In dieser Ausgabe von Börse - Intern lesen Sie: Das Wirtschaftswachstum in Deutschland scheint in einer Abwärtstendenz zu sein. Befindet sich auch der DAX in einem Abwärtstrend? ...
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Heute wurde gemeldet, dass die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal 2016 um 0,4 Prozent gewachsen ist. Neu ist diese Information nicht, denn dies ist die zweite Veröffentlichung des Statistischen Bundesamtes, das damit lediglich seine ersten Berechnungen bestätigt. Allerdings wurden nun auch Detaildaten geliefert, die aufzeigen, wie es zu diesem Wachstum gekommen ist.

So wurde die Wirtschaftsentwicklung von sinkenden Investitionen der Unternehmen gebremst (-0,4 Punkte). Die Ausgaben der Bürger und der Staatskonsum trugen wenig zum Wachstum bei (jeweils +0,1 Punkte). Den größten Impuls lieferte der Außenhandel. Er steuerte 0,6 Prozentpunkte bei. Dabei konnten die Exporte im Vergleich zum Vorquartal um 1,2 Prozent zulegen, während die Importe um 0,1 Prozent zurückgingen.

Brexit-Votum hallt nach

Doch gerade der starke Außenbeitrag, der im ersten Halbjahr das Wachstum befeuert hat, könnte im zweiten Halbjahr schwächeln. Denn der Effekt des Brexit-Votums dürfte dann stärker spürbar sein. Das Vereinigte Königreich ist mit einem Exportvolumen von mehr als 89 Milliarden Euro immerhin das drittgrößte Exportziel Deutschlands. Ein Importrückgang der britischen Wirtschaft durch eine nachlassende Investitionstätigkeit von Unternehmen in Großbritannien könnte demnach eine signifikante Auswirkung auf das deutsche Exportvolumen haben. Und das wiederum hätte eine spürbare Auswirkung auf das gesamte Wachstum einer außenhandelsorientierten Nation wie Deutschland.

So könnte sich das Wirtschaftswachstum im dritten Quartal weiter verlangsamen, nachdem die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal 2016 noch mit 0,7 Prozent gewachsen ist und bereits im zweiten Quartal mit nur noch +0,4 Prozent schon an Schwung verloren hat.

Entwicklung des BIP in Deutschland
(Grafik 1: Entwicklung des BIP in Deutschland)

Einkaufsmanagerindizes gefallen

Bestätigt wird diese Erwartung von den bereits gestern veröffentlichten Einkaufsmanagerindizes. Diese fielen im August im Vergleich zum Vormonat niedriger aus. So sank der zusammengesetzte Index für die gesamte Privatwirtschaft um 0,9 Punkte auf 54,4 Zähler.

Zusammengesetzter ISM-Einkaufsmanagerindex für Deutschland
(Grafik 2: Zusammengesetzter ISM-Einkaufsmanagerindex für Deutschland)

Der Teilindex für den Dienstleistungsbereich gab von 54,4 um 1,1 Punkte auf 53,3 nach, wobei die Geschäftsaussichten auf den tiefsten Wert seit knapp zwei Jahren fielen. Und auch der Index für das verarbeitende Gewerbe sank, wenn auch mit -0,2 Punkten auf 53,6 Punkte deutlich weniger. Immerhin blieben die Werte damit allesamt deutlich oberhalb der Marke von 50 Punkten. Ab diesem Wert signalisieren diese Frühindikatoren zukünftiges Wachstum. Allerdings lassen die gesunkenen absoluten Werte ein nachlassendes Wachstumstempo erwarten.

Schwächeres Wachstum = schwächere Kurse?

Könnte das schwächere Wirtschaftswachstum die Herbstschwäche einleiten, die aus saisonaler Sicht an den Aktienmärkten erwarten ist (siehe Börse-Intern vom 4. August)? Diese droht übrigens in US-Wahljahren auch dem DAX, wie der folgende Chart zeigt. Der aktuelle Kursverlauf des DAX seit dem Rücksetzer auf sein Ausbruchsniveau scheint dies zu bestätigen, da der DAX bislang nicht zurück zur alten Stärke findet.

saisonaler Kursverlauf des DAX in US-Wahljahren

So naheliegend diese Überlegung auf den ersten Blick auch scheinen mag, sie geht dennoch an der Realität vorbei. Aktienkurse laufen der Wirtschaft stets vorweg – und das um einige Monate. Also ist nicht nur das Brexit-Votum längst in den Kursen eingepreist, sondern auch das dadurch verursachte leicht schwächere Wirtschaftswachstum der deutschen Wirtschaft. Durch die aktuellen Daten hat sich also an der Erwartung für den DAX bislang nichts geändert.

Allerdings ändert dies nichts daran, dass dennoch eine eher saisonal schwache Phase vor uns liegt. Und dass der DAX im Moment Anzeichen der Stärke vermissen lässt, die nach einem Test des Ausbruchsniveaus eigentlich zu erwarten wären, könnte dies bereits als möglicher Vorbote der Herbstschwäche gewertet werden, vor allem, wenn der DAX nicht bald deutlichere bullishe Signale generiert. Achten Sie also weiterhin sehr genau auf die Marken, die gestern hier an dieser Stelle genannt wurden.


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Ihr
Sven Weisenhaus
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