zeigt vor allem der (5-Minutenkerzen-)Chart aus den täglichen Analysen des „Target-Trend-Spezial“ sehr gut:

Am 8. Oktober war der DAX noch ein neues Korrekturtief eingebrochen. An diesem Tag startete der Index mit einer Abwärtslücke bereits schwach in den Handel. Doch am Folgetag begann eine Aufholjagd mit einer Aufwärtslücke. Dadurch entstand eine Kursinsel, die per se schon bullish zu werten ist (siehe grüne Ellipse im Chart).
Außerdem stellte sich das neue Korrekturtief damit als Bärenfalle heraus. Und auch das ist alleine schon bullish. Denn solche Fehlsignale ziehen häufig eine starke Bewegung in die in die entgegengesetzte Richtung nach sich.
In der Kombination aus Kursinsel und Bärenfalle lag daher eine besonders bullische Wende vor. Es ist somit nicht verwunderlich, dass daraufhin tatsächlich eine starke Bewegung in die entgegengesetzte Richtung folgte.
Auf die Bärenfalle folgt eine Bullenfalle
Die Kursgewinne wurden anschließend mit einer kurzen (ABC-)Korrektur konsolidiert, dann folgte ein erneuter starker Kursanstieg, der den DAX sogar explosionsartig auf ein neues Hoch führte. Dabei wurde auch die Tendenz tieferer Hochs der vergangenen Wochen durchbrochen – und somit die Abwärtstendenz beendet. Damit lag ein sehr bullisches Ausbruchssignal vor.
Von diesem zogen sich die Bullen jedoch am Montag überraschend zurück (siehe roter Bogen), und zwar mit einer überraschenden Schwäche. Es kam sogar zu einem Rutsch unter das Tief der kurzen (ABC-)Konsolidierung. Damit war die Kurserholung beendet.
Erneute 180-Grad-Wende
Doch es kam erneut zu einer 180-Grad-Wende (grüner Bogen). Und wieder war durch die enorme Stärke der Aufwärtsbewegung ein Ende der wochenlangen Konsolidierung möglich. Doch auch diese Chance ließen die Bullen ungenutzt, da sie zogen sich erneut recht überraschend zurückzogen.
Große bogenförmige Wende?
Und so bleibt es letztlich vorerst bei dem wilden Auf und Ab der vergangenen Wochen. Es besteht allerdings immer noch Hoffnung auf ein typischerweise starkes 4. Quartal. Denn ein solcher volatiler Kampf zwischen Bullen und Bären lässt sich häufig bei größeren Trendwenden beobachten. Daher ist denkbar, dass sich eine größere bogenförmige Wende entwickelt (siehe grüner Bogen im folgenden Chart).

Vielleicht sollte man der Saisonalität also einfach noch etwas mehr Zeit einräumen.
Ich wünsche Ihnen jedenfalls weiterhin viel Erfolg an der Börse
Ihr
Sven Weisenhaus
www.stockstreet.de