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Langfristige Entwicklungen erfordern keine übereilte Reaktion

Ausgabe vom 10.11.2016

Donald Trump wird neuer Präsident der USA. Und nun überschlagen sich die Spekulationen, was er im Amt für Maßnahmen ergreift, welche Wahlkampfparolen in die Tat umgesetzt werden, wer davon profitieren könnte und wer darunter leiden muss.

Neue Ära des Protektionismus?

Viele Anleger fürchten eine Ära des weltweiten Protektionismus, heißt es. Denn Trump hatte die Einführung neuer Zölle, eine Beschränkung der Einwanderung und Neuverhandlungen von Handelsverträgen angekündigt. Chinesischen Exporteuren soll nach den Plänen Trumps in den USA einen Strafzoll von 45 Prozent auferlegt bekommen, mexikanischen 35 Prozent, so seine Ankündigung. Vor allem China drohte er mit einem Handelskrieg.

Doch wahrscheinlich ist vieles davon nur Wahlkampfgetöse. Als Unternehmer müsste Trump wissen, welche Risiken er damit eingehen würde. Er wird durch Handelsbeschränkungen keine bewusst hervorgerufene Rezession der eigenen Wirtschaft riskieren. Und hohe Strafzölle erscheinen auch wenig realistisch: Sie würden die Inflation im Land stark anheizen.  Die Folge davon wäre, dass die Fed gegebenenfalls die Leitzinsen schneller anheben muss, was wiederum das zarte Wachstumspflänzchen abwürgen würde und die Staatsverschuldung ankurbelt.

Flucht in sichere Häfen?

Dass viele der aktuellen Prognosen auch zukünftig wieder daneben liegen werden, zeigt doch bereits der aktuelle Blick auf den Markt. Sollte nicht bei einem Wahlsieg Trumps eigentlich ein anhaltender Rückzug aus risikoreichen Anlagen, wie Aktien, einhergehen mit einer dauerhaften Flucht in vermeintliche Sicherheit, wie Gold, Yen und Staatsanleihen. Stattdessen notieren diese Anlagen schon wieder schwächer als vor der Wahl.

Kurse machen Nachrichten

Aber auch für diese positive Marktreaktion wurden schon Begründungen gefunden: Trump wird neue Schulden machen, heißt es nun. Und durch den Wahlsieg der Republikaner auch im Kongress wird sich die jahrelange Blockade zwischen Weißem Haus und Repräsentantenhaus auflösen. Daneben wurde eine Zinserhöhung in den USA ausgepreist. Und die Siegesrede von Trump habe ihre beruhigende Wirkung nicht verfehlt.

Argumentativ ist das alles richtig. Aber letztlich weiß niemand genau, warum sich die Marktteilnehmer verhalten, wie sie sich verhalten. Das predigen wir hier in der Börse-Intern bereits seit Jahren: Niemand weiß, was passieren wird. Niemand! Das ist der Grund, warum wir uns bei Stockstreet stets einfach hinter den Markt stellen. Das heißt, wir beobachten, wohin sich der Markt bewegt und gehen einfach mit in diese Richtung. Das hat sich als die lukrativste Form des Investierens herausgestellt. In besonders kritischen Marktsituationen stellen wir uns dagegen einfach an die Seitenlinie und schauen zu, bis es vorbei ist. Das hat schon in den Crashphasen dazu geführt, dass die Depots der Stockstreet-Börsenbriefe von dramatischen Kursverlusten verschont blieben.

Der Gewohnheitseffekt

Keine Frage, kurzfristig lag man mit den Warnungen zur US-Wahl richtig. Aber letztlich hat offenbar kaum jemand aus dem Brexit oder anderen vergleichbaren Ereignissen der Vergangenheit gelernt. Dabei wiederholen sich die Kursreaktionen doch ständig. So waren auch während dem Hochpunkt der Schuldenkrise die ersten Marktreaktionen drastisch. Doch jede neue Hiobsbotschaft wurde folgend mit weniger dramatischen Kursreaktionen begleitet. Und heute schafft es zum Beispiel Griechenland kaum noch in die Medien.

Die Trump-Panik hielt nur wenige Stunden. Warum? Weil die Auswirkungen der Wahl langfristig sein werden. Die US-Wirtschaft wird nicht von heute auf morgen einbrechen. Schließlich ist noch überhaupt nicht klar, was Trump für ein Präsident wirklich sein wird. Nichts wird so heiß gekocht, wie es gegessen wird.

Kommt Ihnen das bekannt vor? Natürlich, vom Brexit. Und auch hier kann man nun, wie bei der Euro-Krise, einen Gewöhnungseffekt erkennen. Brachen die Kurse nach dem Brexit noch an zwei Tagen ein - der DAX war seinerzeit um rund 10 Prozent abgesackt, brauchte dann rund einen Monat, um seine Verluste wieder aufzuholen - dauerte die Panik dieses Mal schon nur noch eine halbe Nacht.

Kursverläufe wiederholen sich nie 1:1, aber sie ähneln sich, weil die Marktteilnehmer immer wieder derselben Psychologie folgen. Deshalb funktioniert Charttechnik.

Langfristige Entwicklungen wurden angestoßen

Es steht zwar außer Frage, dass es zu wirtschaftlichen Folgen kommt, wenn Trump Teile seiner Wahlkampfparolen tatsächlich umsetzt. Doch diese werden erst auf langfristige Sicht wirksam, genau wie der Brexit. Zumal die Brexit-Verhandlungen erst ab Frühjahr 2017 beginnen sollen. Und Trump wird erst im Januar sein Amt antreten. Insofern sollte man kurzfristig Ruhe bewahren, den eingeschlagenen Kurs fortsetzen und die weiteren Entwicklungen genau analysieren.

In allen Börsenbriefen von Stockstreet haben wir übrigens zur US-Wahl eine ruhige Hand walten lassen. Und damit sind wir optimal gefahren. Das wilde auf und Ab (bzw. umgekehrt) konnte uns kaum etwas anhaben. Aber auch für aktive Trader hatten wir genau den richtigen Rat: So schrieb Torsten Ewert am vergangenen Montag unter der Überschrift „US-Wahl als fundamentale Kaufgelegenheit“, dass aus fundamentaler Sicht jeder weiterer Rücksetzer als Kaufgelegenheit erscheint. Wer diesem Rat gefolgt ist und während dem Wahlchaos beherzt zugegriffen hat, kann sich nun über schöne Gewinne freuen.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhaus
www.stockstreet.de


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