Wirecard-Aktie wieder über 100: Was jetzt in den Kursen steckt
Ausgabe vom 17.06.2020 von Manfred Ries
Die Ausgangslage. Der Aktienkurs der Wirecard AG geht gestärkt aus dem Mittwochshandel. Damit setzt sich die freundliche Tendenz der vergangenen Tage fort. Schlusskurs am Mittwoch, 17. Juni 2020: 103,62 Euro (+4,2%).
Die Charttechnik. Mit dem Kurssprung vom Mittwoch kostet eine Wirecard-Aktie wieder mehr als 100 Euro. Die Bodenbildung geht damit in die nächste Runde. Seit Mitte Mai bereits ziehen die Notierungen wieder an; innerhalb eines Monats hat der Aktienkurs mehr als 30 Prozent an Wert gewonnen. Der Verlauf des MACD-Indikators ist derzeit noch neutral einzuschätzen, wobei dieser zuletzt aber unzuverlässige Signale ausgesendet hat – als Trendfolgeindikator stößt der MACD in Seitwärtsphasen schnell an seine Grenze.
Die Hintergründe. Wirecard, ein international tätiger Zahlungsabwickler und im DAX notiert, will seine mehrfach verschobenen Jahreszahlen am Donnerstag (18.6.20) kommunizieren. Das Unternehmen bekräftigt, dass es gegenüber den vorab veröffentlichten Zahlen »keine wesentlichen Abweichungen« gebe.
Die Prognose. Der kräftige Sprung am Mittwoch über die 100-Euromarke ist als Kaufsignal zu bewerten. Wer dem Frieden nicht traut, wartet die Wochenschlusskurse ab. Halten sich die Notierungen oberhalb der 100er-Linie, so gerät als nachfolgendes Kursziel der Bereich um 119,96 Euro ins Visier der Chartisten; dort lag im April ein markantes Wochenhoch. In diesem Bereich verläuft auch die 200-Tagelinie, die bei aktuell 117,83 Euro liegtt – Tendenz: fallend. Damit erhöht sich im Bereich dieses gleitenden Durchschnitts die Gefahr etwaiger Gewinnmitnahmen. Auf der unteren Seite lässt sich der Bereich um 88,78 Euro als Support definieren.
*) Glossar:
200-Tagelinie: Eine gleitende Durchschnittslinie, welche die Durchschnittskurse der vergangenen 200 Handelstage widerspiegelt. Der Kursverlauf wird dadurch in geglätteter Form wiedergegeben. Die 200-Tagelinie gilt als einfacher – aber vielbeachteter – Indikator innerhalb der Technischen Analyse.
Gleitender Durchschnitt: Eine gleitende Durchschnittslinie, welche die Durchschnittskurse der vergangenen „x“ Handelstage wiederspiegelt; etwa 200 Tage. Der Kursverlauf wird dadurch in geglätteter Form widergegeben. Die 200-Tagelinie gilt als einfacher – aber vielbeachteter – Indikator innerhalb der Technischen Analyse.
Lineare Chartdarstellung: Auch als absolute Chartdarstellung bezeichnet. Ein Chart kann linear/absolut oder logarithmisch dargestellt werden. Während bei der absoluten Aktienchart-Darstellung die Kursskala (auf der y-Achse) gleiche Abstände zwischen den Kursbeträgen aufweist, zeigt die logarithmische Darstellung gleiche Abstände zwischen den Kursbeträgen als prozentuale Veränderungen an. Technische Analysten arbeiten zumeist mit logarithmischen Charts. Geht es um das Aufspüren von Unterstützungs- und Widerstandslinien, bedient sich der Autor dieses Beitrags gerne der analogen Darstellungsform.
MA(200): Abk. für: Moving Average(200) – gemeint ist damit der Gleitende Durchschnitt von 200 Tagen (200-Tagelinie).
MACD: Der MACD („Moving Average Convergence/Divergence”) gehört zu den trendfolgenden Indikatoren. Seine Berechnung erfolgt anhand der Differenz zweier exponentiell Gleitender Durchschnitte; üblich sind zwölf und 26 Handelsperioden. Aus diesem Kurvenverlauf wird wiederum eine „langsamere“ 9-Tagelinie gebildet. Man spricht dann von der Standardeinstellung (12/26/9). Grundsätzlich gilt: Ein Kaufsignal ergibt sich, wenn die schnellere Linie die langsamere von unten nach oben schneidet, bzw. umgekehrt im Falle eines Verkaufssignals.
Moving Average: Englischsprachige Bezeichnung für Gleitender Durchschnitt.
Support: Englischsprachige Bezeichnung für „Unterstützung“.
Target: Englischsprachige Bezeichnung für „Kursziel“.
Wochenchart: Die Betrachtungsweise basiert auf wöchentlichen Kursdaten. Bei einem Linienchart liefert der jeweilige Wochenschlusskurs seinen Beitrag zum Kurvenverlauf. Im Falle von Kerzencharts bildet jede Kerze („Candle“) das Kursverhalten der betrachteten Handelswoche ab: Montagseröffnungs- und Freitagsschlusskurs; Wochenhoch und -tief.
Autor: Manfred Ries ist Chefredakteur des wöchentlichen Börsenbriefs Optionsscheine Expert Trader, eine Publikation aus dem Hause Stockstreet.
Weitere Infos unter: www.stockstreet.de/optionsscheine-expert-trader-aktuell