Steffens Daily 10 Tage Rückblick

Ausgabe vom 3. Februar 2012:
Ist die Krise nun vorbei?


Ist die Krise nun vorbei?



Ist die Krise nun vorbei?
von Jochen Steffens

In den USA sind außerhalb der Landwirtschaft 243.000 neue Stellen geschaffen worden. Analysten hatten, wie gestern bereits berichtet, lediglich mit 170.000 Stellen gerechnet.

Wenn Sie sich die Tendenz der vorherigen Monate anschauen, erkennen Sie nun einen klaren, sich beschleunigenden Aufwärtstrend. Sollte diese Entwicklung anhalten, wäre das ein sehr bullishes Zeichen. Aber von einem "Stellenwunder " zu sprechen, ist selbstredend noch viel zu früh. Immer noch bleiben die Zahlen unter 300.000 und das ist auf Dauer einfach zu wenig.

Und wieder einmal haben die ADP-Daten vom Mittwoch nicht einmal von der Tendenz her richtig gelegen. Nach wie vor, trotz veränderter Berechnung, sollten Sie also zur Prognose eher auf anderen Daten zurückgreifen. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe waren zum Beispiel ein besserer Indikator (siehe Steffens Daily von gestern).

DAX rennt davon

Werfen wir einen Blick auf den DAX, der nach der Veröffentlichung dieser Daten deutlich anzog:

Sie erkennen, dass nach dem Kampf um die 6.430er Marke und dem idealtypischen Bruch mit einem Retest von oben der DAX nun Dynamik aufbaut und in Richtung der anvisierten 7.000-Punkte-Marke läuft. In diesem Bereich könnte er sich noch einmal schwer tun – zumal dann auch die obere Begrenzung des Aufwärtstrends (grün) in die Nähe rückt. Dazu noch einmal der Hinweis, dass dieser Aufwärtstrend noch nicht wirklich bestätigt ist – trotzdem sollte er eine gewisse Relevanz zeigen.

Zudem sind die Märkte nach wie vor im stark überkauften Bereich – eine Konsolidierung ist jederzeit zu erwarten. Die Frage ist nur, von welchem Niveau aus dies geschieht. Und das ist bei solchen Gegenbewegungen nach einem Crash immer äußerst schwer zu prognostizieren. Aus folgenden Gründen:

Der Markt macht keine Gefangenen

Wenn Sie sich die Bewegung seit Mitte Dezember anschauen, so erkennen Sie, dass es Nachzüglern gerade nicht leicht gemacht wird, noch in diesen Markt einzusteigen. Es ist die Situation, die wir „Der Markt macht keine Gefangenen“ nennen. Er rennt also weiter und weiter, ohne nennenswerte Konsolidierungen, die man zu einem Einstieg nutzen könnte. Vor allem die institutionellen Anleger haben mit solchen Märkten Probleme. Sie werden geradezu in den Markt gezwungen, um nicht in eine erhebliche Underperformance zum DAX zu geraten. So nährt die Hausse die Hausse. Und genau das macht eine Prognose so schwierig, denn niemand weiß, wann die Profis entsprechend investiert sind.

Das Angst-Level

Eines können wir aber festhalten: Im Bereich zwischen 7.000 Punkten, dem wichtigen Widerstand, wie man im Chart erkennen kann, und 7.600 Punkten, dem Rally-Hoch aus der Aufwärtsbewegung, die dem 2008/9er Crash folgte, wird es sehr schwierig für den DAX.

Krise zu Ende?

Sollte der DAX tatsächlich dieses Hoch überwinden, wäre das eigentlich ein Zeichen dafür, dass die Krise in Europa, zumindest aus der Sicht der deutschen Wirtschaft, vorbei wäre. Und ich bin mir sicher, dass auf diesem Kursniveau einige institutionelle Anleger Muffensausen bekommen und lieber wieder vorsichtiger agieren. Aus diesem Grund wird es in diesem Bereich zu einem höheren Verkaufsdruck kommen. Wenn die Kurse einfach weiter steigen, trifft dieser Verkaufsdruck auf einen sehr stark überkauften Markt. In vielen Fällen führt das bei derart fundamental wichtigen Widerständen dazu, dass der Index erst einmal in eine Seitwärtsbewegung übergeht.

Besser wäre es, wenn der Markt bereits vorher in eine kleine Konsolidierung übergehen würde, um quasi Kraft zu sammeln.

Im DAX wird es also in den kommenden Tagen und Wochen gerade auch im Hinblick auf die Krise in der EU sehr spannend. Dabei weigere ich mich nach wie vor, Wasserstandsmeldungen abzugeben, wann denn nun der Schuldenschnitt in Griechenland erfolgen wird und in welchem Umfang – hierzu laufen fast stündlich sich zum Teil widersprechende Nachrichten über den Ticker. Er wird zwar kommen, da besteht eigentlich keine Frage – nur eben wann und in welchem Umfang…

Viele Grüße

Jochen Steffens






Ausgabe vom 2. Februar 2012:
Verhaltene Entwicklung vor dem US-Arbeitsmarktbericht


Verhaltene Marktentwicklung vor dem US-Arbeitsmarktbericht



Verhaltene Marktentwicklung vor dem US-Arbeitsmarktbericht
von Jochen Steffens

Die Märkte stehen nun im Bann des US-Arbeitsmarktberichts, der am Freitag um 14.30 Uhr erscheint. Gestern bereits wurde der ADP-National-Employment-Report veröffentlicht, der immer zwei Tage vor dem offiziellen Arbeitsmarktbericht herausgegeben wird. Danach sind im Januar sind lediglich 170.000 Stellen, nach zuvor 292.000 Stellen geschaffen worden, das lag aber im Rahmen der Erwartungen.

Interessanterweise erwarten die Analysten für morgen, dass auch der offizielle Arbeitsmarktbericht 170.000 neu geschaffene Stellen außerhalb der Landwirtschaft melden wird - dazu die Grafik mit der Prognose:

Sollte es so kommen, ist kaum mit einer Marktbewegung zu rechnen. Der Wert liegt im Vergleich zu den vorherigen Monaten im guten Mittelfeld. Wenn allerdings die schon eher niedrige Erwartung auch noch enttäuscht wird, könnte der Markt einen kurzen Einbruch erleiden. Genauso sollte es zu Kurssteigerungen kommen, wenn diese Erwartung deutlich übertroffen wird.

Allerdings haben sich, wie hier mehrfach dargestellt, die ADP-Daten trotz der Anpassung an den US-Arbeitsmarktbericht bisher nicht als guter Vorindikator erwiesen, und somit ist natürlich alles offen.

Erstanträge sinken weiter

Aber ein Blick auf die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe könnte die Richtung weisen. Deren Zahl ist um 12.000 auf 367.000 zurückgegangen und lag damit noch unter den Erwartungen der Analysten, die mit einem Wert von 371.000 Erstanträgen gerechnet hatten. Im Vier-Wochen-Durchschnitt sank die Zahl um 2.000 auf 375.750.

Allerdings weisen erst Werte unter 300.000 bis 350.000 auf eine Belebung des US-Arbeitsmarkts hin. Eine Tendenz ist aber zu erkennen und so könnte es sein, dass die US-Arbeitsmarktdaten aufgrund der vorsichtigen Schätzung und trotz der ADP-Daten positiv überraschen.

Verhalten positive Marktreaktion

Und so erklärt sich auch die Marktreaktion: Die Märkte warten verhalten positiv gestimmt ab, was denn die Zahlen morgen so bringen. Uns geht es damit natürlich nicht anders. Der DAX steigt um 0,59 % auf 6.655 Punkte leicht an.

