Wie ist die Börse entstanden?
Ausgabe vom 16.01.2023 von Stockstreet-Team
Eine kurze Zusammenfassung zur Entstehung der weltweiten Börsen
Seit es Menschen gibt, handeln sie miteinander. Ob auf Marktplätzen oder Messen - Menschen treffen zusammen, um Produkte zu kaufen oder zu verkaufen. Im Laufe der Geschichte haben sich aus diesen Treffen Handelsplätze und damit die ersten Börsen entwickelt.
Wo und wann die erste Börse entstand, ist in der Literatur umstritten. Ihre Ursprünge werden bereits im Handel des 12. Jahrhundert in der italienischen Stadt Lucca vermutet. Hier fanden bereits erste regelmäßige Versammlungen von Kaufleuten auf Marktplätzen statt. Da im Laufe der Zeit nicht nur die Anzahl an Händlern zunahm, sondern auch das Handelsvolumen, wurden mehr und mehr Regeln für den lokalen und überregionalen Handel notwendig.
Wie ist der Begriff „Börse“ überhaupt entstanden?

Der Begriff „Börse“ und das erste Börsengebäude, so sind sich die meisten Quellen einig, geht auf die Kaufmannsfamilie „Van der Beurse“ im belgischen Brügge zurück. Im Familiennamen steckt das niederländische Wort „beurs“ (Geldbeutel), welches wiederum aus dem lateinischen Wort „bursa“ (Ledertasche, Geldsäckchen) stammt. Das Familienwappen zierten drei Ledersäckchen. Ab dem Jahre 1409 trafen sich vorwiegend italienische Kaufleute regelmäßig zu geschäftlichen Zusammenkünften in dem Haus der Familie, um einen halbwegs geregelten Handel an einem festen Ort abzuhalten. Gehandelt wurden in erster Linie Rohstoffe und Wechsel.
Es sollte nicht lange dauern, bis sich aus dem Familiennamen die Bezeichnung „Börse“ als fester Begriff für einen regulierten Handelsplatz etablierte und knapp 50 Jahre später im Jahr 1460 die erste Warenbörse für Gewürze in Antwerpen öffnete. Auch in andere europäische Sprachen wurde der Begriff übernommen, wobei lediglich im Englischen von „stock exchange“ die Rede ist.
Ein Netz an neuen Börsenplätze entwickelt sich
Der Erfolgszug der Börsenplätze ließ sich von nun an nicht mehr stoppen. In den europäischen Handelszentren öffneten ab dem 16. Jahrhundert Börsenplätze, die auch mit der Ausweitung auf den Wertpapierhandel weiter an Relevanz gewannen.

In Deutschland entwickelt sich ab 1585 vor allem die Frankfurter Börse zur wichtigsten deutschen Börse und bescherte der Stadt Macht und Reichtum. Auch bis heute hat die Stadt ihre Bedeutung als europäisches Finanzzentrum beibehalten.
Heutzutage werden an den internationalen Börsen jährlich mehrere Milliarden Dollar umgeschlagen. Als größte Börse gilt dabei die Nasdaq (National Association of Securities Dealers Automated Quotations).

Diese allgemeinhin als „Technologiebörse“ bezeichnete elektronische Börse wurde 1971 gegründet und hat seit 2019 die bis dahin größere New York Stock Exchange (NYSE) im Ranking überholt (gemessen am Handelsvolumen).
Börsenhandel gleich Aktienhandel?
Wenn man heute von Börse spricht, ist meist automatisch vom Aktienhandel die Rede. Beide Begriffe werden oft synonym gebraucht. Strenggenommen bezeichnet die Börse aber nach wie vor nur den Ort, an dem die Geschäfte abgewickelt werden. Der Aktienhandel an der Wertpapierbörse beschreibt dabei nur einen Teilbereich der gehandelten Wertpapiere. Darüber hinaus gibt es auch noch die Devisen-, Termin und Warenbörsen, an welchen u.A. Rohstoffe, Devisen und Derivate gehandelt werden.
Der ursprüngliche Präsenzhandel von Wertpapieren (Parketthandel) ist mittlerweile dem digitalen Handel weitestgehend gewichen. Seit den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts ist es somit auch Privatleuten möglich geworden über elektronische Handelsplätze ihre Wertpapierorder in Echtzeit zu platzieren.