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Bringt der Anleihemarkt den Aktienmarkt zu Fall?
Ausgabe vom 20.10.2026
Bringt der Anleihemarkt den Aktienmarkt zu Fall?
von Sven Weisenhaus
Die derzeit wichtigsten Themen (und Risiken) an den Börsen sind die weiterhin angespannten Energiemärkte mit ihren hohen Preisen – bedingt vor allem durch die Kriege in der Ukraine und im Iran – sowie die Auswirkungen auf die Inflation und die (gestiegenen) Anleiherenditen. Zudem wachsen die Sorgen um die Geschäftsmodelle der US-Rechenzentrumsbetreiber. Dies manifestiert sich ebenfalls in steigenden Renditen am Anleihemarkt, hat aber jüngst auch wieder zu fallenden Aktienkursen geführt.
Besonders im Fokus stehen dabei aktuell einerseits die Anleihen von Coreweave, die mit einer Laufzeit bis 2032 derzeit bei nur 80 Cent pro Dollar notieren. Andererseits achten die Anleger stark auf die Spreads französischer Staatsanleihen, die sich nach den gewalttätigen Unruhen vom Wochenende wieder ausweiten.
Spread französischer Anleihen auf neuem Hoch
Laut dem „Handelsblatt“ stieg die Rendite von französischen Regierungsbonds mit einer Laufzeit von 10 Jahren zum Wochenstart um 11 Basispunkte auf 4,89 %. Der Risikoaufschlag zu 10-jährigen deutschen Bundesanleihen wuchs zugleich um 9 Basispunkte auf 1,46 Prozentpunkte. Das sei der höchste Wert seit 2 Wochen, so die Zeitung. Laut der DWS weitete sich der Renditeaufschlag französischer Staatsanleihen sogar auf ein neues Hoch von 148 Basispunkten aus.
Coreweave: Anleihen und Aktien massiv unter Druck
Die Aktien des Cloud-Anbieters Coreweave brachen derweil auf Wochensicht um rund -20 % ein. Auf Sicht von 2 Wochen sind es in der Spitze sogar fast -40 %.

Dabei gerieten weitere Werte aus dem KI-Universum massiv unter Druck. Das Handelsblatt nennt heute exemplarisch ARM Holdings mit Kursverlusten von -7 %, Applied Materials mit gut -8 % und Intel mit rund -10 % – jeweils allein in der vergangenen Woche. Das sorgte beim technologielastigen Nasdaq-Index für „die schlechteste Woche seit dem Liberation Day im vergangenen Jahr, an dem US-Präsident Donald Trump massive weltweite Zölle ankündigte“, heißt es in dem Artikel.
Nasdaq 100: Seltene Kursverluste
Wie ich heute im „Elliott-Wellen-Trading“-Service von stock3 bereits berichtet habe, verlor der Nasdaq 100 jüngst binnen nur 2 Wochen immerhin -7 %. Ausgangspunkt dieses scharfen Rücksetzers ist das aktuelle Rekordhoch, das sich als Bullenfalle entpuppt hat (roter Bogen im folgenden Chart).

„False breaks are followed by fast moves“, lautet ein Börsenspruch. Zu Deutsch: Auf Fehlsignale folgen (häufig) starke Bewegungen (in die entgegengesetzte Richtung). Solche scharfen Abwärtsbewegungen sah man bei dem US-Technologieindex in den vergangenen Wochen, Monaten, ja sogar Jahren allerdings nur äußerst selten.
Wie Bespoke Investment in der vergangenen Woche berichtete, fielen der Nasdaq 100, der Philadelphia-Semiconductor-Index und der S&P 500 Software-Index erstmals seit dem 5. Juni und erst zum zweiten Mal in diesem Jahr um mehr als -2 %.
Halbleiterindex: Längste Talfahrt seit Oktober 2008
Mit einem Rückgang von -7 % in 2 Wochen ist der Nasdaq 100 dabei noch vergleichsweise glimpflich davongekommen. Denn der Philadelphia-Halbleiterindex beendete gestern eine 8-tägige Verlustserie, in der er in der Spitze um rund -16,64 % nachgegeben hatte. Dies sei die längste Talfahrt seit Oktober 2008, so n-tv.