Viele Grüße

Jochen Steffens






Ausgabe vom 1. Februar 2012:
Gerüchte treiben den DAX auf über 6.600 Punkte


Gerüchte treiben den DAX auf über 6600 Punkte
US-Konjunkturdaten



Gerüchte treiben den DAX auf über 6600 Punkte
von Jochen Steffens

Wie so oft sind es Gerüchte, die als Begründung für die aktuelle positive Kursentwicklung herhalten müssen. So kursieren erneut Meldungen, nach denen sich Griechenland mit den privaten Schuldnern auf einen Schuldenschnitt geeinigt habe. Nun gut, dass wird allerdings auch schon seit mehreren Wochen immer wieder behauptet. Aber trotzdem, der DAX steigt um 2 % und entwickelt damit die Dynamik, die ich gestern noch vermisst habe. Mit 6.630 Punkten wurde zudem ein neues Jahreshoch erreicht. Der Ausbruch ist somit nachhaltig gelungen, der Retest der vergangenen beiden Tage abgeschlossen und jetzt sehen wir auch die Dynamik. Nun haben wir also ein perfektes Ausbruchssignal, und der Aufwärtstrend ist weiterhin intakt.

Das Kursziel liegt nun bei ca. 7.000 bis 7.100 Punkten.


Die Wahrscheinlichkeit

Ein Problem bei der Charttechnik ist, dass viele Anleger sie zu dogmatisch sehen. Selbst so ein deutliches Signal, wie wir es aktuell im DAX sehen und seit einigen Tagen begleiten, bedeutet nicht etwa, dass das Erreichen der 7.000 Punkte sicher ist. Nein, hier geht es nur um Wahrscheinlichkeiten. Diese liegen vielleicht jetzt bei geschätzt knapp 70 %, mehr ist es nicht. Das bedeutet aber, dass es trotz eines solchen Signals immer noch in drei bis vier von 10 Fällen nicht zu der Erreichung des Kursziels kommt! Und 70 Prozent Wahrscheinlichkeit sind in der Charttechnik bereits viel….

Dazu sollten Sie bedenken, dass wir immer noch politische Börsen erleben – die Gefahr, dass es hier erneut Störfeuer gibt, senkt meiner Meinung nach die Wahrscheinlichkeit zurzeit erheblich – hier gibt es sozusagen Abzüge in der B-Note.

Langfristige Gewinne

Und es ist eines der wenigen unbestreitbaren Geheimnisse des Tradens, dass es niemals um den sicheren Trade geht, den Geheimtipp oder das unfehlbare Investment. Es geht, so ernüchternd es auch sein mag, lediglich um die Erhöhung der Wahrscheinlichkeit zu Ihren Gunsten und hierbei ist jedes Prozentpünktchen willkommen.

Börsengang von Facebook

Heute fragte mich zum Beispiel eine Bekannte, ob ich denn bei einem Börsengang von Facebook einsteigen würde. Mal abgesehen davon, dass noch viel zu wenig belastbare Informationen dazu vorliegen, blieb meine Antwort doch negativ. Obwohl Facebook sicherlich zurzeit eines der größten Phänomene in der IT-Branche ist.

Ich habe aber bei solchen Börsengängen große Schwierigkeiten die Wahrscheinlichkeiten für weiter steigende Kurse zu bestimmen - ich kann die Chancen und Risiken nicht wirklich abwägen. Schließlich sind nicht alle Börsengänge der IT-Branche in den vergangenen Jahren so gut gelaufen, wie zuvor von den Anlegern erwartet. Aber wenn mich schon „Nicht-Börsianer“ zu diesem Thema befragen, ist eins wohl sicher: Es wird einen ziemlichen Hype um diesen Börsengang von Facebook geben. Ob aber die Aktie nach der ersten Euphorie weiter steigt?

Eins ist dabei sicher: Irgendwann unterliegen auch die neuen Aktien den allgemeinen Börsentrends. So brach zum Beispiel Google während der Finanzkrise von zuvor knapp 750 Dollar auf im Tief 250 Dollar, also um über 66 %, ein.

Alle Information in einer Linie

Zudem fehlt mir bei einem Börsengang der Chartverlauf, also überlass ich die Bewertung anderen. Meiner Meinung nach (und da gibt es sicherlich auch andere durchaus vertretbare Meinungen) gibt es nichts, was mehr über eine Aktie aussagt als der vorherige Kursverlauf. Schließlich sehen Sie dort alle Informationen, die bekannten und unbekannten, in einer Kurshistorie vereint. Sie sehen die unveröffentlichten Einschätzungen der institutionellen Anleger und jede Kaufentscheidung, ob die des Firmenboss oder eines einfachen kleinen Anlegers. Für mich liefert das eine geradezu geniale Spielwiese der Wahrscheinlichkeiten.

Traderlatein

Aber man muss sich sowieso von der Vorstellung trennen, bei jedem einzelnen Trade zu gewinnen. Der einzelne Trade ist völlig unbedeutend. Es ist egal, ob er aufgeht oder nicht. Man hat nicht nur deswegen einen Fehler gemacht, weil ein Trade mal schief geht. So ein Denken macht die Psyche kaputt. Man kann auch alles richtig machen und trotzdem ausgestoppt werden.

Nein, es geht darum, in der Masse der Trades mehr Gewinn zu machen als Verluste. Gerade im sehr kurzfristigen Bereich wird das sogar teilweise dadurch erzielt, dass man unterm Strich mehr Verlustrades als Gewinntrades macht. Wenn die wenigen Gewinntrades aber die vielen Verlusttrades (z.B. durch sehr dichte Stopps) überkompensieren, bleibt zum Schluss ein Gewinn übrig.

Schlussendlich bleiben zum Schluss wenige Punkte, die an den Börsen zum Erfolg führen: Intuition, Wissen, Erfahrung und eben der ewige Kampf um die Wahrscheinlichkeiten.

Viele Grüße

Jochen Steffens

PS: Zum ISM-Index lesen Sie weiter unten im Steffens Daily bei den US-Konjunkturdaten mehr




US-Konjunkturdaten
von Jochen Steffens

Die Bauausgaben erhöhten sich saisonbereinigt um 1,5 Prozent gegenüber dem Vormonat auf ein hochgerechnetes Jahresvolumen von 816,38 Mrd Dollar. Analysten hatten im Vorfeld nur einen Anstieg um 0,5 Prozent erwartet.

Der ISM-Index des verarbeitende Gewerbe stieg im Januar von zuvor 53,1 auf jetzt 54,1 Punkte. Das ist der höchste Stand seit sieben Monaten. Analysten hatten jedoch mehr, nämlich 54,60 Punkten erwartet.

Ein Indexstand von über 50 Punkten weist auf eine Expansion des verarbeitenden Gewerbe hin, ein Wert unter 50 auf eine Kontraktion. Wir sehen hier also insgesamt noch ein sich weiter verbesserndes Umfeld und so muss man die eher wieder etwas schlechteren Daten der vergangenen Tage relativieren. Interessant wird demnach ob der US-Arbeitsmarktbericht am Freitag und natürlich der ISM-Dienstleistungsindex diese Tendenz stützen.






Ausgabe vom 31. Januar 2012:
Der Tiefpunkt einer großen Rezession


Der Tiefpunkt einer großen Rezession?
US-Konjunkturdaten



Der Tiefpunkt einer großen Rezession?
von Jochen Steffens

Es gab heute einen interessanten Artikel auf www.manager-magazin.de mit der Überschrift: „US-Firmen plagen sich mit Gewinnschwund.“ Der Text wird eingeleitet mit: „Das lässt nichts Gutes erwarten…“.

Brisanter Gewinnschwund

Es geht in dem Artikel zunächst darum, dass die US-Unternehmen unter einem „brisanten Gewinnschwund“ leiden. Von den 500 Unternehmen des S&P500 haben bisher lediglich noch 59 Prozent die Gewinnerwartungen der Analysten übertroffen – das sei der geringste Prozentsatz seit 10 Jahren. Dabei sollen die Analystenerwartungen bereits im Vorfeld der Veröffentlichungen gezielt gedämpft worden sein.  Darüber hinaus gebe es in der vierten Woche der laufenden US-Bilanzsaison mehr Firmen, die ihren Ausblick senken, als solche, die ihre Erwartungen nach oben korrigieren, und das passiere schon das zweite Quartal hintereinander.

Die große Rezession

So weit, so gut, und dann las ich den Satz, der mich aufhorchen ließ: Eine solche Serie habe es zuletzt am Tiefpunkt der großen Rezession gegeben.

