Politik im Gleichschritt mit den Märkten
| < Nächster Beitrag | Übersicht | Vorheriger Beitrag > |
|---|
Politik im Gleichschritt mit den Märkten
Politik im Gleichschritt mit den Märkten
von Torsten Ewert
obwohl heute in Köln und vielen anderen Teilen Deutschlands Feiertag ist und daher eigentlich kein Steffens Daily geplant war, wollen wir Sie mit der aktuellen Marktentwicklung nicht allein lassen. Schließlich wird auch an den Börsen gearbeitet, und da ging es heute hoch her.
Eine faustdicke Überraschung aus Griechenland
Die Ankündigung des griechischen Ministerpräsidenten Papandreou, eine Volksabstimmung zu den Sparauflagen der EU für Griechenland durchzuführen, schlug ein wie ein Bombe. Der DAX eröffnete heute Morgen deutlich unter 6.000 Punkten und verlor im weiteren Verlauf insgesamt über 6 %, ebenso der Euro STOXX 50. Erst im Verlaufe des Nachmittags erholten sich die Kurse etwas.
Charttechnisch ist nun natürlich einiges Porzellan zerschlagen worden, indem die 6.000er Marke quasi mit Anlauf übersprungen wurde. Positiv ist jedoch zu werten, dass der Kurs sogleich an der nächsten Unterstützung bei 5.750 Punkten Halt fand.
Bemerkenswert ist jedoch, dass an den entscheidenden Chartmarken, die ich Ihnen gestern hier für DAX und NASDAQ 100 zeigte, nun ein wichtiges externes Ereignis auftrat, dass den Kurs nun nachhaltig nach unten drückte. Hier der aktualisierte Chart von gestern:
Quelle: MarketMaker
Die merkwürdige Übereinstimmung von Charttechnik und Weltgeschehen
Es scheint, dass auf wundersame Weise Politik und Märkte gelegentlich im Gleichschritt marschieren, selbst in der Krise...
Wenn Sie länger und intensiver mit Charts und an der Börse arbeiten, werden Sie solche Phänomene immer wieder feststellen. Auch Jochen Steffens wies hier bereits öfter auf derartige Zufälle (!) hin – oder glauben Sie, dass der griechische Ministerpräsident vor seiner Entscheidung die Charts zu Rate zog?
Jedenfalls zeigt diese Aktion auf sehr drastische Art, dass die Krise keineswegs überwunden ist. Im Gegenteil, wir müssen jederzeit mit neuen Überraschungen rechnen und offenbar vor allem damit, dass hier in Europa die unterschiedlichen Interessenlagen immer wieder einmal gefasste Beschlüsse über den Haufen werfen – oder das zumindest versuchen!
Die Krise geht jedenfalls munter weiter
Sie sehen, das bringt stets auch erhebliche Rückschläge für die Märkte mit sich und kann im schlimmsten Fall auch zu einer weiteren Eskalation der Krise führen. Jetzt ist also eine gute Gelegenheit, Ihr Depot weiter krisenfest zu machen! Nutzen Sie dazu unsere Sonderausgabe „Special Finanzkrise 2011“, die Sie in unserem eBook-Shop erhalten.
Die Aktion der griechischen Regierung ließ dann auch die Euro-Politiker zunächst irritiert, ratlos oder geschockt zurück. Sie wollen sich daher morgen erneut zu einem Krisengipfel zusammenfinden. Es ist allerdings tatsächlich schwer, von außen einzuschätzen, was Papandreou mit diesem Schachzug bezweckt. Die Mutmaßungen reichen von „amtsmüde, sucht einen Grund zurückzutreten“ über „will sich aus der Verantwortung stehlen, indem er sich hinter dem Volkswillen versteckt“ bis zu „cleverer Schachzug, der sowohl das eigene Volk als auch die Europäer unter Druck setzt“.
Noch ist völlig offen, wie es weitergeht
Noch ist völlig offen, ob es überhaupt so weit kommt, denn Presseberichten zufolge ist das Referendum erst für Frühjahr nächsten Jahres geplant, unter anderem wohl auch deshalb, weil einige verfahrens- und verfassungsrechtliche Fragen zu klären sind. Allerdings dürften bis dahin Tatsachen geschaffen worden sein, die eine Abstimmung sinnlos machen könnten.
Vermutlich werden wir in den nächsten Tagen nähere Hintergründe erfahren. Bis dahin genießen Sie Ihren Feiertag bzw. Feierabend.
Mit besten Grüßen
Ihr Torsten Ewert
