Ist der DAX schon wieder über den Berg?
Ausgabe vom 17.01.2019 von Torsten Ewert
von Torsten Ewert
Seit dem Jahresende meldeten sich die Bullen mit kräftigen Paukenschlägen zurück – zumindest in den USA. Da stellt sich die Frage, ob auch der DAX schon wieder über den Berg ist.
Wie schwach der DAX tatsächlich ist
Denn während die US-Indizes bereits fast 50 % des Einbruchs seit ihren 2018er Jahreshochs (!) vom September/Oktober aufgeholt haben, hat der DAX noch nicht einmal ein Drittel (33,3 %) des Rückfalls seit Oktober wettgemacht. Und eine Erholung von 38,2 % gilt als Mindestziel einer Gegenbewegung.
Zudem startete der jüngste Kursrutsch im DAX nicht an dessen Jahreshoch, sondern nur an einem untergeordneten Zwischenhoch. Das Jahreshoch 2018 markierte der DAX schon im Januar und es lag knapp 9 % höher als das Oktober-Zwischenhoch.
Dieser Vergleich zeigt nochmals, wie schwach der DAX tatsächlich ist. Und auch die aktuelle Chartsituation bestätigt das:
Auch alle kurzfristigen Widerstände sind noch intakt
Seit dem Frühjahr läuft der DAX in einem übergeordneten Abwärtstrend (rot). Dieser beschleunigte sich im Sommer etwas (blauer Trend), im Herbst wurde die Abwärtsbewegung noch dynamischer (schwarze Linien). Im Dezember wurden der rote und blaue Trend sogar nach unten verlassen!
Dieser Ausbruch mutierte zwar zum Fehlausbruch, der inzwischen durch einen „obligatorischen“ Rücksetzer bestätigt wurde (siehe grüner Pfeil), aber bisher führte dieser Fehlausbruch nicht zu der üblichen Aufwärtsdynamik. Im Gegenteil: Der DAX pausiert seitdem wieder, so dass sowohl der steile schwarze Abwärtstrend als auch die rote Widerstandszone bei 11.000 Punkten noch intakt sind (siehe roter Pfeil).
Der Verfallstag als Bullen-Bremse?
Charttechnisch ist daher eine Fortsetzung des schwarzen Abwärtstrends zu erwarten. Einziger Hoffnungsschimmer der Bullen (neben der Stärke der US-Indizes): der morgige Verfallstag. Dieser dürfte aufgrund der Terminmarktpositionierung den DAX zusätzlich an der 11.000-Punkte-Marke gehalten haben. Nachdem diese „Bremspositionen“ morgen verfallen, könnte ab Montag der Sprung über 11.000 Punkte und aus dem schwarzen Kanal gelingen – sofern nicht kurzfristig die US-Indizes einen Strich durch diese Rechnung machen.
Diese zeigten sich zuletzt zwar sehr stark, sind dadurch nun aber klar überkauft. Mindestens eine zeitweilige Konsolidierung, eventuell auch ein kräftigerer Rücksetzer sind dort nun möglich. Das dürfte dann auch den DAX weiter zurückhalten. Fazit: Die Bullen im DAX haben noch einen weiten Weg und ein ordentliches Stück Arbeit vor sich.
Über den Autor: Torsten Ewert ist Chefredakteur der Börsenbriefe Geldanlage-Brief und Aktien-Perlen. Mehr über Torsten Ewert erfahren Sie hier.