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S&P 500 vs. DAX & Co.: Jetzt auf deutsche Nebenwerte setzen?

Ausgabe vom 15.10.2026

S&P 500 vs. DAX & Co.: Jetzt auf deutsche Nebenwerte setzen?

von Sven Weisenhaus

Über die rosigen Gewinnaussichten für Unternehmen aus den USA und Europa in der angelaufenen Berichtssaison habe ich vorgestern bereits berichtet. Schauen wir uns heute auch noch den DAX an:

Für die 40 Unternehmen aus dem deutschen Leitindex gibt die Deka eine durchschnittliche Gewinnwachstumsrate von +24,2 % an. Und wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) am vergangenen Freitag richtig festgestellt hat, haben sich die Gewinne der Unternehmen zuletzt besser entwickelt als die Kurse. Denn der deutsche Leitindex hinkt bei der Kursentwicklung seit Jahresbeginn mit einem Anstieg von aktuell nur rund +3 % zahlreichen anderen Aktienindizes zum Teil deutlich hinterher.

Kursentwicklung Aktienindizes seit Jahresbeginn 2026

Dadurch ist seine fundamentale Bewertung gesunken. Mit den erwarteten Gewinnen für das nächste Jahr errechnet sich laut der FAZ aktuell ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 14 für den Index. Der S&P 500 ist derweil mit einem KGV, das sich mit den erwarteten Gewinnen für 2027 auf 21 errechnet, um 50 % höher bewertet, so die Zeitung.

DAX: Relativ günstig und zugleich relativ hoch bewertet

Vor diesem Hintergrund erscheint der DAX relativ günstig – im Vergleich zum S&P 500. Die folgende Grafik der Helaba (die das KGV auf Basis der Gewinnerwartungen für die kommenden 12 Monate zeigt) ändert diese Sichtweise jedoch etwas.

aktuelles KGV der relevantesten Aktienindizes

Denn demnach ist der DAX zwar günstiger bewertet als der S&P 500, doch notiert das KGV des US-Aktienindex derzeit unterhalb des Mittelwertes der vergangenen 10 Jahre, während es beim DAX über seinem Durchschnitt liegt. Der Grund: Der DAX ist trotz seines jüngsten Kursrückgangs der Gewinnentwicklung davongelaufen.

DAX: Kursentwicklung vs. Gewinnschätzungen

Bei der Dividendenrendite hat der DAX allerdings klar die Nase vorn, wenn auch hinter dem Euro STOXX 50.

aktuelle Dividendenrenditen der relevantesten Aktienindizes

Gerade angesichts der massiv gestiegenen Anleiherenditen hat dieser Vorteil gegenüber den US-Indizes (und dem Nikkei225) derzeit ein höheres Gewicht. Beim S&P 500 liegt die Gewinnrendite (bei einem KGV von ca. 19) inzwischen unterhalb der Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen, wenn auch nur knapp.

Risikoprämie und Gewinnrendite des S&P 500 vs. Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen

Die Analysten von Real Investment Advice (RIA) beziffern die Gewinnrendite des S&P 500 bei Betrachtung vergangener Gewinne bis Juni 2026 und unter der Annahme eines damit errechneten KGV von 26,4 sogar auf nur 3,7 %. Demnach bringt eine Investition in den Aktienindex derzeit etwa -1,6 Prozentpunkte weniger Rendite als die Anlage in eine US-Staatsanleihe, so RIA.

Gewinnrendite des S&P 500 minus Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen

Das gab es seit dem Ende der Finanzkrise 2009 nicht mehr. Der historische Durchschnitt liegt dagegen bei +1,0 Prozentpunkten.

Dieses Problem hat der DAX noch längst nicht. Im Gegenteil: Die Gewinnrendite ist hier nicht nur höher als die Anleiherendite, sondern auch höher als die Gewinnrendite des S&P 500.

Risikoprämie und Gewinnrendite des DAX vs. Rendite 10-jähriger Staatsanleihen

Dennoch lohnt sich womöglich noch mehr ein Blick auf die deutschen Nebenwerte. Denn diese sind, gemessen am KGV, noch günstiger zu haben.

Deutsche Nebenwerte sind noch günstiger bewertet

Die Unternehmen aus dem MDAX haben im Durchschnitt ein KGV für 2027 von 12. Das hat laut der FAZ „schon historische Ausmaße, denn normalerweise sind die Nebenwerte mit ihrem im Schnitt höheren Gewinnwachstum teurer als die DAX-Werte“. Gleiches gilt für den SDAX, der mit einem KGV von gut 13 ebenfalls günstiger bewertet ist als der DAX und die weiteren Aktienindizes.

Schnäppchenkäufe im Bärenmarkt

Es wäre daher nun eine Möglichkeit, daraus abzuleiten, dass man vornehmlich deutsche Aktien ins Depot holen sollte, insbesondere aus dem Segment der Nebenwerte. Denn diese sind am günstigsten bewertet und versprechen angesichts eines hohen Gewinnwachstums zukünftig hohe Kursgewinne.

Ich sehe das genauso und habe die aktuellen Schnäppchenkurse bereits genutzt, um das Depot des Börsenbriefs „Börse-Intern Premium“ etwas zu füllen. Damit könnten wir zunehmend von einem typischerweise starken 4. Quartal inklusive einer Jahresendrally profitieren.

Das 4. Quartal verspricht saisonal (relativ) hohe Kursgewinne

Allerdings sind bei dieser Strategie angesichts der vorherrschenden Abwärtstrends zahlreicher Aktien starke Nerven und Geduld gefragt. Denn wie vorgestern berichtet, befindet sich mehr als ein Drittel der Aktien in Europa in einem Bärenmarkt. 
Ich bin mir aber recht sicher, dass die Strategie der Schnäppchenkäufe am Ende Früchte tragen wird. Die Frage ist aus meiner Sicht nicht ob, sondern wann.


Ich wünsche Ihnen jedenfalls weiterhin viel Erfolg an der Börse
Ihr 
Sven Weisenhaus 
www.stockstreet.de

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