von Torsten Ewert

Gestern gab es an den US-Börsen einen kräftigen Ausverkauf. Die Analysten sehen die Gründe dafür in „schwachen Konjunkturdaten“, insbesondere vom Immobilienmarkt, und aktuell schwachen Ergebnissen der laufenden Quartalsberichtssaison. Aber an dieser Begründung bestehen erhebliche Zweifel.

So schlecht waren die Konjunkturdaten gar nicht

Zumal „die Konjunkturdaten“ gar nicht durchweg schlecht waren. Die Einkaufsmanager-Indizes, die von Markit erhoben wurden, fielen sogar überraschend gut aus und stiegen merklich an – zum Teil sogar entgegen den Erwartungen!

Nur die gestrigen Daten vom Immobilienmarkt fielen deutlich schlechter aus als erwartet. Aber auf die Kurse hatte das zunächst keinen merklichen negativen Einfluss, wie der folgende 5-min-Chart der drei großen US-Indizes von gestern zeigt: Um 16 Uhr MESZ (siehe linke senkrechte gestrichelte Linie), als die Daten veröffentlicht wurden, gingen die Kurse sogar kurz nach oben, bevor sie ihre sachte Seitwärts-/Abwärtsbewegung vom Handelsbeginn fortsetzen.

US-Indizes 24.10.2018 

(Quelle: MarketMaker)

Erst rund eine Stunde später gab es einen merklichen Rücksetzer, der jedoch eine weitere Stunde danach schon wieder aufgeholt war. Allerdings begann mit diesem Einbruch eine anhaltende Schwäche des NASDAQ 100 (schwarze Kurve). Dieser koppelte sich im weiteren Verlauf von den beiden anderen Indizes, die bis eine Stunde vor Handelsschluss weiter seitwärts liefen (siehe roter Kanal), mehr und mehr ab.

Das Beige Book der Fed, das um 20 Uhr veröffentlicht wurde, hatte ebenfalls keine unmittelbare Wirkung auf die Kurse (siehe rechte senkrechte gestrichelte Linie), obwohl auch dieser Termin hier und da als Begründung genannt wurde. Die eigentlichen Verluste summierten sich erst ab etwa eineinhalb Stunden vor Handelsschluss auf, als alle Indizes unisono kräftig nachgaben.

Auch die Quartalsergebnisse kommen als Crash-Ursache nicht infrage

Und auch die Quartalsergebnisse der Unternehmen hatten eher keinen nachhaltigen Effekt auf die Kurse. Zum einen waren die vorgelegten Zahlen so gut (oder schlecht) wie die bisherigen und zum anderen haben mehr als 50 % der Unternehmen, die gestern ihre Ergebnisse präsentierten, dies erst nach Börsenschluss getan. Sie konnten also die Kurse gar nicht mehr bewegen.

Weitere gut 30 % gaben ihre Ergebnisse schon vor Handelsbeginn bekannt – wenn sie also die Ursache der Schwäche waren, hätte man das bereits deutlicher zu Beginn der Börsensitzung sehen sollen. Zumal auch ihre Ergebnisse keine besonderen negativen Überraschungen brachten.

(K)Ein Beispiel

Allerdings wurde in einigen Kommentaren ein konkretes Beispiel für diese negativen Resultate genannt: Texas Instruments. Dabei waren die eigentlichen Zahlen gar nicht so schlecht: Der Gewinn pro Aktie stieg um satte 25,4 % gegenüber dem Vorjahr und übertraf damit die Analystenschätzungen um vier Prozentpunkte. Der Umsatz blieb allerdings einen knappen Prozentpunkt hinter den Erwartungen zurück, lag jedoch im Rahmen der vom Unternehmen prognostizierten Bandbreite.

Den gestrigen Kursabschlag von 8,2 % soll aber vor allem der schwache Ausblick des Unternehmens auf das laufende Quartal verursacht haben, der mit seiner Untergrenze deutlich hinter den bisherigen Analystenerwartungen zurückblieb.

Ein „Schönheitsfehler“ macht die Erklärung zunichte

Das klingt doch alles recht plausibel, oder? Schon – es gibt aber einen Schönheitsfehler: Texas Instrument hat diese Zahlen schon am Dienstag vorgelegt, und zwar nach Börsenschluss. Im nachbörslichen Handel verlor die Aktie danach bereits knapp 6 % und eröffnete den Handel am Mittwoch dementsprechend schwach (siehe folgender 5-min-Chart):

Texas Instruments 24.10.2018

Der Kurs erholte sich dann aber ein wenig und driftete danach fast die gesamte Zeit über seitwärts. Erst zum Schluss fiel er erneut – dann jedoch im Einklang mit den Märkten. Als Erklärung für die gestrige Schwäche an den US-Börsen taugt also das Beispiel Texas Instruments ebenfalls nicht.

Das „Smart Money“ als böser Bube?

Aber wer hat die US-Indizes dann „gecrasht“? Der Schlüssel liegt in dem späten Beginn dieser Schwäche bzw. der Schwäche des NASDAQ 100. Insbesondere ein deutlicher Kursrückgang in den letzten ein, zwei Stunden eines Handelstages wird in den USA allgemein als Beleg dafür gewertet, dass „große Adressen“, also vor allem institutionelle Investoren, verkaufen.

Das wird als besonders negatives Zeichen interpretiert, gilt diese Anlegergruppe doch als gut informiert und in der Regel als relativ hartgesotten, die sich nicht leichtfertig von ihren Aktienbeständen trennt. Wenn dieses „Smart Money“ doch verkauft, dann gibt es dafür bestimmt gute Gründe, die man als normaler Anleger besser ernst nimmt (auch wenn sie meist nicht offensichtlich sind).

Zwischen Panikattacke und nachhaltiger Baisse

Ähnlich ist es mit der Schwäche des NASDAQ 100: Dieser hat häufig eine Vorreiterrolle für die US-Märkte – meist im Positiven. Daher ist es ebenfalls ein Warnsignal, wenn dieser Index – wie gestern – eine derart auffällige Schwäche gegenüber den anderen US-Indizes zeigt.

Allerdings will ich Ihnen nicht verschweigen, dass es eine Sache gibt, die mich stutzig macht: die heutige relative Stärke der europäischen Märkte. Sie folgen sonst solchen negativen Vorgaben der US-Börsen nahezu „sklavisch“. Vielleicht haben wir gestern also auch einfach nur einen kurzen Anflug von Panik der US-Anleger gesehen. Dann könnte dieser Spuk bald vorüber sein. Aber nachdem nun auch in den USA wichtige Chartmarken verletzt wurden, besteht weiterhin die Gefahr, dass die jüngsten Rückschläge erst der Auftakt für eine nachhaltige Schwäche an den Aktienmärkten waren.

Über den Autor: Torsten Ewert ist Chefredakteur der Börsenbriefe Geldanlage-Brief und Aktien-Perlen. Mehr über Torsten Ewert erfahren Sie hier.

Quelle der Charts: Tradesignal Online (sofern nicht anders angegeben). Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.


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