Ein entscheidender Paradigmenwechsel in der Aktienkultur


Ein entscheidender Paradigmenwechsel in der Aktienkultur!
US-Konjunkturdaten



Ein entscheidender Paradigmenwechsel in der Aktienkultur!
von Jochen Steffens

Mich fesselt immer noch die Nachricht, dass es wieder mehr Aktionäre in Deutschland gibt und zwar aus folgenden Gründen:

Der DAX hat seinen ersten Überraschungscrash im Zusammenhang mit der EU-Schuldenkrise bisher nicht fortgesetzt – trotz aller Probleme. Es könnte gut sein, dass dies viele Anleger beruhigt, zumal sich immer mehr die Meinung durchsetzt, der Aktienmarkt sei massiv unterbewertet. Das wäre eine der Gründe für seine aktuelle Stabilität

(Anm. d. Red.: Es stimmt zwar, dass der DAX unterbewertet ist und dass solche Unterbewertungen oft ein gutes Einstiegssignal darstellen. Trotzdem erwächst daraus keinesfalls die Sicherheit, dass der Aktienmarkt nicht weiter einbricht. Börsen können immer in jede Richtung massiv übertreiben. Siehe z.B. den Boom der Internet- und Technologieaktien im Jahr 2000 und die Übertreibung nach unten im Jahr 2003.)

Der Paradigmenwechsel: Privatanleger entdecken die Aktie neu

Wenn jetzt sogar Privatanleger die Aktien immer häufiger als mögliche Kriseninvestition entdecken, wäre das ein sehr wichtiger Hinweis auf einen entscheidenden Paradigmenwechsel im Anlegerverhalten.
Waren aufgrund der Erinnerungen an den Boom bis zum Jahr 2000 Aktien für viele Anleger nur eine Spekulationsinvestment, so scheint die aktuelle Krise die Menschen wieder zu der ursprünglichen Bedeutung der Aktie zurückzuführen.

Investitionen in Aktien werden nicht mehr vorgenommen, um das Vermögen schnell zu vermehren, sondern werden als eine vergleichsweise sichere Investition in dieser Krise angesehen.

Und das macht auch Sinn, denn dahinter verbirgt sich, dass Anleger sich endlich wieder darauf besinnen, was Aktien eigentlich immer schon gewesen sind: Unternehmensanteile. Mit einer Aktie haben Sie schließlich einen Anteil an den Grundstücken, den Maschinen und Immobilien, wie dem Know How einer Firma und vieles mehr. Ein solcher Firmenanteil kann in Krisenzeiten das Vermögen schützen.

Kurz: Die Aktie ist kein spekulatives Zockerpapier mehr, sondern eine handfeste Investition in Sachwerte.

Wenn das, was sich bisher nur ansatzweise abzeichnet, tatsächlich massentauglich würde, hätte sich ein wichtiger, aber wenig beschriebener Zyklus vervollständigt!

Der Zocker/Anleger Zyklus

Vor 15 Jahren galten Aktien als Anlage, die eine gewisse Sicherheit bei einer moderaten Rendite pro Jahr versprach. Durch den 20jährigen Aufwärtstrend wurde daraus zum Jahrtausendwechsel hin immer mehr ein spekulatives Invest. Es ging nicht mehr um die Sicherheit der Anlage oder Dividendenausschüttungen, sondern um 100 % Kursgewinn in kurzer Zeit. Die solide Anlage verkam zur Wette. Diese neu entstandene Kasino-Mentalität führte zunächst zur Hybris, also dem extremen Boom bis 2000. Das Fehlen der Anleger, die in der Aktie eine solide Anlage sahen, beziehungsweise das massive Übergewicht an Zockern war auf der anderen Seite schließlich auch der Grund für den folgenden Zusammenbruch des Aktienmarkts.

Nun, nach 11 Jahren Seitwärtsbewegung und vielen Crashs, nachdem die Zocker und Glücksritter so langsam der Glauben an den ewigen Reichtum verlässt, könnte die Aktie wieder von den Anleger als das eingesetzt werden, was sie eigentlich immer schon gewesen ist.

Eine Börsenweisheit

Daraus ließe sich vereinfacht folgende Börsenweisheit folgern:

Solange mehr solide Anleger als Zocker im Markt sind, steigen die Märkte.

Wenn die Zocker Überhand nehmen, ist das Ende des Trends nicht mehr weit.

Das würde aber umgekehrt heißen: Wenn dann später wieder die soliden Anleger die Oberhand gewinnen, muss man mit einer neuen Rally rechnen. Und genau das scheint so langsam der Fall zu sein.

Die Rally

Führen wir alles zusammen: Das Geld, dass sich weltweit auf der verzweifelten Suche nach Rendite befindet, der Paradigmenwechsel in der Aktienkultur, die Asset-Inflation, so könnte tatsächlich ein ausreichend belastbarer Boden für einen sehr nachhaltigen Aufwärtstrend an den Börsen entstehen. Und das natürlich genau in einem Umfeld, das so düster und krisenbelastet erscheint, wie lange nicht mehr. Hier passt vieles zusammen.

Wir müssen diesen Fakt also weiter beobachten und in unsere Analysen mit einbeziehen. Ohne Frage wäre ein nachhaltiger Paradigmenwechsel in der Aktienkultur eine der interessantesten Entwicklungen der vergangenen 10 Jahre!

Viele Grüße

Jochen Steffens

Zum Text von Montag: Ich bin übrigens tief betrübt, dass mein lieber Kollege Torsten Ewert meine Idee vom Heli-Draghi mit sachlich kaum zu widerlegenden Argumenten zerstört hat – verabschieden wir uns also von dieser ohnehin überstrapazierten Metapher…

Danke auch für die vielen Mails dazu, allerdings fehlt bisher noch die „wirklich geniale“ Idee, wie man diese Metapher nun abändern könnte.




US-Konjunkturdaten
von Jochen Steffens

Die Erzeugerpreise in den USA sind im Dezember wider Erwarten um 0,1 Prozent gesunken. Analysten hatten mit einem unveränderten Wert gerechnet. Allerdings stieg die Kernrate - ohne die volatilen Preise von Nahrungsmitteln und Energie - um 0,3 Prozent. Hier hatten Analysten einen Anstieg von 0,1 Prozent prognostiziert.

Als Ursache für den Rückgang wurde sinkende Preise für Benzin und Energie genannt.




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