Bleibt der Aktienmarkt trotz Anleihepanik robust?
Ausgabe vom 30.09.2026 von Clemens Schmale
Der Renditeanstieg bei Staatsanleihen ist in den USA und weltweit besorgniserregend. Es erinnert an "Unfälle" wie in Großbritannien unter Liz Truss im Jahr 2022. Kommt das dicke Ende für den Aktienmarkt noch?
In Großbritannien stieg die Rendite von Anleihen mit langer Laufzeit 2022 innerhalb von wenigen Monaten um mehr als zwei Prozentpunkte an. Aktuell sind wir von diesen Zuständen noch weit entfernt. Die Geschwindigkeit des Anstiegs ist geringer. Seit Ende Juni ist die Rendite in den USA allerdings um 0,8 Prozentpunkte angestiegen. In Deutschland waren es immerhin noch 0,5 Prozentpunkte.
Der Anstieg passt nicht ganz zu dem, was Anleger an anderer Stelle erwarten. Der Terminmarkt impliziert, dass der Leitzins in den USA um einen Prozentpunkt ansteigen wird. Im Vergleich zu allen früheren Zinserhöhungszyklen ist der Anstieg sehr flach. Ein Zinserhöhungszyklus wurde nur einmal zuvor mit weniger als einem Prozentpunkt beendet.

Anleger könnten die Lage falsch einschätzen. Sie setzen auf ein sehr seltenes Szenario. Es erklärt allerdings, weshalb der Aktienmarkt nicht nennenswert korrigiert. Eine flache Zinswende nach oben erhöht die Wahrscheinlichkeit für ein Soft Landing, also eine langsame Abkühlung des Wachstums ohne Rezession.
Solange Anleger an ein Soft Landing glauben, wird der Aktienmarkt nicht korrigieren. Historisch betrachtet sinkt das Wirtschaftswachstum bei einem Soft Landing um zwei Prozentpunkte. Für die US-Wirtschaft würde dies nur noch minimal positives Wachstum bedeuten. In einem Hard Landing fällt das Wachstum um vier Prozentpunkte. Die USA würden eine merkliche Rezession durchlaufen.
Ausschlaggebend für diese beiden Alternativen ist die Inflationsrate. Kommt es zu einem Hard Landing, steigt die Kerninflation nach der ersten Zinserhöhung nochmals um zwei Prozentpunkte an. Das provoziert eine schnellere und aggressivere Zinswende nach oben und führt letztendlich zum Hard Landing.
Bei einem Soft Landing steigt die Kerninflation nicht mehr an, sondern beginnt nach der ersten Zinserhöhung zu fallen. Das ermöglicht der Notenbank, die Zinsen gemächlicher anzuheben und auf eine Vollbremsung der Wirtschaft zu verzichten.

Aktuell gehen Anleger von einem Soft Landing aus. Das wird so bleiben, wenn die Kerninflation jetzt zu fallen beginnt. Steigt die Kerninflation hingegen weiter, ändert sich der Ausblick. Anleger werden früher oder später ein Hard Landing erwarten. Als Anleger kann man seine Investitionsentscheidungen daher an der Kerninflation festmachen. Steigt diese weiter an, ist ein Hard Landing wahrscheinlich. Will man einen Bärenmarkt vermeiden, wird die Aktienallokation in diesem Fall reduziert.
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