Das war gestern mit „dem Tech-Ausverkauf“ gemeint (siehe „Nach dem Tech-Ausverkauf müssen SAP, Meta und Tesla liefern“). Und es zeigt, wie extrem die Kursschwankungen beim derzeitigen Hype-Thema „Künstliche Intelligenz“ (KI) nach wie vor sind. Prozentual zweistellige Kursveränderungen binnen weniger Tage sind weiterhin an der Tagesordnung, auch wenn die Kursverluste auf Tagesbasis zuletzt eher gering waren.
Elliott-Wellen deuten auf weitere Kursrückgänge
Für den Halbleiterindex vermag ich daher derzeit nicht zu prognostizieren, wohin er als nächstes laufen wird und wo er in einer Woche stehen könnte. Angesichts der extremen Volatilität und der ständigen Richtungswechsel würde das einer Kaffeesatzleserei gleichkommen. Aus Sicht der Elliott-Wellen erscheint derzeit das folgende Szenario am wahrscheinlichsten:

Zumal sich dieses auch auf den Nasdaq 100 übertragen lässt.

Mehr zur Kursentwicklung des Nasdaq 100 und den nun relevanten Kursmarken erfahren Sie bei Bedarf in der aktuellen Elliott-Wellen-Analyse zum Nasdaq 100 im Rahmen des „Elliott-Wellen-Trading“-Service von stock3. Mit dem Code STARTEWT erhalten Sie den ersten Monat gratis.
Anleiherenditen und Aktienmarkt derzeit eng verbunden
Wie eng das Problem der Anleiherenditen im Moment mit dem Aktienmarkt zusammenhängt, zeigt auch die folgende Information der DWS:
„In den USA bieten Hochzinsanleihen mit einem Rating von CCC oder niedriger derzeit einen optionsbereinigten Spread von 1.310 Basispunkten über den Renditen von Staatsanleihen. Das entspricht einem Anstieg um 300 Basispunkte in weniger als drei Monaten. Die Kosten für die Absicherung von Oracle-Anleihen weisen einen ähnlich parabolischen Verlauf auf, der ebenfalls mit den Schattenseiten des KI-Handels zusammenhängt. Der CDS-Spread durchbrach am vergangenen Freitag die 300-Punkte-Marke und stieg gestern weiter auf 322 Punkte.“
Neben Coreweave steht also auch Oracle derzeit wieder im Fokus der Marktteilnehmer. Bei beiden Unternehmen halten Anleger eine Pleite zunehmend für möglich, auch wenn diese noch nicht als wahrscheinlich gilt. Und so verwundert es nicht, dass auch die Aktien von Oracle in der vergangenen Woche unter Druck standen. Vom Hoch am Dienstag bis zum Tief am Freitag fiel der Kurs um -11,50 %.

Damit näherte er sich dem Crash-Tief von Ende Juli an, welches nach einer Halbierung des Kurses binnen weniger als 40 Handelstagen erreicht worden war.
Die KI-Blase platzt
Angesichts derartiger Kurseinbrüche ist es offensichtlich, dass die KI-Blase platzt. Beim Blick auf die Aktienindizes ist das nach wie vor noch nicht so offensichtlich, da die „Magnificent 7“ den Gesamtmarkt oben halten.
Um diese Unternehmen muss man sich auch keine Sorgen machen. Ihr Geschäftsmodell ist so breit aufgestellt und solide, dass mögliche Probleme bei den KI-Investitionen nicht so stark ins Gewicht fallen. Doch bei vielen anderen Unternehmen ist das nicht so. Und der Anleihemarkt deckt dies zunehmend auf.
Ich bleibe daher bei meiner Strategie und lasse die Finger von US-Aktien. Stattdessen fokussiere ich mich weiterhin auf deutsche Nebenwerte (siehe dazu auch: „S&P 500 vs. DAX & Co.: Jetzt auf deutsche Nebenwerte setzen?“). Ich glaube, damit deutlich besser schlafen zu können als viele Anleger mit strauchelnden und/oder hochvolatilen US-Aktien im Depot.
Schnäppchenkäufe
Übrigens: Das Depot des „Börse-Intern Premium“ haben wir am Freitag mit 3 weiteren Schnäppchenkäufen weiter befüllt. Setzt bald wieder die typische Stärke des 4. Quartals ein, sind wir damit gut gerüstet. Gerne darf es vorher zu weiteren Kursrückgängen kommen. Denn wir haben noch Liquidität, die zu möglichst niedrigen Kursen investiert werden will.
Ich wünsche Ihnen jedenfalls weiterhin viel Erfolg an der Börse
Ihr
Sven Weisenhaus
www.stockstreet.de
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