In dieser Ausgabe von Börse - Intern lesen Sie: Seit gestern lassen sich an den Aktienmärkten dynamische Kursverluste beobachten. Als Grund wird die innenpolitische Krise in den USA genannt. ...
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Seit gestern lassen sich an den Aktienmärkten dynamische Kursverluste beobachten. Der S&P 500 lag gestern bereits zum Handelsbeginn 0,7 Prozent im Minus, womit der US-Index den schwächsten Tagesstart seit März 2009 erlebte. Dadurch scheiterte nicht nur der mehrfache Versuch, das Hoch vom 1. März bei 2.400,98 Punkten nachhaltig zu überwinden (siehe rote, horizontale Linie im folgenden Chart), sondern der Index fiel mit der gestrigen Abwärtslücke auch noch in den seit April 2016 gültigen Aufwärtstrendkanal (grün) zurück.

S&P 500 - Chartanalyse

Anschlussverkäufe drückten den Index dann noch bis auf die obere Linie der Konsolidierungsformation, die nach dem Hoch vom 1. März startete (roter Abwärtstrendkanal). Zum Handelsende büßte der S&P 500 1,8 Prozent ein und schloss am Tagestief.

Gegenbewegung war längst überfällig

Auch der Dow Jones fiel um rund 1,8 Prozent. Für sich genommen sind dies keine besonders großen oder problematischen Bewegung, doch der Dow Jones erlitt damit zum Beispiel immerhin den größten prozentualen Tagesverlust seit September vergangenen Jahres. Und das liegt an der extrem geringen Volatilität, in der sich die Kurse seitdem von Hoch zu Hoch gehangelt haben und die für eine gewisse Sorglosigkeit der Anleger stand. Eine bereinigende Korrektur war daher mehr als überfällig.

Droht Trump die Amtsenthebung?

Wie weit diese nun laufen kann, dürfte auch mit den weiteren Entwicklungen in den USA zusammenhängen. Denn als Grund für die fallenden Kurse wird die innenpolitische Krise in den USA genannt. Das Justizministerium der Vereinigten Staaten hat gestern Abend (Ortszeit) bekannt gegeben, dass ein Sonderermittler ernannt wurde, der mögliche Verbindungen zwischen Donald Trumps Wahlkampfteam und der russischen Regierung untersuchen soll. Dem waren bereits turbulente Tage in Washington vorangegangen. Insgesamt steigt aufgrund der politischen Ereignisse in den USA die Wahrscheinlichkeit, dass ein Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump eingeleitet werden könnte.

Zweifel an einer baldigen Umsetzung der Wahlkampfversprechen wachsen

Unter den Anlegern wachsen daher die Zweifel an einer baldigen Umsetzung von Trumps Steuersenkungs- und Investitionsplänen. Sie hatten große Hoffnungen auf Trumps Pläne zur Ankurbelung der Konjunktur gesetzt, doch die jüngsten Skandale könnten diese Pläne weiter verzögern. Und im schlimmsten Fall werden sie erst gar nicht mehr umgesetzt.

Trump-Effekt ist im US-Dollar bereits vollständig verpufft

Diese Befürchtungen wirken sich nicht nur auf die Aktienmärkte aus. Auch der Dollar-Index, der den Wechselkurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, notiert inzwischen wieder auf dem Niveau vor Trumps Wahl. Damit ist der Trump-Effekt im US-Dollar bereits vollständig verpufft. Sollte den Aktienmärkten das gleiche Schicksal drohen, dann stehen den Bullen noch einige schwere Tage bevor. Immerhin stiegen die US-Märkte seit der Trump-Wahl um ca. 15 Prozent. Der S&P 500 könnte bei anhaltenden Verkäufen zum Beispiel das untere Ende seines Aufwärtstrendkanals (grün im Chart oben) ansteuern.

Dazu gibt es drei wichtige Punkte zu beachten:

1. Politische Börsen haben kurze Beine

Auf diese Weisheit sind wir in den vergangenen Wochen schon häufiger eingegangen. Im aktuellen Fall gehen wir davon ausgehen, dass dieses Polit-Spektakel lediglich der Auslöser der bereits seit Wochen überfälligen Korrektur sein könnte, nicht aber die eigentliche Ursache. Die ist weiterhin in den hohen Aktienbewertungen und der überkauften Lage an den US-Märkten zu suchen.

2. Ein Verlusttag macht noch keine Korrektur

Denn es ist noch längst nicht gesagt, dass mit den jüngsten Kursrückgängen bereits eine solche marktbereinigende Korrektur begonnen hat. Leichte Konsolidierungen haben wir in den vergangenen Wochen und Monaten schon des Öfteren gesehen. Sie waren aber in dieser Zeit stets lediglich ein Sprungbrett für neue Hochs (siehe rote Trendkanäle im S&P 500-Chart oben). Daher muss man nun zunächst abwarten, ob es auch in den nächsten Tagen zu Anschlussverkäufen kommt.

3. Erst das Sentiment, jetzt die Verfallstagsprognose

Und ich darf an dieser Stelle an die Verfallstagsprognose von Torsten Ewert vom vergangenen Montag und meine Analyse von Dienstag erinnern. Aktuell halten sich die Aktienmärkte nämlich perfekt an das darin formulierte Szenario, wonach „die bearishe Stimmung der Anleger im Sinne des Sentiments als Kontraindikator zum Wochenstart die Kurse hochgehalten hat, sich dann aber die Stillhalter zum Verfallstag wie erwartet positioniert haben“. Sowohl das Sentiment als auch die Verfallstagsgrafik haben damit als (Kontra-)Indikatoren wieder einmal hervorragend funktioniert. Und die Nachrichten um Trump haben den Stillhalten lediglich geholfen, ihre Komfortzone im DAX zu erreichen. Wichtig ist also, wie sich die Börsen nach dem Verfallstag in der kommenden Wochen verhalten.

Lassen Sie sich also nicht zu sehr irritieren, sondern beobachten Sie genau, wie sich die weitere Entwicklung darstellt. Erst daran wird zu erkennen sein, ob es sich mit dem jüngsten Rücksetzer um den Beginn einer größeren Korrektur oder wieder nur um eine kleine Konsolidierung handelt. Dazu mehr in den kommenden Tagen natürlich hier in der Börse-Intern.


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Ihr
Sven Weisenhaus
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