Nun, normalerweise starten große Rallys genau am Tiefpunkt einer großen Rezession, dann nämlich, wenn die Stimmung am allerniedrigsten ist und auch die Unternehmensgewinne ihr Tief erreichen. Es fragt sich also, wie negativ diese Nachricht aus Sicht eines Börsianers ist.

Unternehmen sind auch skeptisch

Zu der düsteren Stimmung passen weitere Punkte in diesem Artikel: So zitiert der Artikel eine Umfrage des Firmenberaters PricewaterhouseCoopers unter 1258 Firmenchefs, nach der lediglich nur noch 40 Prozent sehr zuversichtlich seien, dass der Umsatz ihres Unternehmens 2012 wachsen werde. Vor einem Jahr seien es noch knapp 50 % gewesen. Gut, hier in Deutschland ist eine solche Skepsis wahrscheinlich Normalität, aber für die zwanghaft optimistischen Business-Amerikaner sind das Werte, die einem Kollaps des amerikanischen Unternehmerselbstwertgefühls gleichkommen.

Niedrige Umsätze

Doch noch interessanter ist eine andere Analyse des Artikels. Obwohl der S&P500 Index in den ersten vier Wochen des Jahres den besten Start seit 1989 hingelegt habe, blieben die Umsätze niedrig. Das sei ein Hinweis darauf, dass die Anleger sehr skeptisch seien. Mit 6,7 Mrd. gehandelten Aktien je Tag sähen wir die geringsten Umsätze seit 2008 und das bei einem KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) des S&P500 von 13,7 – der historische Schnitt liege bei 16,4. Das Resumee des Autors: "Die Anleger trauen diesen Kursen nicht […] sie boykottieren die Rally."

So fangen Aufwärtsbewegungen an

Und das ist ein weiterer Punkt: Entgegen der meisten Bücher über klassische Charttechnik, bei denen offensichtlich viele von irgendjemand abgeschrieben haben, der diese Information nicht genauer überprüft hat, sind die Umsätze am Anfang einer Rally meistens eher niedrig. Und das ist auch logisch, wenn eine Rally mitten in der Krisenzeit startet. Schließlich traut in dem wirtschaftlichen Umfeld einer Krise wirklich niemand mehr den Märkten. Also kaufen nur die sehr starken und erfahrenen Hände. Und auch die nur, weil sie möglicherweise weiter einbrechende Kurse durchhalten können.

Denn woher soll man wissen, dass tatsächlich schon das Tal der Tränen in einer Rezession erreicht ist? Und die Sorge, dass es doch noch mal tiefer geht, ist sicherlich auch in der aktuellen Situation mehr als berechtigt.

Aber wenn es der Boden sein sollte, dann wären die niedrigen Umsätze typisch. Erst im zweiten Teil einer Rally, dann, wenn immer mehr Anleger zuversichtlicher werden, steigen auch die Umsätze an. Am Hoch einer Rally sind die Umsätze zumeist am höchsten. Einzige Ausnahme: Crash – dann, wenn alle gleichzeitig verkaufen wollen. In solche Phasen gibt es extreme Umsatzspitzen, die aber nur auf vergleichbar kurze Zeiträume beschränkt sind. Oft genug zeigen diese Umsatzspitzen auch das Ende einer Abwärtsbewegung an. Aufpassen muss man also lediglich, sowohl im Hoch als auch im Tief, wenn hohe Umsätze auftauchen.

Eine Börsen-Interpretation

Fasst man also die Aussagen dieses Artikels zusammen und wendet sie auf die Börse an (was vielleicht nicht die Intention des Autors war), muss man zu dem Schluss kommen, dass auch diese Hinweise eher für eine Fortführung der Rally als für einen Zusammenbruch sprechen. 

Die Frage des Timing

Und obwohl diese Hinweise eher bullish sind, gibt es mit dieser Art der Analyse grundsätzlich ein Timing-Problem. Mit solchen Argumenten gelingt nur selten ein perfekter Einstieg. Eine Stimmung oder die wirtschaftliche Situation kann lange schlecht bleiben und immer auch noch viel schlechter werden. Trades auf solche Setups werden oft viel zu früh eingegangen. Und das ist auch der Grund, warum nur starke Hände solche Märkte kaufen. Es ist die Zeit der langfristigen Investoren, die genügend Geld im Rücken haben, um dennoch bei weiter fallenden Kursen einfach unbeeindruckt ihre Positionsgröße zu erhöhen.

Und gerade aktuell sind die Märkte, wie schon beschrieben, stark überkauft. Das Risiko, dass eine Konsolidierung urplötzlich einsetzt, bleibt damit aus kurzfristiger Sicht sehr hoch.

DAX versucht einen Retest

Der DAX ist heute, nach dem gestrigen Test des Widerstandes, wieder angestiegen. Allerdings fehlt hier noch die Dynamik. Man erkennt nun sehr deutlich, welche Schwierigkeiten dieser Widerstand (jetzt Unterstützung) macht. Wünschenswert wäre eine dynamische Aufwärtsentwicklung, dann wäre das bullishe Signal des Ausbruchs klarer. So besteht immer noch die Gefahr, dass er doch nachhaltiger unter die Unterstützung bei 6.430 Punkten fällt. Mal schauen, wie lange er noch mit dieser Marke kämpft. Aber auch hier gilt: Je länger, desto weniger bullish wird das Bild und desto höher wird die Gefahr des Fehlsignals.

Viele Grüße

Jochen Steffens




US-Konjunkturdaten
von Jochen Steffens

Der Chicagoer Einkaufsmanagerindex ist im Januar auf saisonbereinigt 60,2 gesunken. Analysten hatten den Index bei 62,3 erwartet, nach 62,2 zuvor.

Werte über 50 Punkte deuten auf eine Expansion des verarbeitenden Gewerbes in der Region hin, Werte unter 50 auf eine Kontraktion.

Das Verbrauchervertrauen des Conference Board ist im Januar von zuvor 64,8 Punkten auf nunmehr 61,1 Punkte gefallen. Dieser Wert lag deutlich unter den Erwartungen der Analysten, die 68,40 Punkten prognostiziert haten. Als Grund wird unter anderem der erneute Anstieg der Benzinpreise genannt.

 






Ausgabe vom 30. Januar 2012:
Retest oder Fehlsignal


Retest oder Fehlsignal



Retest oder Fehlsignal
von Jochen Steffens

Der DAX hat nun sein erstes Bewegungshoch nach dem Crash im Jahr 2011 bei 6.430 Punkten wieder von oben getestet. In diesem Bereich muss er drehen, ansonsten wird es kritisch.

Sollte er nachhaltig unter diese Marke fallen, werden die bullishen Signale sofort negiert. Zudem besteht die Gefahr eines Fehlsignals, das eine weitere Konsolidierung einleitet.

Noch ist es allerdings nur ein normaler Retest dieses Widerstands. Diese sind, sofern es im Anschluss dazu zu einer Fortsetzung der dynamischen Aufwärtstrendbewegung kommen sollte, trendbestätigend.

Probleme in der EU

Auslöser für die heutige Konsolidierung sind direkt mehrere Faktoren:

Zum einen wirken sich die wieder zunehmenden Probleme in Griechenland belastend aus. Der Druck auf Griechenland wächst, die Reformen voranzutreiben und die Reformversprechungen einzuhalten, ansonsten sind weitere Hilfsgelder in Gefahr. Als problematisch wird mittlerweile wieder der Verlauf der Verhandlungen Athens mit privaten Gläubigern eingestuft. Darüber hinaus gibt es Hinweise, dass der neue Bericht der Experten von EU-Kommission, dem IWF und der EZB (Troika) ungünstig ausfallen könnte. Auch die  Diskussionen um eine stärkere europäische Kontrolle des Sanierungsprogramms in Griechenland waren wenig hilfreich, um die Märkte zu beruhigen.

Auf der anderen Seite scheinen Sorgen im Zusammenhang mit dem mit Spannung erwartete EU-Gipfel einige Anleger zu ersten Verkäufen zu bewegen. Zwar soll hier vor allem der ständige europäische Rettungsschirm ESM gebilligt werden, Anleger erwarten jedoch darüber hinaus auch weitere Informationen zur Lage und zum weiteren Vorgehen der EU in Griechenland.

