Der Euro ist natürlich durch die ganze Griechenlandkrise ziemlich unter Druck geraten. Manchmal habe ich das Gefühl, dass gerade die deutsche Politik so zögerlich reagiert, weil es eigentlich im Interesse Deutschlands und sogar der EU ist, wenn der Euro schwächer notiert. Ein zu starker Euro wirkt sich negativ auf die Wettbewerbsfähigkeit der Euro-Länder aus. Gerade bei den Nationen, die sowieso schon wirtschaftliche Probleme haben, also zum Beispiel unsere bekannten PIIGS, wirkt ein starker Euro zusätzlich belastend.
Ein normaler Prozess
Und eigentlich ist es ein normaler Prozess: Kommt ein Land in Schwierigkeiten, wird die Notenbank des Landes die Zinsen senken. Das wiederum wirkt sich schwächend auf die Währung des Landes aus. Die niedrigen Zinsen, die Investitionen begünstigen, und die schwächere Währung unterstützen wiederum das wirtschaftliche Wachstum. So kann eine Wirtschaft aus der Krise finden.
In der EU war es etwas anders: Zwar hat auch hier die EZB die Zinsen gesenkt, doch der Euro brach nicht ein. Einer der Gründe dafür war, dass der Euro als sichere Währung, gerade auch im Vergleich zum Dollar galt. Für die schwächeren Länder der EU war der starke Euro allerdings eine nicht zu unterschätzende zusätzliche Belastung.
Weltweiter Abwertungswettkampf
Vielleicht erinnern Sie sich, ich hatte hier im Steffens Daily schon einmal über den Abwertungswettkampf der Währungen gesprochen. An diesem Wettkampf scheint sich nun die EU zu beteiligen. Und mit der Krise in Griechenland hat sie auch endlich ein Medium gefunden, dass zu einer Euro-Abwertung führen kann.
Keine Absicht
Allerdings glaube ich nicht, dass Griechenland eine „geplante“ Aktion gewesen ist. Dafür sind die Risiken doch zu groß. Zudem würden sich die betroffenen Länder wie Spanien und Portugal bedanken, denn die höheren Kosten für die Finanzierung der Schulden werden jeden Vorteil des niedrigen Euro zunichtemachen.
Das seltsame Gefühl im Bauch
Interessant finde ich, dass die meisten Menschen, mit denen ich rede, ein mulmiges Gefühl im Bauch haben, was die Zukunft anbetrifft. Kann das alles gut gehen? Die Schulden in den USA, die Probleme hier in Europa? Noch interessanter finde ich, dass ich mich noch gut erinnern kann, dass es 2004 bis Ende 2005 genauso war. Auch da hatten viele ein mulmiges Gefühl im Bauch.
Das führt mich zu der These, dass derartig mulmige Gefühle vielleicht ganz typisch für eine Erholung nach einem Crash sind? Schade ist, dass wir Menschen dazu neigen, solche Gefühle schnell zu vergessen. Wie war es 1987, wie war es in den 70ern, wie war es nach 1929. Aus den Büchern, die ich gelesen habe, meine ich zu erkennen, dass zum Beispiel nach dem Crash 1987 lange Zeit viele Börsianer noch vom baldigen Ende der Industriestaaten ausgegangen sind. Das ist nun über 22 Jahre her.
Gesundes Misstrauen sich selbst gegenüber
Ich finde, man sollte diesen vordergründigen Gefühlen als Börsianer nicht trauen – denn es sind quasi Massenhypnosen. 2007/2008 schien die Welt in Ordnung, selbst die Permabären ließen sich im Bullenlager blicken, und doch war es die Zeit vor dem Crash. 2004 sahen die Anleger überall Probleme und Gefahren und doch startete eine der größten Rallys. Im Jahr 2000, unmittelbar vor dem großen Crash erschien ein Buch, in dem zu lesen war, dass die Notenbanken und die Regierungen mittlerweile so viel gelernt hätten, dass es in Zukunft keine Rezessionen mehr geben werde. Falscher konnte man nicht liegen…
Nein, wir können diesen Gefühlen nicht trauen. Was jedoch auch nicht heißt, dass ein gutes Ende dieser Krise sicher ist. Es bedeutet tatsächlich nur, dass man solchen Gefühlen nicht trauen kann – mehr nicht.
Zwei Euro Charts
Zum Schluss, wenn wir schon beim Euro sind, ein Blick auf zwei Währungscharts:

Hier sehen Sie den langfristigen Aufwärtstrend des Euros gegenüber dem Dollar. Der Euro ist oben am blauen Trend abgeprallt, um anschließend regelgerecht zur Mittellinie zu laufen. Sollte diese bei dem aktuell zweiten Test nach unten brechen, muss damit gerechnet werden, dass der Euro sogar bis zur unteren blauen Aufwärtstrendlinie fällt. Gleichzeitig würde der Euro dann auch seinen sehr steilen Aufwärtstrend (rot) brechen, der aber zurzeit noch intakt ist!
Man darf sich fragen, wohin sich der Euro ohne die Griechenlandkrise bewegt hätte. Der rote Trend lässt zumindest erahnen, was geschehen wäre.
So ist der Euro nach einer Übertreibung nach unten in den Jahren 2000-2004 und einer Übertreibung nach oben in den Jahren 2007/2008 wieder in das breite Mittelfeld (grün) zwischen 1,05 und 1,35 Dollar eingetaucht. Eigentlich ist das alles ein typischer Verlauf bei einer großen Seitwärtsbewegung.
EUR/AUD
Ein ähnliches Bild, nur andersherum, sehen wir, wenn wir den Euro mit einer Rohstoffwährung vergleichen, dem Australischen Dollar:

Nach dem Ausbruch aus der breiten Seitwärtsbewegung (blaues Rechteck) nach oben, folgte der ausgleichende Ausbruch nach unten. Auch hier könnten sich die Kurse anschließend wieder in der Seitwärtsbewegung stabilisieren und wir hätten wieder die typischen Bewegungen einer großen Seitwärtsbewegung.
Aus charttechnischer Sicht ist also eigentlich nichts wirklich Überraschendes geschehen, im Euro. Allerdings wurde mittelfristig ein höchst gefährlicher Trend verhindert. Mit Wissen und Wollen, also vorsätzlich? Wir werden es wahrscheinlich nie erfahren.
Viele Grüße
US-Konjunkturdaten
von Jochen Steffens
Das US-amerikanische Bruttoinlandsprodukt ist nach erster offizieller Schätzung im ersten Quartal um 3,2 % gestiegen . Erwartet wurde ein Anstieg im Bereich 1,8 bis 3,2 %. Im Quartal zuvor hatte das Wachstum bei 5,6 % gelegen.
Natürlich nicht mehr so ein Anstieg, wie im 4. Quartal, aber immer noch beachtlich. Der niedrige PCE-Deflator weist zudem noch nicht auf eine Inflationsgefahr hin.
Diese Werte passen zu der Nachricht, dass immer mehr namhafte Analysten und Institutionelle in den USA eine nachhaltigere wirtschaftliche Belebung ausmachen wollen.