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Was ist eine „Pitchfork“?

Was ist eine „Pitchfork“?
von Torsten Ewert

Verehrte Leserinnen und Leser,

auch an der Börse ist eine gewisse Genauigkeit im Umgang mit Begriffen und Werkzeugen unerlässlich. Das fängt bei so einfachen Dingen an wie „KAUFEN“ oder „VERKAUFEN“ (lachen Sie nicht, aber es gibt kaum einen Trader, der nicht schon mal im Eifer des Gefechts den falschen Knopf gedrückt hat...).

Genauigkeit ist auch an der Börse gefragt

Ob fallender Dollar / steigender Euro oder Unterstützung / Widerstand – derartige Begrifflichkeiten geraten in Analysen zwar gerne durcheinander, aber anhand der meist vorhandenen Charts versteht in der Regel doch jeder, was gemeint ist.

Schwieriger ist es mit komplexeren Themen, wie zum Beispiel dem korrekten Ablauf einer echten SKS (Schulter-Kopf-Schulter-Formation) oder gar den exakten Zusammenhängen bei Calls und Puts bzw. was demjenigen blühen kann, der diese kauft oder verkauft. Hier benötigen auch erfahrene Börsianer meist eine kleine Bedenkzeit, um alle Punkte auf die Reihe zu kriegen. (Die SKS hat übrigen Jochen Steffens für Sie bereits genauestens analysiert, die Details finden Sie hier!)

Anderes wird häufig einfach übernommen, weil es zum Standardvokabular der Börse zu gehören scheint. Dabei haben es auch mitunter völlig vertraute Begriffe in sich. Anlässlich der Veröffentlichung unseres Buches (Die hohe Kunst des (Day-)Tradens) vor gut einem Jahr sahen wir uns zum Beispiel überraschend mit der Tatsache konfrontiert, das altbekannte Wörtchen „Rally“ nur als „Rallye“ schreiben zu dürfen. (Wie es dazu kam und warum wir dennoch immer noch an der „Rally“ festhalten, lesen Sie hier!)

Ein überraschender Fall von Nachlässigkeit

Neulich stieß ich auf einen ähnlich überraschenden Fall. Interessanterweise war auch hier unser obiges Buch der Auslöser. Bei den Recherchen zu möglichen Vorläufern unserer Target-Trend-Methode stießen wir auf Andrews‘ Pitchfork, eine wenige bekannte, aber dennoch verblüffend erscheinende Charttechnik (siehe folgender Chart).

 

Zu einem geeignet erscheinenden Zeitpunkt, wenn sich eine Trendwende o.Ä. andeutet, kann eine „Pitchfork“ wie folgt konstruiert werden (hier wird angenommen, die Konstruktion geschah etwa im Oktober, siehe Pfeil): Die drei Extrempunkte der Bewegung P1, P2, P3 werden bestimmt. P1 ist das Tief der vorherigen großen Bewegung, P2, das erste markante Zwischenhoch und P3 das jüngste Zwischentief. Durch P1 und den Mittelpunkt M zwischen P2 und P3 wird eine Gerade gezogen. Parallelen zu dieser werden in P2 und P3 gelegt. Das Gebilde (rote Linien) erinnert an eine Art Gabel...

Bei der Übersetzung des Begriffs „Pitchfork“ nahmen wir ohne weitere Hintergedanken den erstbesten Treffer, den das Wörterbuch hergab: „Mistgabel“. Unser Leser J.B., der nach eigenem Bekunden „nur ganz wenig solch interessante Literatur“ wie unser Buch gelesen hat, ist aber offensichtlich in der Landwirtschaft zuhause. Jedenfalls merkte er an, dass „Mistgabeln – in der Regel – vier Zinken und Heugabeln drei Zinken haben“, womit die Namenswahl eindeutig falsch ausfiele.

Wer hat Schuld an diesem „Mist“?

Netterweise kreidete er diesen Schnitzer Mr. Andrews als Erfinder der Methode an. Allerdings waren wir wie gesagt für die Übersetzung verantwortlich. Da aber weder Jochen Steffens noch ich eine tiefere praktische Beziehung zur Landwirtschaft haben, war uns diese feine Differenzierung nicht bewusst. Obwohl ich gestehen muss, dass mir aufgrund der Mail unseres Lesers eine Erinnerung dämmerte, nach der mich in grauen Vorzeiten schon einmal jemand über diesen – offenbar ehrenrührigen- Unterschied aufgeklärt hatte...

Zudem ist es natürlich so, dass die Begriffe „Heu“ bzw. „Mist“ in diesem Zusammenhang durchaus eine gewisse tiefere Bedeutung haben können. Dies war uns beim Schreiben so gar nicht aufgefallen; der Begriff (der, so er denn überhaupt in der deutschen Übersetzung verwendet wird, meist als „Mistgabel“ vorkommt) war unsererseits völlig wertfrei.