Politische Börsen

Kurz: Wieder einmal hat die Politik die Märkte im Griff. Wir kennen das und wir mögen es nach wie vor nicht. Es ist nahezu unmöglich, all die Probleme in den verschiedenen Ländern, alle möglichen Einflussfaktoren und auch noch diverse Aussagen verschiedenster Politiker in eine vernünftige Prognose einfließen zu lassen. Und so wird die Lage wieder einmal, solange es um diese politische Börse geht, undurchsichtig.

Erholung in den USA

Wir können aber in den USA eine leichte Erholung der Wirtschaft erkennen und das ist positiv (auch wenn das US-BIP am Freitag enttäuschte). Das heißt für die Börsen: Eigentlich sind sie auf der Unterseite gut unterstützt. Daneben existiert ein gewisser Kaufdruck, der aus dem Anlagenotstand vieler Anleger entsteht. Wenn also die Probleme in der EU nicht dazwischenfunken, würde das alles für einen nachhaltigeren Aufwärtstrend sprechen.

Doch wie heißt es so schön: Wenn das Wörtchen „wenn“ nicht wäre ...

Target-Trend-Methode

Auf dem Trader-Treffen in Köln wurde mir mehrfach die Frage gestellt, warum ich denn im Steffens Daily den DAX nicht mehr als Target-Trend-Chart darstelle. Die Analysen hätten doch perfekt funktioniert.

Da ich schätze, dass diese Frage noch andere interessiert, hier die Antwort:

Durch den Einbruch im August vergangenen Jahres sind im Moment die Kästchen der Rechteckmethode nicht eindeutig definierbar. Und somit ist eine klare, sprich übersichtliche Prognose, schwierig. Ich müsste jedes Mal sehr viel zu den Charts schreiben, fürchte aber das würde nur verwirren. Sobald die Linien wieder eindeutiger und klarer zu definieren sind, werde ich mit den Prognosen der Target-Trend-Methode fortfahren. Schließlich möchte ich an die Serie der perfekten Prognosen der vergangenen Jahre anknüpfen.

Der aktuelle Target-Trend-Chart

Für diejenigen, die meine aktuelle Analyse mit der eigenen abgleichen möchte:


 
Eingezeichnet sind die alten Rechtecke (blau), die auch immer noch sehr gut funktionieren und die möglichen neuen (rot). Welche sich nun durchsetzen ist noch nicht eindeutig geklärt.

Interessant ist, dass die Aufwärtstrendlinien (grün - Parallelen zum alten Trend) perfekt das Tief des Crashs beschreiben und damit nicht neu eingezeichnet werden müssen. Auch die Konsolidierungslinien (rot, abwärtsgerichtet) haben ihre Relevanz auch nach dem Crash behalten.

Die gelben Kreise sind lediglich Beta-Targets. Ein wirkliches (und relevantes) Alpha-Target findet sich zurzeit in dieser Betrachtung jedoch nicht.

Viele Grüße

Jochen Steffens






Ausgabe vom 27. Januar 2012:
EUR/USD - Gegenbewegung oder Trendwende?


EUR/USD - Gegenbewegung oder Trendwende?



EUR/USD - Gegenbewegung oder Trendwende?
von Stockstreet-Team

In den letzten Wochen haben die Konjunkturdaten in den USA per Saldo eher auf der Oberseite überrascht. Sowohl bei den Sentimentindikatoren (Einkaufsmanagerindizes, Konsumentenvertrauen) als auch bei den harten Wirtschaftsdaten (Industrieproduktion, Einzelhandelsumsätze) waren Stabilisierungstendenzen erkennbar. Vor diesem Hintergrund wäre ein solides BIP-Plus für den Zeitraum von Oktober bis Dezember 2011 keine Überraschung gewesen.

Überraschung ging nach hinten los

Die heute veröffentlichten Zahlen waren dann für einige Marktteilnehmer tatsächlich eine Überraschung. Das US-amerikanische Bruttoinlandsprodukt ist nach erster offizieller Schätzung im vierten Quartal um 2,8 % gestiegen. Das ist durchaus nicht schlecht, hatte das Wachstum im Vorquartal doch nur bei 1,8 % gelegen. Es wurde allerdings mehr erwartet. Der Konsens ging von einem Anstieg im Bereich 3,1 bis 3,2 % aus.

Und so rauschten die Aktienmärkte kurzzeitig in die Tiefe. Der DowJones verlor 90 Punkte, der DAX musste zwischenzeitlich 70 Punkte hergeben. Merkwürdigerweise gab auch der Euro gegenüber dem Dollar nach. Eigentlich sind schlechte US-Daten immer gut für den Euro.
Die Kursverluste sind aber kein Beinbruch, konnten doch alle Werte (DowJones, DAX, EUR/USD) in der jüngsten Vergangenheit ordentlich zulegen.

Ausbruch löste kurzfristiges Potential aus

Dem Euro gelang dieses Kunststück durch den Bruch eines kurzfristigen Abwärtstrendkanals, der entsprechendes kurzfristiges Kurspotential auslöste. Das sieht bis hierher alles nach einem soliden Trendbruch aus, doch handelt es sich damit auch um eine Trendwende?

EUR/USD Chart kurzfristig

Schon auf aktuellem Niveau kämpft der Wechselkurs bereits wieder mit zwei Widerständen, bestehend aus dem Tief im Oktober bei 1,3148 EUR/USD und dem letzten Zwischenhoch Mitte Dezember bei 1,31983 EUR/USD.

Langfristchart sorgt für Verwirrung

Und insbesondere der längerfristige Chart sorgt für Verwirrung und zeigt, dass gerade dieses Währungspaar aktuell schwer einzuschätzen ist. Hier haben wir zum einen den sehr breiten Abwärtstrendkanal (blau), der seit Mitte 2008 Bestand hat. Der Kurs bewegt sich gerade in dessen Mitte und damit im charttechnischen Niemandsland.

EUR/USD Chart langfristig

Man könnte allerdings auch eine Seitwärtsbewegung zwischen den grünen waagerechten Linien bei ca. 1,494 und 1,258 identifizieren, mit leichten Ausreißern nach oben und unten. Demnach hat der Wechselkurs kürzlich idealtypisch an deren unterem Ende gedreht und befindet sich nun wieder in Richtung 1,50 EUR/USD.

Aufwärtstrend würde zum Hürdenlauf

Doch auf dem Weg dorthin begegnet ihm, neben den aktuellen Widerständen zwischen 1,31 und 1,32 EUR/USD, schon bei ca. 1,375 eine fallende und bei 1,424 eine waagerechte Widerstandslinie. Der Kurs müsste also mächtige Hürden überspringen.

Und dann sind da ja noch die fundamentalen Rahmenbedingungen aus Verschuldungs- und Konjunkturproblemen. Amerika und Europa kämpfen ja quasi gerade im Verschuldungs-Rennen um die ersten Plätze. Bei der Konjunktur scheinen die USA im Moment leicht die Nase vorn zu haben. Aber auch hier ist die Lage derzeit extrem fragil.

Gegenbewegung oder Trendwende?

Handelt es sich bei der aktuellen Aufwärtsbewegung nach dem Trendbruch also nur um eine Gegenbewegung im Abwärtstrend, der im April 2011 bei ca. 1,50 EUR/USD seinen Ursprung hat? Oder befindet sich der Kurs nun wieder innerhalb der grünen Trendlinien auf dem Weg zur oberen Begrenzung?

Wir sagen es ganz ehrlich: Keine Ahnung! Bei einer derart verzwickten Situation sollte man einfach an der Seitenlinie bleiben. Man muss sich ja nicht zwingend in jedem Markt bzw. Basiswert long oder short positionieren. Es gibt genügend Anlagemöglichkeiten, in denen die Situation eindeutiger ist.

