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von Torsten Ewert

bereits in der Vorwoche hatte ich berichtet, dass Meldungen eines Apple-Zulieferers darauf schließen lassen, dass die Produktionszahlen bei Apple nach unten korrigiert werden dürften. Inzwischen haben weitere Apple-Lieferanten ähnliche Meldungen herausgegeben – aber stets, ohne den ominösen „großen Kunden“ beim Namen zu nennen. Nun erhalten die Gerüchte über schwächelnde iPhone-Verkäufe durch einen Bericht des „Wall Street Journals“ (WSJ) neue Nahrung.

Hinweise auf Absatzprobleme verdichten sich

Damit verdichten sich diese Hinweise, die erstmals vor zwei Wochen auftauchten und worüber zunächst Japans große Wirtschaftszeitung „Nikkei“ berichtete (die auch Namensgeber für den bekannten japanischen Aktienindex ist).

Nach den neuesten Berichten soll Apple die Produktionsaufträge für das iPhone XR bei mehreren Zulieferern bis Februar 2019 um bis zu einem Drittel gesenkt haben. Das iPhone XR ist die günstigere, aber auch abgespeckte Variante des aktuellen Top-Modells XS. Beide wurden erst im September vorgestellt, und Marktbeobachter gingen bisher davon aus, dass vor allem das XR einen bedeutenden Anteil am Weihnachtsgeschäft von Apple ausmachen wird. Das ist nun wohl hinfällig.

20 % Kursverlust – und nun?

An der Börse kamen die Meldungen nicht gut an. Nachdem die Apple-Aktie bereits in der Vorwoche um mehr als 5 % absackte, gab sie gestern um weitere 3 % nach. Insgesamt hat sie damit seit ihrem Allzeithoch von Anfang Oktober schon mehr als 20 % verloren. Damit ist sie „offiziell“ im Bärenmodus.

Apple Wochenchart seit 2015

Charttechnisch hat die Apple-Aktie damit ihren aktuellen Aufwärtstrend (grün schattiert) gebrochen, den sie in der Vorwoche noch knapp verteidigen konnte. Nun könnte also der Kursrutsch weitergehen – theoretisch bis zur Unterkante des übergeordneten Aufwärtstrends (dicke grüne Linien), die derzeit bei 140 Dollar verläuft.

Achtung – Gegenbewegung möglich!

Allerdings hat der Kurs außer dem grün schattierten Trend bei 180 noch eine weitere starke Unterstützung (siehe blaue Zone). Und da der Kurs seit dem Hoch ohne nennenswerte Gegenbewegung gefallen ist, könnte eine solche Gegenbewegung demnächst einsetzen – trotz der aktuellen Negativmeldungen.

Denn obwohl es mit der WSJ-Veröffentlichung nun eine Quasi-Bestätigung der Gerüchte gibt, blieben die jüngsten Kursabschläge geringer als z.B. noch in der Vorwoche. Die schwächeren Absatzzahlen sind also inzwischen wohl weitgehend eingepreist.

Was ist wirklich dran an den Gerüchten?

Hinzu kommt: Gerüchte über einen schwächelnden iPhone-Absatz aufgrund von Zulieferermeldungen gab es in der Vergangenheit immer wieder. Oft genug hat Apple sie aber im Nachhinein durch seine offiziellen Absatzzahlen widerlegt. Der Konzern verweist daher auch gebetsmühlenartig darauf, dass solche Meldungen nicht aussagekräftig seien – dazu sei die Lieferkette zu groß und weit gefächert. Sprich: Es könnte sich auch nur um Produktionsverlagerungen und keine -kürzungen handeln.

Möglich ist theoretisch auch, dass Apple einen höheren Umsatz bei den Flaggschiffmodellen XS und XS Max statt beim „billigen“ XR erwartet. Das würde natürlich zu höheren Umsätzen führen und das aktuell negative Bild komplett drehen. Gegen diese „Hoffnungsvariante“ spricht allerdings, dass Apple selbst die Umsatzerwartungen für das Weihnachtsgeschäft bei der Vorlage der jüngsten Quartalszahlen gedämpft hat.

Was droht und was Sie jetzt tun sollten

Es scheint also etwas dran zu sein an den Gerüchten. Damit drohen bei Apple potenziell noch weitere Kursverluste. Aus charttechnischer Sicht ist nun vor allem die blaue Zone um 180 Dollar bedeutsam: Wenn diese – z.B. nach einer kleinen Gegenbewegung – doch noch bricht, dürfte der Kurs weiter in Richtung 150 Dollar fallen (hellgrüne Linie). Theoretisch ist es bei einer solchen zweiten Abwärtswelle sogar möglich, dass auch gleich die untere dicke grüne Trendlinie erreicht wird (siehe gelbe Rechteck).

Wer also nicht die erwartete Gegenbewegung zum vorsorglichen Ausstieg nutzen will, sondern darauf hofft, dass der Aufwärtstrend wieder aufgenommen wird, sollte seine Position wenigstens unterhalb von 180 Dollar mit einem Stopp absichern.

Über den Autor: Torsten Ewert ist Chefredakteur der Börsenbriefe Geldanlage-Brief und Aktien-Perlen. Mehr über Torsten Ewert erfahren Sie hier.

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