In dieser Ausgabe von Börse - Intern lesen Sie: Seit dem Wahlsieg Trumps hat sich an den Börsen viel bewegt, weil Wahlkampfversprechen eingepreist wurden. Sind diese spekulativen Bewegungen nachhaltig? ...
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Seit dem Wahlsieg Donald Trumps hat sich an den Börsen viel bewegt. So wurden einige Wahlkampfversprechen bereits in die Kurse eingepreist, obwohl noch völlig unklar ist, ob und wann sie umgesetzt werden.

Bankaktien erleben im Herbst einen zweiten Frühling

So hatte Trump zum Beispiel angekündigt, Regulierungen für die Bankenbranche zurückzunehmen, die ihnen als Reaktion auf die Finanzkrise auferlegt wurden. Zudem wolle er die Phase der Niedrigzinsen beenden, weshalb der Markt nun doch auf eine baldige Zinsanhebung der US-Notenbank spekuliert. Mit steigenden Zinsen und weniger Vorschriften werden die Geldhäuser potenziell mehr verdienen, so offenbar die Überlegung der Investoren. Denn  der Index der Finanzwerte ist in den USA binnen Tagen um knapp zwölf Prozent gestiegen. Einzelne Bank-Aktien konnten sogar deutlich stärker zulegen.

Rentenanleger fürchten Zinsanstieg und flüchten in Scharen

Steigende Zinsen werden noch aus einem anderen Grund erwartet. So gehörte zu den Wahlkampfansagen Trumps auch ein milliardenschweres Ausgabenprogramm zur Modernisierung der Infrastruktur. Da dies über Umwege die Inflation anheizen könnte, müsste die US-Notenbank gegensteuern und die Zinsen anheben. Und die Aussicht auf höhere Zinsen hat dafür gesorgt, dass sich die Investoren in großem Stil aus Rentenpapieren verabschiedet haben. Gemessen am Global Bond Market Index der Bank of America Merrill Lynch haben sich in der vergangenen Woche am weltweiten Anleihemarkt mehr als 1,3 Billionen Dollar in Luft ausgelöst.

Zinsphantasie ließ Edelmetallpreise einbrechen

Neben diesen gibt es unzählige weitere Beispiele, in denen es zu Preisanpassungen gekommen ist. So haben auch die Edelmetallpreise von Gold und Silber unter der durch Trumps Wahlsieg ausgelösten Zinsphantasie gelitten. Der US-Dollar hat hingegen davon profitiert. Und der Dow Jones ist im Gegensatz zum DAX schon auf neue Hochs gestiegen, weil Trump mit seinen Konjunkturprogrammen möglichst ausschließlich die heimische Wirtschaft ankurbeln will. Dementsprechend herrschen Zweifel, dass ein US-amerikanisches Konjunkturprogramm auch der deutschen Wirtschaft zugutekommt.

Reine Spekulation

Doch im Wahlkampf machen manche Kandidaten viele Versprechen, bei denen klar ist, dass sie diese aus den unterschiedlichsten Gründen nicht alle einlösen können. Und so wissen die Märkte eigentlich derzeit noch sehr wenig über die tatsächlichen Möglichkeiten und Pläne Trumps als Präsident. Daher handelt es sich bei den aktuellen Kursverschiebungen lediglich um Spekulationen darauf, welche Wahlversprechen letztlich auch umgesetzt werden und was diese für die Märkte und die verschiedenen Anlageklassen bedeuten könnten.

Diese Art der Preisbildung ist daher mit vielen Unbekannten versehen. Einige Preisänderungen werden wohl zurückgenommen, wenn mehr Klarheit über die Politik des künftigen US-Präsidenten herrscht und sich die anfänglichen Erwartungen nicht erfüllen. Insofern sind alle bislang erfolgten Kursreaktionen mit Vorsicht zu genießen.

Wie nachhaltig sind die jüngsten Kursbewegungen

Man muss sich also die Frage stellen, wie nachhaltig die jüngsten Kursbewegungen sind. Können die US-Indizes ihre jüngsten Aufwärtsimpulse in eine Jahresendrallye ummünzen, trotz ihrer bereits ambitionierten fundamentalen Bewertung? Und natürlich fragt sich, ob ein Verfall des Silberpreises von zwischenzeitig mehr als 12 Prozent binnen drei Handelstagen (siehe Chart) gerechtfertigt ist, nur weil im Januar 2017 ein neuer Präsident ins Weiße Haus einzieht.

Silber - Kurssturz nach Trump-Wahl

Zudem ist fraglich, ob der Kurseinbruch des Bund-Futures (siehe folgender Chart) am deutschen Rentenmarkt nachhaltig ist, wenn die Europäische Zentralbank (EZB) noch mindestens bis März 2017 Staatsanleihen aus den Ländern der Euro-Zone im Volumen von 80 Mrd. Euro pro Monat kauft.

Bund-Future - Kurssturz nach Trump-Wahl

Man sollte aus den Kursbewegungen noch keinen Trend ableiten

Wir haben jüngst deutliche Preisverschiebungen an den Märkten gesehen, weil einige Wahlkampfversprechen Trumps eingepreist wurden. Ob diese nachhaltig sind, wird sich erst zeigen, wenn mehr Klarheit über die Politik des künftigen US-Präsidenten herrscht. Da dieser aber erst im Januar 2017 ins Amt tritt, wird bis dahin noch einige Zeit vergehen. Und so ist es viel zu früh, um aus den jüngsten Kursbewegungen bereits neue Trends abzuleiten.


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Ihr
Sven Weisenhaus
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