Allerdings nahm ich die Zuschrift zum Anlass, dieses Thema – das uns, zugegebenermaßen, bei der Anfertigung des Manuskripts kaum beschäftigte – etwas eingehender zu recherchieren:

Wozu die Börsen einen verleiten kann...

Als Heugabeln verwendete Gerätschaften lassen sich bis in Zeiten zurückverfolgen, in denen ausschließlich Holz verwendet wurde (also ohne Metallzinken). In der Tat dominierte dabei die dreizinkige Gabel. Das ist allerdings nicht verwunderlich, schließlich finden sich Äste mit geeigneter Grundform (ein durchgehender Stiel mit zwei seitlich in einer Ebene liegenden und von etwa einem Punkt ausgehenden Nebenästen) in der Natur häufiger als Vierergabeln usw.

Allerdings sind mir aus südlichen Ländern auch Gabeln bekannt, die wiederum deutlich mehr Zinken haben. Als Nichtfachmann kann ich jedoch nicht eindeutig sagen, ob diese eventuell vorwiegend für andere Arbeiten verwendet werden (z.B. für das Wenden von gemähtem, losem Heu, wo es sicherlich um eine größere „Flächenleistung“ geht, also möglichst viele Zinken vorteilhaft sind).

Natürlich lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen, was genau Mr. Andrews unter seiner „pitchfork“ verstanden wissen wollte. Als ziemlich sicher dürfte jedoch gelten, dass auch er mit der Landwirtschaft wenig am Hut hatte: Er war Sohn eines Investmentberaters, studierte in Harward sowie beim MIT, erwarb sogar den Doktortitel und arbeitete später gemeinsam mit seinem Vater.

Manchmal sind sprachliche Feinheiten entscheidend

Ebenfalls gesichert ist, dass der Begriff „Geld wie Heu“ im Englischen nicht mit dem entsprechenden englischen Wort für „Heu“ in diesem Zusammenhang existiert. Also entfällt auch dieses Wortspiel als Grundlage der Namensgebung.

Bleibt die Übersetzung des Begriffs „pitchfork“. Hier ist die genaue Bedeutung je nach Quelle strittig. Obwohl auf jeden Fall sowohl Mist- als auch Heugabel als Übersetzung möglich sind (vermutlich je nach Sinnzusammenhang), gibt es jedoch keine eindeutige Präferenz. Zudem existieren auch noch spezielle Begriffe wie „hayfork“ für Heugabel und „dungfork“ u.a. für Mistgabel. Praktisch alle Übersetzungen vom Deutschen ins Englische landen jedoch sowohl für Heu- als auch bei Mistgabel bei „pitchfork“.

Nehmen wir also den Begriff „pitch“ selbst, der – wie im Englischen leider typisch – mehrere Bedeutungen hat. Allerdings ist eine von ihnen „werfen“ (im Baseball ist z.B. der Werfer, der dem Schläger den Ball zuwirft, der „Pitcher“). “Werfen“ spräche natürlich eindeutig für die Verwendung als Heugabel (Mist wird ja eher geschaufelt), was also die Interpretation unseres Lesers erhärtet.

Cambridge hat das letzte Wort!

Sicherheitshalber habe ich nochmal das Cambridge Dictionary (eine Art englischer Duden) bemüht und hier findet sich für den Begriff „pitchfork“ folgende Erklärung: „Ein Werkzeug mit einem langen Stiel sowie zwei oder drei großen gebogenen metallenen Spitzen, das zum Bewegen von Heu (= trockenes Gras) und Stroh benutzt wird“.

Damit ist die Sache entschieden, denn ich werde den Teufel tun und mich mit Cambridge bzw. dem Duden anlegen...

Also ist die fehlerhafte Verwendung des Wortes „Mistgabel“ im Buch uns anzulasten, denn ganz eindeutig basiert die Verwendung dieses Begriffs auf einer nachlässigen bzw. fehlerhaften Übersetzung/Recherche. (Wir halten dem guten Dr. Andrews hierbei einfach mal zugute, dass er ebenfalls die Heugabel meinte.)

Ein kleiner Schritt für den Trader mit großer Wirkung für das Depot

Da natürlich das Wort „Heu“ im Deutschen auch besser zu der Intention „Geld machen“ passt, die ja letztlich hinter dem Verfahren steckt, werden wir – der Anregung unseres Lesers folgend – den Begriff in folgenden Ausgaben dementsprechend ändern.

Dieses kleine Beispiel illustriert wieder einmal sehr anschaulich, welch tiefgehende Analysen auch zu den scheinbar einfachsten Themen möglich sind. In diesem Fall wären sie sogar notwendig gewesen, wie man sieht!

Interessant ist natürlich ebenso, auf welche Gebiete die Beschäftigung mit der Börse den geneigten Anleger immer wieder führt. Und schließlich zeigt die Geschichte natürlich, wie klein der Schritt vom „Geld wie Heu“ zum „Mist“ an der Börse ist...


Mit besten Grüßen

Torsten Ewert

 

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