Viele Grüße,

Ihr Stockstreet Team






Ausgabe vom 26. Januar 2012:
Fed liefert billiges Geld bis Ende 2014


Fed liefert billiges Geld bis Ende 2014
US-Konjunkturdaten
Übersetzung Fed-Statement



Fed liefert billiges Geld bis Ende 2014
von Jochen Steffens

Die Fed hat in ihrem gestrigen Statement im Anschluss an die FOMC-Sitzung angekündigt, ihre Niedrigzinspolitik nicht nur bis 2013, sondern sogar bis 2014 beizubehalten (ich habe Ihnen die deutsche Übersetzung des Statements weiter unten im Steffens Daily angefügt). Die Märkte reagierten auf diese Nachricht entsprechend positiv. Somit sind gestern sowohl der Nasdaq100 als heute auch der DAX über die wichtigen hier vorgestellten Widerstände gesprungen.

Ist das eine wirklich gute Nachricht?

Ich frage mich derweil, ob das wirklich eine gute Nachricht ist. Eine derart lange Ausdehnung der Niedrigzinspolitik belegt, wie sehr sich die USA bereits im Sumpf einer Deflation befindet. Offensichtlich erwartet die Fed in den kommenden drei Jahren trotz der weltweiten massiven Lockerung der Geldpolitik keine Inflation. Denn auf diese müsste sie (und würde sie auch) mit Zinserhöhungen reagieren. Einerseits, um ihrer gesetzlichen Verpflichtung nachzukommen, auf die Preisstabilität zu achten (siehe auch das Statement weiter unten). Andererseits würde eine Niedrigzinspolitik bei einer wachsenden Inflation die Gefahr einer galoppierenden Inflation massiv erhöhen, und die Folgen einer ausufernden Inflation sind bei weitem verheerender als die Folgen einer Deflation.

Deflation ist kein gutes Umfeld

Deflation ist jedoch grundsätzlich kein besonders gutes Umfeld für Aktien, und das macht diese Nachricht so zweideutig. Einerseits ist es für die Märkte gut, dass so viel leichtes Geld zu haben ist und das auch noch ohne die Sorge, dass diese Party bald vorbei ist. Wir sehen ja bereits in Deutschland, dass selbst die skeptischen und eher ängstlichen deutschen Anleger ihr Geld mittlerweile vermehrt in den Aktienmarkt investieren.

Investitionen zurückstellen

Andererseits kann sich die Wirtschaft auch daran gewöhnen. Es entfällt nämlich der Zwang, jetzt noch schnell zu investieren, um die niedrigen Zinsen auszunutzen. Unternehmen könnten die Zeit nutzen und Investitionen zurückstellen, um bessere Chancen zu nutzen. Und auch dazu gibt es bereits einen Hinweis in dem Statement der Fed. Das Wachstum der Unternehmensinvestitionen sei nämlich zurückgegangen, heißt es in der Erklärung.

Dem Konsum fehlt die Rendite

Ein andere wichtiger Punkt ist, dass durch die niedrigen Zinsen und deren Folgen immer weniger Rendite erwirtschaftet wird. Und es ist gerade in den USA auch eben diese Rendite, die in den Wirtschaftskreislauf über den Konsum einfließt, z.B. über die großen Pensionsfonds des öffentlichen Dienstes und der Privatwirtschaft. Den Bürgern fehlt damit ein wichtiger Teil ihrer Einnahmen – auch das sollte nicht vergessen werden.

Und damit…

Und damit stellt sich die Frage, wie die Situation in den USA tatsächlich aussieht? Die Krise in Europa hat in den vergangenen Monaten von den Schwierigkeiten in den USA abgelenkt. Diese könnten bald wieder in den Vordergrund drängen. Doch bis jetzt scheinen die Märkte das noch zu ignorieren. Und so lange der Ausbruch in den jeweiligen Indizes Bestand hat, müssen wir uns auch keine Sorgen darum machen. Gefährlich wird es lediglich, wenn sich Fehlsignale bilden. Dazu die Charts:

DAX bricht mit Dynamik den Widerstand

Der DAX hat die 6.430er Marke und damit das erste Hoch nach dem Crash im vergangenen Jahr nach oben aufgelöst. Sie können in dem Chart sehr schön erkennen, wie der Kursverlauf zunächst mit dem Widerstand ringt, um jetzt nahezu befreit nach oben zu hüpfen.
Jetzt ist erst einmal viel Platz nach oben, denn der nächste wichtige Widerstand liegt erst bei 7.000 Punkten – in diesem Bereich findet sich dann auch die obere Begrenzung des Aufwärtstrendkanals (grün).

Kein Grund zur Panik

Sie sehen, dass es keinen Sinn machte, zu früh auf die hier in den vergangenen Tagen vorgestellten bearishen Signale zu reagieren. Wie ich geschrieben hatte: Bleiben Sie noch gelassen und warten Sie ab, was in den kommenden Tagen passiert. Und tatsächlich, dieser Ausbruch hat die geäußerten Sorgen erst einmal wieder zerstreut. Trotzdem war es richtig, die Aufmerksamkeit zu erhöhen.

Die vergangenen Tage sind damit ein schönes Beispiel dafür gewesen, wie man mit der klassischen Charttechnik umgehen sollte – nämlich gelassen.

Jetzt, nach dem der Ausbruch eindeutig ist, können Sie, zumindest wenn Sie auf der Long-Seite investiert sind, wieder etwas entspannen. Zwar kann es nach dem Ausbruch jederzeit zu einem Test dieser 6.430er Marke von oben kommen, aber das wäre nur normal.

Fehlsignal

Lediglich wenn die Kurse wieder nachhaltig unter diese Linie fallen sollten, müssen Sie erneut vorsichtig werden. Dann hätten wir ein klassisches Fehlsignal und dies wäre ein sehr deutliches Warnzeichen. Oft genug haben nämlich Fehlsignale stärkere Konsolidierungen eingeleitet.

Nasdaq100: Höchster Kurs seit 2001

Und zum Schluss, weil es so beeindruckend ist, der Nasdaq100-Chart:


 
Der Nasdaq100 hat mit dem aktuellen Ausbruch und nach der Eskalation der Euro-Krise jetzt die höchsten Kurse seit dem 08.02.2001, also seit knapp 11 Jahren, ausgebildet! Angesichts der weltweiten Krisenstimmung ist das schon ein höchst beachtliches Ereignis, was eigentlich so überhaupt nicht zu den Untergangsszenarien passt…

Viele Grüße

Jochen Steffens

PS: Ich freue mich, heute einige von Ihnen bei unserem Trader-Treffen zu treffen und bin selbst schon sehr auf den Vortrag gespannt.




US-Konjunkturdaten
von Jochen Steffens

Die Zahl der Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe steigt um 21.000 auf 377.000. Analysten hatten allerdings einen noch größeren Anstieg um 23.000 vorhergesagt. Der Wert für den gleitenden Vierwochendurchschnitt sinkt auf 377.500.

So lange die Zahlen unter 400.000 notieren, bleibt die positive Tendenz bestehen. Trotzdem kann man hier natürlich bisher nur von einer zarten Erholung sprechen.

Der Auftragseingang langlebiger Wirtschaftsgüter stieg gegenüber dem Vormonat um 3,0 Prozent. Analysten hatten nur mit einem Anstieg um 2,0 Prozent gerechnet, nach revidiert 4,3 Prozent zuvor. Der Ordereingang ohne den Transportbereich stieg um 2,1 Prozent. Die Auftragseingänge ohne Rüstungsgüter kletterten um 5,5 Prozent. 
 
Der Index der Frühindikatoren für die Entwicklung der US-Wirtschaft stieg im Dezember um 0,4 Prozent auf einen Stand von 94,3 Punkte. Analysten hatten mit einem Plus von 0,8 Prozent gerechne, nach 0,2 Prozent Anstieg zuvor.

Die Entwicklung der Frühindikatoren belegen die Einschätzung der Fed, dass die US-Wirtschaft moderat wachsen werde.

Die Zahl der Verkäufe neuer Häuser ist im Dezember 2011 um 2,2 Prozent auf 307.000 Häuser gesunken. Analysten hatten einen Zuwachs auf 320.000 erwartet, nach revidiert 314.000 zuvor.

Das ist alles immer noch weit unter der Normalität (ca. 750.000) und die wieder sinkenden Zahlen bestätigen nicht die zunächst positiven Nachrichten vom US-Immobilienmarkt der anderen Daten.




