In dieser Ausgabe von Börse - Intern lesen Sie: Heute wurden auf den ersten Blick positive Einkaufsmanagerdaten veröffentlicht. Doch beim genaueren Hinsehen sind Warnsignale zu erkennen. ...
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Die Wirtschaft der Eurozone scheint weiter Fahrt aufnehmen zu können. Darauf deutet zumindest der von IHS Markit erhobene Einkaufsmanagerindex hin, der die Industrie und den Dienstleistungssektor zusammenfasst (Composite-PMI). Für den Monat Juni ist dieser um 0,4 Punkte auf 52,2 angestiegen. Damit hat sich die moderate Aufwärtstendenz fortgesetzt, die bereits im Februar begonnen hat und damit nun schon seit 5 Monaten anhält. Und der aktuelle Wert ist sogar der höchste binnen 7 Monaten.

IHS Markit-Einkaufsmanagerindex der Gesamtwirtschaft in der Eurozone

Allerdings ist der leichte Aufschwung weiterhin nur dem Dienstleistungsbereich zu verdanken, der laut IHS Markit so gut lief wie zuletzt vor acht Monaten (Service-Index: 53,6 Punkte, nach 52,9 im Mai). Die Industrieproduktion wurde dagegen laut IHS Markit zum fünften Mal in Folge reduziert. Und dabei fiel der Rückgang erneut so stark aus wie selten zuvor in den zurückliegenden sechs Jahren. Zudem wird auch die Auftragslage von den Industrie-Managern schlechter eingeschätzt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Eurozone dürfte daher im 2. Quartal 2019 nicht stärker gewachsen sein als die 0,4 % des 1. Quartals. Aufgrund der Aufholeffekte im 1. Quartal könnte das BIP-Plus im 2. Quartal sogar wieder niedriger ausfallen.

Eurozone und Deutschland: Dienstleister hui, Industrie pfui

Ähnlich sieht es in Deutschland aus. Der Composite-Index notiert zwar mit 52,6 Punkten im Juni auch hier weiterhin deutlich oberhalb der Schwelle von 50 Zählern, ab der zukünftiges Wachstum signalisiert wird.

IHS Markit-Einkaufsmanagerindex der Gesamtwirtschaft in Deutschland

Allerdings konnte der Index damit nicht weiter zulegen. Und damit ist der Aufwärtstrend hier, im Gegensatz zur Eurozone, noch nicht sehr ausgeprägt. Aber immerhin scheint der Abwärtstrend im März ausgelaufen zu sein. Für das BIP-Wachstum zeichnet sich damit auch in Deutschland für das 2. Quartal ein Wert von etwas weniger als den +0,4 % des 1. Quartals ab.

Einkaufsmanagerdaten passen zum Verlauf der Aktienmärkte

Anders als das ifo-Geschäftsklima (siehe Börse-Intern vom 25. Juni) passen die Einkaufsmanagerdaten sehr gut zum Kursverlauf der Aktienindizes. Denn sowohl der DAX als auch der Euro STOXX 50 hatten ja Ende Dezember 2018 ihr Tief erreicht. Ihnen folgten wenig später die Einkaufsmanagerindizes als Frühindikatoren.

Und so kann man die Frage aus der Börse-Intern vom 25. Juni, „ob der diesjährige Anstieg des DAX noch gerechtfertigt ist“, mit Blick auf die Einschätzungen der Einkaufsmanager mit „ja“ beantworten. Zumal der Composite-PMI für Deutschland schon im Mai sein Niveau vom November vergangenen Jahres überschritten (siehe Grafik oben) und der DAX passend dazu Anfang Mai das Kursniveau von Ende September vergangenen Jahres zurückerobert hat (siehe gelber Pfeil im folgenden Chart).

DAX - Target-Trend-Analyse

Zum ifo-Index hatte ich auch bereits geschrieben, dass man berücksichtigen sollte, „dass die deutsche Wirtschaft bislang fast ausschließlich durch das verarbeitende Gewerbe stark belastet wird“. Der Service-PMI von IHS Markit für Deutschland zeigte in der Juni- Umfrage passend dazu das markanteste Wachstum seit neun Monaten und mit einem Anstieg um 0,4 auf 55,8 Punkte so viel Stärke wie seit dem 3. Quartal 2014 nicht mehr. Und nur dadurch erklärt es sich, dass der Composite-PMI den Mai-Wert halten konnte.

