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Darum sind erst Anleiherenditen ab 5,5 % problematisch
Ausgabe vom 06.10.2026
Darum sind erst Anleiherenditen ab 5,5 % problematisch
von Sven Weisenhaus
Die Renditen am Anleihemarkt sind an der Börse weiterhin ein (wenn nicht sogar DAS) Hauptthema. In den USA stieg die 10-jährige Treasury-Rendite kürzlich mit 5,34 % über das Hoch von 2006 (siehe folgenden Chart) und erreichte damit den höchsten Stand seit April 2002.

Auch die Renditen französischer 10-jähriger Staatsanleihen erreichten den höchsten Stand seit 2002, mit fast 5 %. Der Spread gegenüber deutschen Bundesanleihen weitete sich dabei so schnell aus wie nie zuvor seit Beginn der Bloomberg-Datenerfassung im Jahr 1990, wie die Deutsche Bank dazu anmerkte. Am Montag lag der Spread laut dem Handelsblatt bei fast 150 Basispunkten. Auch der Spread zu Italien ist aktuell dreistellig. Gleiches gilt für Griechenland. Dies erinnert an die EU-Staatsschuldenkrise im Jahr 2012, als die Spreads ähnlich hoch waren.
EUR/USD auf 17-Monats-Tief
Für den Aktienmarkt ist das weiterhin keine große Belastung, aber für den Euro. Die Gemeinschaftswährung fiel gegenüber dem US-Dollar auf den niedrigsten Stand seit 17 Monaten. So schwach war sie zuletzt im Mai 2025.

Der EUR/USD ist damit nachhaltig aus der Seitwärtsspanne der vergangenen Monate herausgefallen (oberes gelbes Rechteck im Chart). Und mit dem Rutsch unter vorherige Hochs (rote Linien) droht die Rückkehr in die vorangegangene Seitwärtstendenz, die von 2023 bis 2025 herrschte (unteres gelbes Rechteck). Das wäre ein herber Rückschlag und ein sehr bearishes Signal.
Politische Börsen haben kurze Beine
Es besteht aber noch Hoffnung, dass dieses Signal abgewendet werden kann. Denn politische Börsen haben bekanntlich kurze Beine. Und die aktuelle Euro-Schwäche ist neben fiskalischen Risiken auch einigen politischen Entscheidungen geschuldet. Gab es bereits Sorgen um die Entwicklungen in Frankreich und deren Auswirkungen auf den Anleihemarkt, kam am gestrigen Montag hinzu, dass der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez das Parlament des Landes auflöste und Neuwahlen ausrief.
Zugleich stehen aber auch die USA mit Blick auf die anstehenden Zwischenwahlen im kommenden Monat vor großen politischen Herausforderungen. Und die USA haben ebenfalls ein massives Staatsschuldenproblem. Daher kann man sich eigentlich nur schwer vorstellen, dass der Euro seine Kursverluste gegenüber dem US-Dollar fortsetzt.
US-Wirtschaft wächst stark
Allerdings haben die USA derzeit noch einen klaren Vorteil: Die Wirtschaft wächst stark. Eigentlich sind die Einkaufsmanagerindizes von S&P Global in den USA weniger relevant als die Pendants vom Institute for Supply Management (ISM). Doch jüngst ließen die Umfrageergebnisse von S&P Global aufhorchen:
Die vorläufigen US-Einkaufsmanagerindizes für September fielen deutlich besser aus als erwartet. Sowohl das verarbeitende Gewerbe als auch der Dienstleistungssektor legten zu. Der Composite-Index stieg dadurch auf sehr hohe 58,4 Punkte, nach bereits starken 56,0 im Vormonat (Prognose: 56,0 Punkte), und erreichte den höchsten Wert seit 5 Jahren.

Die GDPNow-Prognose der Federal Reserve Bank of Atlanta deutete zeitweise auf ein BIP-Wachstum von +5,0 % im 3. Quartal 2026 hin. Dies wäre das schnellste Wachstum der USA seit dem 2. Quartal 2021.