Übersetzung Fed-Statement
von Jochen Steffens

Die Informationen, die seit dem Treffen des Offenmarktausschusses im Dezember eingegangen sind, weisen darauf hin, dass die US-Wirtschaft ungeachtet der Verlangsamung des Weltwirtschaftswachstums mäßig gewachsen ist. Während die Indikatoren auf eine Verbesserung der allgemeinen Arbeitsmarklage hindeuten, bleibt die Arbeitslosenrate erhöht. Die Ausgaben der privaten Haushalte haben sich weiter verbessert, das Investitionswachstum der Unternehmen hat sich jedoch verlangsamt und der Immobiliensektor bleibt unter Druck. Die Inflation ist in den vergangenen Monaten etwas zurückgegangen und die längerfristigen Inflationserwartungen sind stabil geblieben.

In Übereinstimmung mit dem gesetzlichen Auftrag will der Ausschuss maximale Beschäftigung und Preisstabilität fördern. Der Ausschuss erwartet, dass sich das Wirtschaftswachstum in den kommenden Quartalen weiter mäßig entwickelt und rechnet daher damit, dass die Arbeitslosenrate nur langsam auf das Niveau fällt, welches der Ausschuss mit seinem [oben genannten] Doppel-Mandat vereinbaren kann. Die Belastungen in den globalen Finanzmärkten bergen nach wie vor erhebliche Abwärtsrisiken für die wirtschaftlichen Aussichten. Der Ausschuss rechnet ebenfalls damit, dass die Inflation in den kommenden Quartelen auf oder unter dem Level bleibt, dass mit dem Doppel-Mandat zu vereinbaren ist.

Um eine stärkere wirtschaftliche Erholung zu unterstützen und um sicherzustellen, dass die Inflation weiterhin auf dem Niveau bleibt, das dem Doppel-Mandat entspricht, erwartet der Ausschuss die Beibehaltung des stark akkommodierenden geldpolitischen Kurses. Dazu beschloss der Ausschuss heute das Zielband für den Leitzins bei 0 bis 1/4 Prozent zu halten und geht derzeit davon aus, dass die wirtschaftlichen Bedingungen, einschließlich der niedrigen Ressourcenauslastung und einer gedämpfte Inflationsaussicht auf mittlere Sicht, das außergewöhnlich niedrige Leitzinsniveau mindestens bis Ende 2014 rechtfertigen.

Der Ausschuss beschloss ferner, wie im September angekündigt, mit dem Programm, die durchschnittliche Laufzeit ihrer Bestände an Wertpapieren zu erhöhen, fortzufahren. Der Ausschuss behält seine derzeitige Politik bei, Tilgungszahlungen aus dem Bestand von öffentlichen Anleihen und hypothekenbesicherten Papieren von US-Körperschaften in [neue] öffentliche hypothekenbesicherten Papieren zu reinvestieren sowie auslaufende Staatsanleihen bei den Auktionen zu erneuern. Der Ausschuss wird regelmäßig die Größe und Zusammensetzung der Wertpapierbestände überprüfen und ist bereit, deren Größe so anzupassen, wie es für die Förderung einer stärkeren wirtschaftlichen Erholung in einem Umfeld der Preisstabilität angemessen erscheint.

Originaltext:

Information received since the Federal Open Market Committee met in December suggests that the economy has been expanding moderately, notwithstanding some slowing in global growth. While indicators point to some further improvement in overall labor market conditions, the unemployment rate remains elevated. Household spending has continued to advance, but growth in business fixed investment has slowed, and the housing sector remains depressed. Inflation has been subdued in recent months, and longer-term inflation expectations have remained stable.


Consistent with its statutory mandate, the Committee seeks to foster maximum employment and price stability. The Committee expects economic growth over coming quarters to be modest and consequently anticipates that the unemployment rate will decline only gradually toward levels that the Committee judges to be consistent with its dual mandate. Strains in global financial markets continue to pose significant downside risks to the economic outlook. The Committee also anticipates that over coming quarters, inflation will run at levels at or below those consistent with the Committee's dual mandate.


To support a stronger economic recovery and to help ensure that inflation, over time, is at levels consistent with the dual mandate, the Committee expects to maintain a highly accommodative stance for monetary policy.  In particular, the Committee decided today to keep the target range for the federal funds rate at 0 to 1/4 percent and currently anticipates that economic conditions--including low rates of resource utilization and a subdued outlook for inflation over the medium run--are likely to warrant exceptionally low levels for the federal funds rate at least through late 2014.


The Committee also decided to continue its program to extend the average maturity of its holdings of securities as announced in September. The Committee is maintaining its existing policies of reinvesting principal payments from its holdings of agency debt and agency mortgage-backed securities in agency mortgage-backed securities and of rolling over maturing Treasury securities at auction. The Committee will regularly review the size and composition of its securities holdings and is prepared to adjust those holdings as appropriate to promote a stronger economic recovery in a context of price stability.


Quelle: http://www.federalreserve.gov






Ausgabe vom 25. Januar 2012:
Warum ich gerne ein Bulle bin


Warum ich gerne ein Bulle bin



Warum ich gerne ein Bulle bin
von Jochen Steffens

Die Märkte zeigen sich heute unentschlossen. Das hängt unter anderem mit der heute stattfindenden Fed-Zinssitzung zusammen. Notenbank-Chef Ben Bernanke hat in seiner bisherigen Amtszeit viel getan, um die Arbeit der Notenbank transparenter zu gestalten. Ein weiterer Schritt in diese Richtung startet heute. Alle 17 Mitglieder werden ihre jeweiligen Zinsprognosen zu der Zinsentwicklung der kommenden Jahre veröffentlichen. Ob das aber nun tatsächlich zu mehr Sicherheit oder aber zu mehr Verwirrung führt wird, bleibt abzuwarten. Aber diese Neuerung ist sicherlich Teil der aktuellen Verunsicherung an den Märkten. Mehr dazu morgen.

Große Sorgen

Ich weiß, viele Menschen sind sehr besorgt darüber, dass die aktuelle Krise das Potenzial hat, zu einer großen Weltwirtschaftskrise mit all den dramatischen Folgen zu werden. Doch ist es vielleicht gerade das, was das Gute an dieser Krise ist, um es einmal aus einer anderen Sicht zu sehen. Denn jeder Beteiligte, ob Staats- oder Notenbankchef, ob Gläubiger oder Schuldner, weiß, wie kritisch es wird, wenn diese Krise eskaliert – ein Bankencrash oder/und ein Domino-Effekt bei den Staatspleiten würde zu einer lang andauernden tiefen Weltwirtschaftskrise führen. Und es wird niemanden geben, keine Bank, keinen Staat, kein großes Unternehmen, der davon nicht negativ betroffen wäre. Und so ist der Druck auf alle Beteiligten groß genug, um letzten Endes doch Kompromisse einzugehen. Ob das natürlich ausreicht, ist eine andere Frage.

Trotzdem wird natürlich - wie gerade in Griechenland - viel gefeilscht, diskutiert und debattiert. Das verunsichert die Märkte. Doch auch das ist nur logisch: Die Beteiligten versuchen natürlich trotz der Notwendigkeit, Kompromisse einzugehen, so gut wie eben möglich aus dieser Krise herauszukommen.

Und das wiederum ist die Gefahr an der Sache. Es besteht die Möglichkeit, dass das Rumgefeilsche dazu führt, dass wichtige Entscheidungen vielleicht zu spät kommen. Hier verbirgt sich der wenig zu prognostizierende Anteil an diesem Drama „Schuldenkrise“.

Und trotzdem optimistisch?

Viele fragen mich in E-Mails, warum ich eigentlich trotz all dieser Horrornachrichten in der Tendenz optimistisch bleiben kann. Dazu folgendes:

Zunächst ein Bär

Ich erinnere mich noch gut, dass ich, geprägt durch die Erfahrungen des 2000er Crash im Jahr 2002/2003, ein skeptischer Bär war, der keinen Streifen am dunklen Horizont der weltwirtschaftlichen  Entwicklungen sah. Zudem unterlag ich wohl dem Einfluss namhafter Dauerbären, die damals in dem gleichen täglichen Börsennewsletter ihre Thesen veröffentlichten. Heute weiß ich, dass gerade bei amerikanischen Kollegen diese düsteren Thesen oft auch etwas mit Marketing zu tun haben. Angst verkauft sich einfach sehr gut, besonders gut in Krisenzeiten.