Nach der Industrie könnten bald auch die Dienstleister schwächeln

Damit ist nun allerdings nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen. Denn der bisherige Anstieg von DAX und Euro STOXX 50 lässt sich zwar mit den Einkaufsmanagerindizes erklären, fraglich ist allerdings, ob sich dieser Kursanstieg fortsetzen kann. Denn der Negativtrend in der Industrie hält an und bei den Dienstleistern in Deutschland fielen die Erwartungen laut IHS Markit trotz des aktuellen starken Anstiegs des Einkaufsmanagerindex so gedämpft aus wie zuletzt Ende 2015.

Der Aufwärtsschub des Service-PMI wurde zwar durch alle Untersektoren gestützt, das Schlusslicht bildete aber der Teilbereich Transport & Lagerhaltung, also ausgerechnet der Bereich, der auch am deutschen Außenhandel hängt. Dies ist ein klarer Hinweis darauf, dass sich das schwächelnde Exportgeschäft bereits auf den Servicesektor ausweitet. Passend dazu fiel die Zahl der Exportneuaufträge bei den Dienstleistern „zum elften Mal innerhalb der letzten zwölf Monate und so deutlich wie seit Januar 2015 nicht“, so IHS Markit.

Und damit gilt auch hier, was ich schon zum ifo-Index geschrieben habe: „Je länger aber die Probleme im verarbeitenden Gewerbe anhalten, desto wahrscheinlicher sind Ansteckungseffekte auf die anderen Wirtschaftssektoren. Der aktuelle Rückgang der Geschäftserwartungen bei den Dienstleistungsunternehmen kann bereits ein Vorgeschmack darauf sein.

Wenn der DAX also bald nicht mehr weiter zulegen kann, wäre dies ein Indiz dafür, dass sich die Schwäche in der Industrie noch stärker auf den Dienstleistungsbereich auswirkt. Und dann würden wieder einmal alle Puzzleteile ein vollständiges Bild ergeben. Zumal auch aus saisonaler Sicht eine längere Pause in den Aufwärtsbewegungen der Aktienmärkte zu erwarten ist (siehe ebenfalls Börse-Intern vom 25. Juni).

Was für weitere Kursanstiege passieren muss

Weiter aufwärts gehen könnte es mit den Kursen durch anhaltende Zinssenkungsfantasien. Da die aktuellen Einkaufsmanagerdaten nur oberflächlich eine insgesamt positive Konjunkturentwicklung zeigen und sich die Inflation zuletzt anhaltend schwach zeigte, ist eine Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) beim Einlagesatz durchaus möglich. Und auch die Fed könnte eine Zinssenkung vornehmen, wenn die weiteren US-Daten ebenfalls konjunkturelle Probleme aufzeigen.

Damit es mit dem DAX nachhaltig weiter aufwärts gehen kann, muss es allerdings positive Aussichten für den deutschen Außenhandel geben. Denn langfristig folgen die Aktienkurse nur der Gewinnentwicklung. Und Unternehmensgewinne steigen weniger durch niedrigere Zinsen, insbesondere nicht durch niedrigere Einlagenzinsen, sondern viel mehr durch den höheren Absatz von Waren und Dienstleistungen. Und für die Exportwirtschaft Deutschlands braucht es dazu eine Aussicht auf wieder zunehmenden Handel.

Diese kann aber eigentlich nur dadurch entstehen, dass die US-Regierung den Handelsstreit mit China beendet und keine anderen Baustellen – insbesondere mit der EU – aufmacht. Doch jüngste Meldungen lassen eher das Gegenteil erwarten: Die EU ist wegen der illegalen Flugzeugsubventionen wieder stärker ins Visier der US-Regierung geraten. Und das von Donald Trump so scharf kritisierte Defizit im Handel mit China ist im Mai um 12,2 % auf 30,2 Milliarden Dollar angestiegen. Trotz aller bisher bereits getroffener (Zoll-)Maßnahmen legten die US-Importe aus der Volksrepublik um 12,8 % zu.

US-Handelsdefizit auf 5-Monats-Hoch

Zwar kletterten die US-Exporte nach China mit +14,9 % immerhin auch kräftig, aber das wird Trump nicht reichen. Zumal auch das US-Defizit mit dem gesamten Ausland im Mai wieder gewachsen ist – um 8,4 % auf 55,5 Milliarden USD und damit auf den höchsten Wert seit 5 Monaten.

Handelsdefizit der USA

Und daher bleibe ich trotz der jüngsten bullishen Signale – die ja aus saisonaler Sicht zu erwarten waren – bei der Einschätzung, dass es die Bullen bald wieder deutlich schwerer haben werden.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Geldanlage
Ihr
Sven Weisenhaus
www.stockstreet.de 


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