von Torsten Ewert

Gestern hielt Fed-Chefin Janet Yellen in London eine Rede zu verschiedenen Themen der Geld- und Finanzpolitik. Heute schreibt die Online-Ausgabe des Handelsblatts mit Blick auf die gestrigen schwachen US-Börsen dazu: „Als Stimmungskiller erwies[..] sich laut Börse ARD auch [..] die Rede von Fed-Chefin Janet Yellen. Sie erklärte, sie gehe nicht davon aus, dass es zu unseren Lebzeiten nochmals zu einer Finanzkrise kommt.“

Eine äußerst gewagte Prognose!

Das ist eine etwas putzige Formulierung, die nahelegt, dass Yellens Prognose künftiger ausbleibender Finanzkrisen die Kurse drückte. Das ist sicherlich nicht gemeint. Aber Yellens Bemerkung ist aus stimmungstechnischer Sicht dennoch bedenklich. Sie hat etwas von einer „Dieses Mal ist alles anders“-Haltung. Die Autoren Carmen M. Reinhart und Kenneth S. Rogoff zeigen in ihrem gleichnamigen Buch, dass sich in der mehr als achthundertjährigen Geschichte der Finanzkrisen trotz solcher und ähnlicher Beteuerungen bis heute nichts geändert hat – insbesondere nicht die Ursachen solcher Krisen.

Der Ausgangspunkt vieler Krisen war vielmehr, dass die Verantwortlichen überzeugt waren, aufgrund von „Maßnahmen“ solche Krisen überwunden oder zumindest für lange Zeit verbannt zu haben - und deshalb längst vorhandene neue Risiken ignorierten. Frau Yellen tappt offensichtlich in die gleiche Falle und spielt Orakel. Das ist umso erstaunlicher, als Yellen bislang eher (zu) zurückhaltend war und klare Aussagen möglichst vermied.

Zumal auch die Statistik gegen sie spricht: Reinhard und Rogoff listen in ihrem Buch allein von 1800 bis 2009 (also innerhalb von 209 Jahren) 318 Finanzkrisen auf. Damit käme es rein statistisch zu drei Krisen innerhalb von zwei Jahren. Yellens Prognose ist also äußerst gewagt!

Ben Bernanke als warnendes Beispiel

Ihr sollte ihr Vorgänger Ben Bernanke als warnendes Beispiel dienen. Dieser bezeichnete die Auswirkungen der Hypothekenkrise lange als „begrenzt“ (contained). Wie es tatsächlich ausging, haben wir alle erlebt. Angesichts neuer Risiken, z.B. bei Auto- und Studienkrediten, ist Yellens Aussage zudem auch einigermaßen verwunderlich.

Bei Autokrediten liegt z.B. der Anteil von Subprime-Krediten (also Kredite an Personen, die eigentlich gar keinen bekommen dürften) aktuell bei 25 %. Die Ausfallraten dieser Subprime-Kredite stiegen bereits wieder auf knapp 2 %, ein Niveau, das sie bisher nur in der jüngsten Finanzkrise erreichten. (Ihr bisheriges Maximum erreichte die Ausfallrate dabei im Frühjahr 2009 bei knapp 2,5 %.)

Wo die Gefahren wirklich lauern

Der einzige „Trost“: Das Volumen der Autokredite ist natürlich erheblich geringer als das der Hypothekendarlehen. Gemessen an dem Subprime-Volumen, das vor der Finanzkrise angehäuft wurde und dann zur Bedrohung des Finanzsystems wurde, liegt der Subprime-Anteil der Autokredite aktuell „nur“ bei etwa 11 % oder knapp 280 Mrd. Dollar. Im Gegensatz zu damals liegen aber diese Kredite nicht bei den Banken, sondern bei den sogenannten „Finance Companies“, z.B. den Finanzierungstöchtern der Automobilhersteller.

Und ob diese im Zweifelsfall solche Summen schultern können, ist zweifelhaft. Man denke an den Versicherungskonzern AIG, der während der Finanzkrise pleiteging, weil eine seiner Töchter zuvor riesige Mengen von Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps) ausgab – und bedienen musste, als deren Preise aufgrund der stark steigenden Ausfallgefahren bei Banken und anderen Finanzinstituten plötzlich durch die Decke schossen. Die Gefahren lauern also immer dort, wo wir nicht damit rechnen.

Falls sich also „zu unseren Lebzeiten“ doch noch eine Finanzkrise ereignen sollte, dann sagen Sie nicht, Sie wären nicht gewarnt worden.

Über den Autor: Torsten Ewert ist Chefredakteur der Börsenbriefe Stockstreet Investment Strategie und Aktien-Perlen. Mehr über Torsten Ewert erfahren Sie hier.


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