Der Weg ins Bullenlager

Doch letzten Endes hat die Auseinandersetzung mit bekannten Bullen, darunter Altmeister Andre Kostolany, aber auch moderne Größen wie Ken Fisher und anderen bewirkt, dass ich aus dem Bärenlager tendenziell ins Bullenlager gewechselt bin.

Ein erster Stein kam durch die Geschichte mit André Kostolany ins Rollen. Kostolany war nach dem Börsencrash 1929 ebenfalls längere Zeit ein bekennender Bär, der mit den Jahren aber zu einem Bullen mutierte und zwar, soweit ich noch weiß, durch die Erkenntnis, dass Börsen in der überwiegenden Zeit ihres Daseins steigen und nicht fallen.

Wieder einmal die Wahrscheinlichkeit

Schaut man sich die Börsenhistorie der vergangene 120 Jahre (!) an, so steigen die (US-)Märkte in der meisten Zeit tatsächlich an, und sie tun es auch nachhaltiger.


Ich habe hier die Aufwärtsbewegungen (grün) eingezeichnet, in der sich Bullen besser fühlen und die Seitwärtsbewegungen (rot), in denen sowohl Bullen als auch Bären richtig liegen. Sie sehen, dass sich meist die Bullen besser fühlen. Bären haben immer nur in den meist kurzen Crashphasen richtig Spaß an der Börse (den 1929er Crash müsste man natürlich korrekterweise aus der ersten Aufwärtsbewegung herausnehmen). Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie mit einer bullishen Einschätzung richtig liegen, ist also um ein Vielfaches höher.

Egoismus

Und so ist es eigentlich purer Egoismus, dass ich überwiegend optimistisch bin, denn ich fühle mich einfach gerne gut, und offensichtlich hat man es an den Börsen als Bulle einfacher, Gewinne zu erzielen – da sie die überwiegende Zeit steigen.

Der naive Optimist

Etwas schwieriger ist es der Gesellschaft gegenüber. Interessanterweise neigen gerade intelligente Menschen dazu, kritischen und negativen Prognosen mehr Gewicht zu geben als den optimistischen. Optimistisch denkende Menschen werden wesentlich schneller als „naiv“ eingestuft. Das sehe ich auch öfters in kritischen Mails – wenn ich mal wieder als komplett naiv oder geistig vollkommen retardiert betitelt werde.

Da es mir allerdings weniger bis gar nicht darum geht, was andere Leute von mir denken, und es mir wichtiger ist, mich als Trader gut zu fühlen und es dazu noch wichtiger ist, Geld zu verdienen, war die einzig logische Schlussfolgerung: bullish zu werden. Ich weiß, das mag für einige enttäuschend simpel klingen, aber an den Börsen ist es nun einmal sehr oft so, dass es nicht die großartig klingenden Thesen und Theorien sind, mit denen man gewinnt, sondern die einfachen.

Die Wirklichkeit holt einen ein

Später dann kamen die Erkenntnisse hinzu, die Sie immer wieder im Steffens Daily lesen. Zum Beispiel, dass jede große Rally ihren Anfang in der tiefsten Krisenzeit hatte oder das Wissen darum, dass man einsteigen muss, wenn die Panik am größten ist.

Aber natürlich gesellten sich auch Efahrungen hinzu, die ein Verkaufen nahelegen, wenn die Euphorie groß ist, oder wichtige charttechnische Marken nicht mehr überwunden werden. Und das setzen wir auch nachvollziehbar um. Im Premium-Trader haben wir vor den beiden Crashs (2008 / 2011) unsere Investitionsquote jeweils extrem verringert und entsprechend Gewinne mitgenommen. Die Crashs sind damit an uns ohne gößere Einbußen in der Performance an uns vorbei gegangen.

Wieder deutlich bullisher

Und im Grunde meines Herzens gehe ich weiter davon aus, dass die Börsen steigen werden und das sogar langfristig. Einige von Ihnen, die mich schon länger lesen, wissen, dass ich die große Seitwärtsbewegung der vergangenen Jahre immer wieder prognostiziert habe. Und jetzt gehe ich einfach davon aus, dass die Märkte nach dieser Seitwärtsbewegung in eine neue Aufwärtsbewegung übergehen. Und ich finde, dass ausgerechnet diese massive Krise prima ins Bild passt, da wirklich keiner mehr von einer großen Rally ausgeht. Ich weiß nicht, wann diese genau startet- jetzt oder erst in fünf Jahren, das Timing ist dabei etwas schwierig. Aber wenn Sie sich den Dow-Chart anschauen, ist der Markt bisher aus jeder Seitwärtsbewegung der vergangenen 120 Jahre nach oben ausgebrochen. Warum sollte es dieses Mal anders sein, wenn nicht mal ein Weltkrieg dieses Schema aufbrechen konnte…

Mit schmunzelnd bullishen Grüßen

Ihr

Jochen Steffens

PS. Trotzdem kann es kurzfristig in den kommenden Tagen und Wochen zu einer Konsolidierung kommen, siehe Steffens Daily von gestern. Dazu passt auch, dass sich sowohl der ZEW-Index, als auch heute der Ifo-Index mit 108,3 Punkten bereits wieder erstaunlich positiv zeigen.






Ausgabe vom 24. Januar 2012:
Darauf müssen Sie achten!


Darauf müssen Sie achten!



Darauf müssen Sie achten!
von Jochen Steffens

Angesichts der aktuellen Entwicklung muss ich noch einmal auf die Charttechnik zurückkommen. Wie Sie wissen, befinden wir uns an wichtigen Marken und jetzt müssen Sie besonders aufpassen. Es gibt kleine charttechnische Warnhinweise, die durchaus relevant werden können. Der DAX ist an der hier seit Wochen beschriebenen 6.430er Marke mit einem kleinen, wenn auch schwachen, Fehlsignal abgeprallt:


 
Sie sehen, am Montag kam es zu einem Intraday-Ausbruch über die beschriebene Widerstandslinie. Zum Schlusskurs sank der DAX auf 6.436 Punkten, also wieder fast (es fehlten 6 Punkte) auf diese Linie zurück. Da diese 6 Punkte nicht relevant sind und ein Intradaybruch nicht als nachhaltiger Bruch einer Linie gilt, ist diese Entwicklung bedenklich. Zudem leiten Fehlsignal häufig Konsolidierungen ein. Wenn es auch nur ein kleines Fehlsignal ist, so ist es doch ein erstes Achtungszeichen und deswegen müssen wir nun vorsichtig werden.

Nasdaq100: Scheitern an wichtigen Widerständen

Ein weiteres Gefahrensignal liefert der Nasdaq100:


Er hat ebenfalls intraday seinen hier beschriebenen Widerstand bei 2.438 Punkten gebrochen, um zum Schlusskurs wieder unter diese Marke zu fallen. Das ist ein ähnliches Bild wie im DAX. Es ist immer wieder erstaunlich, wie oft die internationalen Indizes zum gleichen Zeitpunkt an sehr wichtigen Widerständen stehen.

Eine alte und relevante Trendlinie

Im Nasdaq100 gibt es eine weitere Besonderheit. Man kann durch die Bewegungshochs seit 2007 eine aufwärtsgerichtete Trendlinie (hier blau) ziehen:


 
Diese Linie hat mittlerweile vier Auflagepunkte (die mehr oder weniger klar definiert sind). Sie ist damit als höchst relevant einzustufen. An dieser Linie, also dem Kreuzungspunkt dieser Linie mit dem oben beschriebenen Widerstand (nach der Target-Trend-Methode ist dies ein wichtiges Target) ist der Nasdaq100 mit einem Doji (kreuzähnliche Kerze, die oft an entscheidenden Marken auftritt -siehe Ausschnitt) abgeprallt und zwar nahezu punktgenau.