(Quelle: atlantafed.org)
Inzwischen hat sich der Erwartungswert zwar auf +3,7 % etwas abgeschwächt, er ist damit aber immer noch relativ hoch.
Leichte Enttäuschung am US-Arbeitsmarkt
Auch der am vergangenen Freitag veröffentlichte, schwächer als erwartet ausgefallene US-Arbeitsmarktbericht hat die Euphorie bezüglich der US-Wirtschaft nur etwas gebremst. Die Arbeitslosenquote stieg im September leicht auf 4,2 %, nach 4,1 % im Vormonat.

Zugleich konnten außerhalb der Landwirtschaft nur +29.000 neue Stellen geschaffen werden, während mehrheitlich +90.000 erwartet wurden. Das ist deutlich weniger als im Monat zuvor (+133.000), der zudem noch nach unten revidiert wurde (um -29.000), ebenso wie der Monat davor (um -31.000). Insgesamt wurden in beiden Vormonaten -60.000 Stellen weniger gemeldet als zuvor.

Zusammengenommen zeichnen die Konjunkturdaten der USA dennoch das Bild einer bemerkenswert widerstandsfähigen US-Wirtschaft. Daher wird der US-Dollar trotz der politischen und fiskalischen Probleme aktuell gegenüber dem Euro wieder gerne als sicherer Hafen genutzt.
Darum gelten erst Anleiherenditen ab 5,5 % als problematisch
Zumal sich das Problem der gestiegenen Renditen in den USA relativiert, wenn man die Historie betrachtet. Zacks Investment Research wies bereits vor einer Woche darauf hin, dass die Spanne zwischen dem Leitzins der US-Notenbank und der Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen in den letzten 40 Jahren (1985–2025) im Wesentlichen zwischen 100 und 150 Basispunkten lag. Der Median beträgt 120 Basispunkte.
In den vergangenen Jahren kam es allerdings zu einer Nullzins-Politik, mit teils sogar negativen Zinsen. In den letzten 5 Jahren lag die Differenz daher im Durchschnitt bei -40 Basispunkten. Betrachtet man die letzten 10 Jahre, betrug die Differenz laut Zacks +25 Basispunkte. Im vergangenen Jahr 2025 lag der Spread immerhin zwischen 25 und 75 Basispunkten.
Seitdem ist er auf ca. 140 Basispunkte gestiegen. Damit liegt er nun wieder im historischen Durchschnitt. Steigt der Leitzins im Dezember auf 4,1 % (Prognose der Fed und aktuelle Markterwartung), ergibt sich bei einer aktuellen Rendite von 5,283 % für 10-jährige Anleihen (siehe Chart oben) ein Spread von 118 Basispunkten. Dies läge unter dem Median.
Mit anderen Worten: Die Zeit der Niedrigzinsen ist vorbei. Seitdem ist es schlicht zu einer Normalisierung gekommen. Vor diesem Hintergrund gelten derzeit unter Experten Anleiherenditen jenseits von 5,50 % erst als zunehmend problematisch für den Aktienmarkt.
DAX: Die erwartete Bärenfalle
Apropos Aktienmarkt: Der DAX hat die Tiefs bei 25.172,89 Punkten zurückerobert (siehe grüner Pfeil im folgenden Chart) und damit den Ausbruch auf ein neues Korrekturtief zur Bärenfalle gemacht.

Ich hoffe daher, dass Sie meine Hinweise zu möglichen Trades beherzigt haben. In diesem Zusammenhang verweise ich auf die Ausgaben vom Dienstag („DAX: Erneute Schwäche wäre nicht überraschend“) und Donnerstag („DAX: Wird das Korrekturtief zur Bärenfalle?“) der vergangenen Woche.
Wenn alles gut gegangen ist, haben Sie mit dem neuen Korrekturtief einen Gewinn aus einem kurzfristigen Short-Trade erzielt. Und mit der Bärenfalle sollten Sie danach in einen Long-Trade gewechselt sein, der nun bereits ordentlich im Gewinn notiert. Diesen könnte man jetzt mit einem Stop-Loss auf Einstiegskurs absichern.
Ich wünsche Ihnen jedenfalls weiterhin viel Erfolg an der Börse
Ihr
Sven Weisenhaus
www.stockstreet.de
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