Die 3 Rally-Killer reiten wieder
Ausgabe vom 09.10.2018 von Torsten Ewert
von Torsten Ewert
Nachdem Dow Jones und NASDAQ 100 in der Vorwoche noch neue Allzeithochs markierten, sorgte Fed-Chef Powell mit einer Rede dafür, dass die Kurse seitdem kräftig nachgaben und die Indizes dadurch Fehlausbrüche produzierten.
Die Fed verschreckt die Anleger
Powell betonte, dass die Konjunktur aus Sicht der Fed „außergewöhnlich“ gut läuft und signalisiert weitere Zinserhöhungen. Das verschreckte natürlich die Anleger. Aber nicht nur der straffere geldpolitische Kurs der Fed bedroht die Rally. Es sind insgesamt 3 Rally-Killer, die schon seit geraumer Zeit wieder am Werk sind: steigende Zinsen, steigende Rohstoffpreise und eine anziehende Inflation (siehe Chart).

Wie ein Konjunktur-Boom und ein Bullenmarkt zu Ende gehen
Warum ausgerechnet diese drei Faktoren einen Bullenmarkt beenden und warum sie dabei häufig gemeinsam auftreten, zeigt folgende Überlegung: Am Ende eines langen Konjunkturaufschwungs kommt es meistens zu einer wirtschaftlichen Übertreibung. In diesem Boom laufen die Geschäfte der Unternehmen so gut, dass sie einen massiven Kapazitätsausbau vornehmen, wodurch sämtliche Produktionsfaktoren – Kapital, Arbeitskräfte, Material – spürbar knapper werden. Die Folge: Die Kosten für diese Produktionsfaktoren steigen entsprechend stark, also die Zinsen (= Kapitalkosten), die Löhne und die Rohstoffpreise. Die beiden letzteren führen dazu, dass die Inflation steigt. Die Zinsen werden zudem in der Regel außerdem durch die Notenbank angetrieben, die mit Zinserhöhungen beginnt, um den Boom abzukühlen.
Dies führt früher oder später dazu, dass die Unternehmen ihre Preise so stark erhöhen müssen, dass ihr Absatz stockt, oder sie bleiben selbst auf den höheren Kosten sitzen. Die entsprechenden Gewinnrückgänge lassen dann auch die Aktienkurse einbrechen.
Bisher haben die Rally-Killer stets gewirkt
Und wie der Chart oben zeigt, sind diese drei Faktoren inzwischen seit längerem in einem Aufwärtstrend. Wie ein historischer Vergleich zeigt, den ich den Leser meines Geldanlage-Briefs in der Oktober-Ausgabe gezeigt habe, führte ein längerer Anstieg dieser drei Faktoren bisher jedes Mal zu einem mehr oder weniger starken Einbruch der Aktienkurse.
Das Problem ist allerdings, dass sie kein Timing erlauben, denn die Zeiten, ab denen die Indikatoren Gefahr signalisieren, bis zum tatsächlichen Hoch variieren sehr stark. Aber mit dem Sprung der 10-jährigen US-Renditen über 3,2 % und dem Anstieg des Ölpreises über 85 Dollar in der Vorwoche könnte allmählich die Schmerzgrenze der Börsianer erreicht sein.
Warum Sie auf die US-Inflationszahlen in dieser Woche achten sollten
Bleibt noch die Inflation. Dazu gibt es am Donnerstag neueste Zahlen aus den USA. Ökonomen erwarten, dass insbesondere die sogenannte Kernrate (also die Inflationsrate ohne die volatilen Energie- und Lebensmittelpreise), den bisherigen Aufwärtstrend bestätigen. So dürfte die Kernrate – die ein Hauptkriterium für die Fed bei ihren Zinsentscheidungen ist – weiter ansteigen: von 2,2 % auf 2,3 %. Damit läge die Inflation dann schon deutlich über dem Zielwert der Fed (2 %) und würde den Eindruck der vergangenen Monate erhärten, dass der Preisdruck zunimmt.
Der fatale Anstieg dieser 3 Rally-Killer, die schon viele Bullenmärkte beendeten, ginge also weiter. Auch diesmal dürfte er wieder zu einem Top führen. Offen ist nur, wann es soweit ist und ob es vorher eventuell noch eine Übertreibung gibt. Eine Übertreibung ist jedoch durch die neuerliche Schwäche der US-Indizes in der Vorwoche unwahrscheinlicher geworden. Achten Sie also in dieser Woche auf die aktuellen Inflationszahlen und die Reaktion der Aktienmärkte darauf.
Über den Autor: Torsten Ewert ist Chefredakteur der Börsenbriefe Geldanlage-Brief und Aktien-Perlen. Mehr über Torsten Ewert erfahren Sie hier.