Seltene Zins-Einigkeit
Ausgabe vom 27.07.2017 von Torsten Ewert
von Torsten Ewert
Die Fed beließ bei ihrem gestrigen Meeting die Leitzinsen in den USA in dem bisherigen Intervall von 1,00 bis 1,25 Prozent. Diese Entscheidung war auch so von Anlegern und Ökonomen erwartet worden. Dennoch gab es eine wichtige Änderung.
Eine wichtige Änderung, die das Fed-Meeting brachte
Diese betrifft die Fed-Bilanz. Sie ist durch die Anleihekäufe im Zuge des sogenannten Quantative Easing (QE) der vergangenen Jahre übermäßig aufgebläht. Die Anleihekäufe wurden zwar längst beendet, aber bisher hat die Fed auslaufenden Anleihen durch den neue Käufe ersetzt. Dadurch blieb die Fed-Bilanz auf ihrem hohen Niveau.
Damit soll demnächst Schluss sein. Bereits im Statement des Fed-Meetings im Juni wurde der Passus, dass die Fed ihre Bilanz auf „beträchtlichem Niveau“ belasse, durch die Formulierung ersetzt, dass „ein Programm zu Normalisierung der [Fed-]Bilanz [noch] in diesem Jahr“ beginnen könne. Im aktuellen Statement heißt es nun, dass die Fed davon ausgeht, „dass der Plan zur Normalisierung der Bilanz relativ bald beginnen kann.“ Beobachter und Märkte interpretierten diese Formulierungsänderung so, dass die Fed bei ihrem nächsten Treffen im September den Beginn der Bilanzreduzierung verkünden wird.
Warum nun plötzlich mal Sicherheit am Markt herrscht
Da es eine ungeschriebene Regel ist, dass eine Notenbank stets nur eine geldpolitische Maßnahme pro Sitzung beschließt, sofern keine außergewöhnlichen Umstände vorliegen, sollte damit eine weitere Zinserhöhung im September entfallen (bzw. auf den Dezember verschoben werden). Bislang wurde von den Märkten eine solche Zinserhöhung zum Teil noch erwartet.
Und richtig: Die Fed Fund Futures, die die Markterwartungen zu künftigen Leitzinsänderungen wiedergeben, zeigen seit gestern eine 0%-ige Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt im September. Vor einem Monat lag der Wert immerhin noch bei 12,8 %.
Im Umkehrschluss bedeutet das eine 100%-ige Wahrscheinlichkeit für unveränderte Zinsen im September. Eine Wahrscheinlichkeit von 100 % heißt aber, dass ein Ereignis als sicher angesehen wird. Sicherheit ist an den Märkten aber selten; ebenso die Einigkeit in den Meinungen der Anleger, die damit einhergeht. Aber keine Sorge – lange wird dieser Zustand nicht anhalten.
Über den Autor: Torsten Ewert ist Chefredakteur der Börsenbriefe Stockstreet Investment Strategie und Aktien-Perlen. Mehr über Torsten Ewert erfahren Sie hier.