Auch das ist ein erhebliches Warnzeichen.

Nun sollte man nicht gleich alle Aktien verkaufen und auswandern – vielmehr sollten Sie in den kommenden Tagen die Märkte sehr genau beobachten: Verstärken sich diese ersten Schwächesignale, können Sie anfangen, erste Gewinne zu sichern.

Diese Positionen sollten Sie allerdings zurückkaufen, wenn diese Linien doch noch nachhaltig nach oben durchbrochen werden. So ist die Börse – es gibt keine Sicherheit, nur das Spiel mit den Wahrscheinlichkeiten und wir Trader versuchen lediglich, die Wahrscheinlichkeit auf unsere Seite zu bringen.

Die Fortsetzung der großen Seitwärtsbewegung

Scheitern die Indizes an den Widerständen und bildet sich ein Abwärtstrend heraus, muss man im DAX damit rechnen, dass die Kurse zunächst bis zur 6.200er Marke und eventuell sogar weiter fallen. Beim Bruch der 5.720er Marke und wenn der grünen Aufwärtstrend (siehe DAX-Chart ganz oben) verlassen wird, wären auch wieder Kurse bis 5.000 Punkte möglich. Hier kann man demnach an den genannten Marken schön Stück für Stück bei weiter fallenden Kursen die Investitionsquote verringern, um im unteren Bereich der Seitwärtsbewegung, sprich bei 5.000 Punkten, und entsprechenden Umkehrsignalen wieder einzusteigen.

Nur ein Warnschuss, mehr nicht

Aber, wie gesagt, noch ist es zu früh für die Bären-Party, die Kurse können auch einfach nur eine Weile mit diesen Widerständen kämpfen. Das wäre ein ganz normales Prozedere. Gerade der Nasdaq100 ist zurzeit etwas überkauft und neue Mehrjahreshochs wären, wie beschrieben, schon ein deutlich bullishes Signal und das wird nicht einfach so generiert. Dass ein Überschreiten dieser wichtigen Marken in der aktuellen Umgebung nicht einfach wird, war also zu erwarten. Bleiben Sie demnach noch gelassen, noch ist nichts wirklich Dramatisches passiert. Aber trotzdem sollte Sie ihre Aufmerksamkeit erhöhen und den weiteren Verlauf genau analysieren.

IWF warnt

Vielleicht passt diese Entwicklung ja zu der aktuellen Warnung des Internationalen Währungsfonds (IWF). Dieser warnt, dass sich das Weltfinanzsystem noch tief im Gefahrenbereich befindet. In dem Bericht zur Stabilität des Finanzsystems wird auf die Eurokrise und die angeschlagenen Banken hingewiesen. Besonders der zurzeit dysfunktionale Markt für Staatsanleihen und die Kreditmarktklemme bereiten dem IWF Sorgen.

Viele Grüße

Jochen Steffens






Ausgabe vom 23. Januar 2012:
Tipps für Ihre Anlagestrategie 2012


Tipps für Ihre Anlagestrategie 2012



Tipps für Ihre Anlagestrategie 2012
von Torsten Ewert

Sehr verehrte Leserinnen und Leser,

auf den ersten Blick erscheint es verwunderlich, dass der Verlust der Topbonität von Frankreich und Österreich (sowie die Abstufungen weiterer europäischer Staaten) für so wenig Verunsicherung an den Märkten sorgt. Die Kurse steigen einfach munter weiter. Nun könnte man sagen, nach der Ankündigung von Standard & Poor’s im Dezember, die Ratings zu überprüfen, waren diese Bonitätsverschlechterungen bereits eingepreist worden. Aber das ist nur die halbe Wahrheit.

Sind Ratingabstufungen jetzt uninteressant?

Denn auch die Abstufung der USA Anfang August erfolgte sozusagen mit Ankündigung. Damals begleitete S&P die monatelange Diskussion zwischen Regierung und Opposition um die Schuldengrenze der USA mit ganz klaren Bedingungen für eine Beibehaltung des AAA-Ratings. Dazu kam es nicht, folglich gab es eine Abstufung – und danach eben den Crash.

Die Euroländer sind scheinbar in einer viel schlechteren Situation: Griechenland steht vor der Pleite, Italien auf der Kippe und der Hebel für den Eurorettungsfonds dürfte ohne ein französisches Toprating nicht zu stemmen sein. Trotzdem bleiben die Märkte gelassen.

Die häufig genannte „Krisenmüdigkeit“ dürfte bei dieser Reaktion jedoch nur der dritte Grund sein. Zwei andere sind viel wichtiger.

Zwei wichtige Gründe für das Desinteresse der Anleger

Da ist zum einen die jüngste, in der Öffentlichkeit wenig beachtete Liquiditätsmaßnahme der EZB. Im Dezember bereits stellte die EZB den Banken 489 Mrd. Euro für drei Jahre zu Zentralbankkonditionen zur Verfügung. Damit haben die Banken vorerst ausreichend Liquidität für die kommenden Monate. Und die Banken arbeiten mit dem Geld auch bereits genau im Sinne der EZB bzw. der Politik:

Eine Auktion französischer Staatsanleihen in der vergangenen Woche, also nach der Abstufung, verlief mit der üblichen hohen Nachfrage, so dass Frankreich trotz schlechteren Ratings kaum einen Zinsaufschlag zahlen musste. Zuvor wurde eine deutsche Anleihe sogar mit negativen Zinsen vergeben (siehe Steffens Daily vom 09.01.2012), was bedeutet, dass Deutschland mit der Aufnahme von Schulden Geld verdient!

Zum anderen wenden sich die Anleger inzwischen wieder anderen Themen zu. So sind die starken Rezessionsängste mittlerweile deutlich abgeebbt, die uns noch vor ein paar Monaten gefangen hielten. In der laufenden Quartalssaison finden sich wieder mehr optimistische Töne, und so suchen auch die Investoren verstärkt neue Chancen.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben!

Diese sehen sie weniger in Europa, denn hier sind die oben genannten Probleme tatsächlich noch sehr bedeutsam, auch wenn sie durch die jüngste EZB-Aktion zunächst wohl erneut übertüncht werden. Die USA, aber auch die Schwellenländer erscheinen hingegen als Anlagethema inzwischen wieder relativ verlockend, und folglich stiegen dort die Kurse auch zuletzt am stärksten: Der NASDAQ 100 steht bereits vor einem möglichen Ausbruch über seine Hochs von 2011 (siehe Steffens Daily vom 19.01.2012).

Bemerkenswert ist, dass einige einflussreiche Vermögensverwalter diesen Optimismus nicht 100%ig teilen. So waren auf der jüngsten Kapitalanlegertagung in Zürich von Leuten wie Felix Zulauf oder Marc Faber durchaus auch kritische Töne zu hören.

Und dies nicht von ungefähr. Schließlich ist die Aktion der EZB keine Lösung, sondern sie erkauft den Banken und Staaten allenfalls nur ein wenig Zeit. Da mag ihr noch das eine oder andere Mal gelingen, aber keineswegs bis zur Sanierung der Staatsfinanzen der Eurokrisenländer.

Wichtige Schlussfolgerungen für Ihre Anlagestrategie 2012

Daraus ergeben sich einige wichtige Schlussfolgerungen für Ihre Anlagestrategie 2012. Welche das sein sollten, erfahren Sie zum einen im Stockstreet-Jahresausblick 2012, der Ihnen auch konkrete Szenarien für das bevorstehende Aktienjahr liefert. Den Stockstreet-Jahresausblick erhalten Sie hier.

Zum anderen haben Sie Gelegenheit beim 10. Kölner Tradertreffen am 26.01.2012, die Einschätzung von unserem Kollegen Daniel Haase dazu zu hören. Er wird in einem Vortrag unter dem Titel „Bärenmarkt oder Hausse?“ einen Ausblick auf die Trends 2012 geben und über die bereits erwähnte 27. Internationale Kapitalanlegertagung in Zürich berichten, an der er teilnahm. Weitere Informationen zum Tradertreffen finden Sie hier.

Mit besten Grüßen

Ihr Torsten Ewert






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