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von Torsten Ewert

Nach den jüngsten Auftragsstornierungen wichtiger Großkunden wird Airbus die Produktion des potenziellen Verlustbringers, des Großraumflugzeugs A380, ab 2021 einstellen. Die Aktie wurde danach auf ein neues Allzeithoch getrieben – zu Recht?

Neues Allzeithoch – und nun?

Sie sehen schon im Chart, dass dieser Ausbruch noch längst nicht nachhaltig ist: Der Kurs kämpft schon seit dem Tag der Meldung mit der 111€-Marke (rote Linie).

Airbus-Tageschart seit Januar 2018 

Bemerkenswert ist, dass die Aktie des Konkurrenten Boeing schon Anfang Februar nach oben ausbrechen konnte und seitdem weiter zulegte. Airbus hinkt also auch an der Börse dem ewigen Rivalen hinterher.

Dafür gibt es durchaus Gründe: So vermeidet Airbus zwar potenzielle Verluste einer unprofitablen Großproduktion, aber der Ausstieg ist nicht umsonst zu haben. Die freigesetzten Kapazitäten (Mitarbeiter, Produktionsstätten usw.) müssen anderweitig eingesetzt oder „abgebaut“ werden. Das kostet erfahrungsgemäß viel Geld. Das Aus des A380 ist zudem ein Imageverlust, der nicht nur die Kunden, sondern auch die eigene Mannschaft am Unternehmen zweifeln lassen dürfte. Am Ende könnte Airbus also nicht nur das Geschäft mit dem A380 verlorengehen, sondern auch andere, sonst sicher gebuchte Aufträge.

Der neue Chef muss den Konzern erst einmal neu ausrichten

Zudem wird der bisher Vorstandschef Tom Enders im April Airbus verlassen. Sein Nachfolger, Guillaume Faury, muss dem Konzern also vor allem ein neues Selbstverständnis geben. Und er braucht neue Erfolge, die seine Mannschaft und die Kunden begeistern und motivieren. Auf Prestigeprojekte à la A380 kann er dabei nicht mehr bauen. Aber als gelernter Ingenieur könnte er z.B. eine Exzellenz- und Effizienzinitiative starten.

Airbus könnte sich damit in der Perspektive zum Vorreiter bei Wirtschaftlichkeit, Zuverlässigkeit und Umweltverträglichkeit seiner Produkte aufschwingen. Allerdings ist das kein Sprint, sondern eher ein Marathon – auch an der Börse. Und dort lassen sich solche wenig spektakulären Schritte nur schwer verkaufen.

Auch die Konkurrenz schläft nicht

Zumal Konkurrent Boeing auf diesem Gebiet auch nicht untätig ist. Die in diesem Jahr erwartete neue, moderne Version des Großraumflugzeugs 777X ist mit den dann effizientesten Triebwerken ausgerüstet, die Maschinen dieser Größenordnung antreiben.

Boeing hat zudem mit seiner Militärsparte einen zusätzlichen Trumpf: Das US-Militär (und andere Streitkräfte weltweit – auch in Europa!) setzen weiterhin auf die Technik „Made in USA“. Airbus tut sich dagegen schon im Heimatmarkt Europa schwer, in diesem Bereich erfolgreiche Projekte umzusetzen. Erinnert sei z.B. an den Hick-Hack um den A400M. Allerdings ist an solchen Pannen auch die Politik  nicht ganz unschuldig, wie überhaupt der politische Einfluss bei Airbus ein ständiger potenzieller Unruheherd ist.

Warum der Bedarf an neuen Flugzeugen sinkt

Darüber hinaus brechen den Flugzeugbauern inzwischen nach und nach die Kunden weg, z.B. durch Pleiten von Fluggesellschaften. Zuletzt traf es vor allem Billigflieger, aber mit Air Berlin war auch eine durchaus renommierte Airline darunter.

Darüber hinaus gibt es seit Jahren Konsolidierungsbestrebungen in der Luftfahrtbranche, wobei der Zusammenschluss von British Airways und Iberia 2011 zur International Airlines Group (IAG) sicherlich der spektakulärste auf europäischem Boden war. (Mittlerweile gingen in den Verbund auch Aer Lingus und British Midland ein.) Weitere Fusionen und Übernahmen sind in den kommenden Jahren zu erwarten, da es in der Branche hohe Überkapazitäten und einen ruinösen Preiswettbewerb gibt.

Größeren Bedarf an neuen Flugzeugen haben viele Airlines daher vorerst nicht. Eher sind Stilllegungen alter Maschinen ohne Ersatzbeschaffung zu erwarten. Von den euphorischen Stückzahlen neuer Flugzeuge, die Branchen-„Experten“ noch vor wenigen Jahren propagierten, haben sich die Luftfahrtmanager längst verabschiedet.

Eine schwächelnde Konjunktur könnte ein Übriges tun

Wenn zudem die Konjunktur in den nächsten Monaten/Jahren weiter schwächelt oder gar einbricht, wird erfahrungsgemäß auch der Flugverkehr leiden. Die Aussichten für die Flugzeugbauer erscheinen also nicht besonders rosig, auch wenn ihre Auftragsbücher derzeit noch prall gefüllt sind.

Und da die Börse bekanntlich die Zukunft handelt, dürfte das Kurspotenzial für Airbus und Boeing begrenzt sein. Sofern der Airbus-Aktie überhaupt noch ein "richtiger" Ausbruch gelingt…

Über den Autor: Torsten Ewert ist Chefredakteur der Börsenbriefe Geldanlage-Brief und Aktien-Perlen. Mehr über Torsten Ewert erfahren Sie hier.

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