Fed-Statement beruhigt die Maerkte -zunaechst

 
 
Fed-Statement beruhigt die Märkte - zunächst
von Jochen Steffens

In dem Statement der Fed hat sich kaum etwas geändert. Ein Hinweis, dass sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt „verbessert“, hat den Begriff „stabilisiert“ abgelöst. Auch die Ausgaben der Haushalte haben sich „deutlicher erholt“, statt nur noch „moderat zu wachsen“. Und die Baubeginne „erholen sich“, statt auf einem „niedrigem Niveau zu verweilen“, befinden sich aber trotzdem noch auf einem niedrigen Level (die Übersetzung des Fed-Statement finden Sie weiter unten).
 
Fed auf den bekannten Samtpfoten
 
Die Fed bleibt weiterhin höchst vorsichtig und zeichnet von Statement zu Statement ein ganz leicht verbessertes Bild. Wie ich hier schon geschrieben habe,ist dies eine Politik auf Samtpfoten.
 
Und natürlich bleiben die US-Leitzinsen bei 0 bis 0,25 %, und wiederum stimmte lediglich der Falke Thomas M. Hoenig für eine Zinserhöhung.
 
Märkte beruhigen sich zunächst
 
Die Märkte zeigten sich nach diesem Statement beruhigt und wenn Sie sich die US-Indizes ansehen, bestätigt sich das, was ich gestern bereits vermutet habe: Die Amerikaner interessieren sich nicht wirklich für die Probleme in Griechenland und Portugal. Gestern schon erholte sich der US-Markt, heute sogar entsprechend deutlicher.
 
War es das nun schon wieder?
 
Schon sind die dunklen Wolken der letzten beiden Tage verflogen, und es wird kräftig eingekauft. Einzelne Aktien im DAX können zum Teil 2 – 5 % zulegen. Wie gesagt, so schnell kann aus einer Konsolidierung eine neue Aufwärtstrendbewegung werden. Die Shorties werden heute bereits ins Schwitzen geraten. Doch noch ist die Kuh nicht vom Eis, jedenfalls aus charttechnischer Sicht.
 
Droht eine zweite Abwärtswelle?
 
Noch kann diese positive Entwicklung des DAX lediglich eine technische Gegenreaktion nach dem Schlachtfest der letzten Tage gewesen sein. Die aktuelle Aufwärtsbewegung wäre in diesem Fall nichts weiter als eine Flagge, der noch ein weiterer Abverkauf folgt:

 
Flaggen (siehe rote Linie) tauchen in Abwärtsbewegungen gerne in der Mitte auf. Mit den beiden senkrechten, schmalen Rechtecken habe ich die entsprechenden Spannen gekennzeichnet.
 
Sollte es sich bei der aktuellen Kursbewegung tatsächlich um eine Flagge handeln, würde ein Rutsch in den Unterstützungsbereich (hier grün eingezeichnet) bei ca. 5.820 – 5.890 Punkten drohen. Erstes bearishes Signal hierzu wäre der Bruch der roten Aufwärtstrendlinie. Bestätigt würde dieses Signal beim Bruch des letzten Tiefs bei 6.024 Punkten.
 
Bullisher wird es, wenn der  6.137er Widerstand nachhaltig zurückerobert wird. Doch wirklich bestätigt würde diese positive Entwicklung erst, wenn sich ein neues Hoch ausbildet.
 
Aus charttechnischer Sicht haben wir es damit mit einer Patt-Situation zu tun.
 
Zum Schluss noch ein Gerücht:
 
Gerade kommt das Gerücht auf, dass ein griechischer Offizieller behauptet hätte, eine Vereinbarung mit der EU/IWF stehe unmittelbar bevor. Das könnte den Markt natürlich weiter unterstützen.
 
 
Viele Grüße
 
Jochen Steffens

Übersetzung des Fed-Statements
 
„Die Informationen, die seit dem letzten FOMC-Treffen im März eingegangen sind, legen nahe, dass sich die wirtschaftliche Aktivität weiter gefestigt hat, und dass sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern beginnt. Die Ausgaben der Haushalte haben sich in letzter Zeit erholt, auch wenn sie weiterhin durch den schwachen Arbeitsmarkt, ein moderates Einkommenswachstum, geringeres Immobilienvermögen und verschärfte Kreditbedingungen belastet sind. Die Unternehmensinvestitionen im Bereich Equipment und Software sind signifikant angestiegen; allerdings gehen die Investitionen in Gewerbeimmobilien zurück, und die Arbeitgeber zeigen sich zurückhaltend bei der Schaffung neuer Stellen. Die Baubeginne haben sich zwar erholt, verbleiben jedoch auf einem niedrigen Level. Während sich die Kreditvergabe der Banken weiterhin verringert, unterstützen die Finanzmarktbedingungen nach wie vor wirtschaftliches Wachstum. Obwohl das Tempo der wirtschaftlichen Erholung noch eine Zeitlang moderat bleiben wird, erwartet der Ausschuss eine schrittweise Rückkehr zu höheren Niveaus der Kapazitätsauslastung in einem Umfeld der Preisstabilität.
  
Da der erhebliche Nachfragerückgang den Kostendruck und die langfristigen Inflationserwartungen eindämmt, wird die Inflation voraussichtlich für einige Zeit niedrig bleiben.
 
Der Ausschuss wird das Zielband für den Leitzins bei 0 bis 1 / 4 Prozent beibehalten und geht weiterhin davon aus, dass die wirtschaftlichen Bedingungen, einschließlich der niedrigen Kapazitätsauslastung, der gedämpften Inflationtrends und der stabilen Inflationserwartungen, das außergewöhnlich niedrige Level der Leitzinsen über eine längere Periode rechtfertigen. Der Ausschuss wird damit fortfahren, den wirtschaftlichen Ausblick und die finanziellen Entwicklungen zu beobachten und ihre geldpolitischen Instrumente die notwendig sind, die wirtschaftliche Erholung zu fördern und die Preisstabilität zu gewährleisten, entsprechend anwenden. [...]"  

US-Konjunkturdaten
von Jochen Steffens
In den USA sind die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe um 11.000 auf 448.000 gesunken. Das entspricht in etwa dem Wert mit dem die Analysten gerechnet hatten. Dieser lag bei 445.000 Erstanträgen.

 

Wir sehen, dass zumindest der Aufwärtstrend bei den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe erneut verlassen wurde. Da die Fed mittlerweile von einer Verbesserung auf dem US-Arbeitsmarkt spricht, können wir davon ausgehen, dass sich diese auch bei den nächsten Werten deutlicher abzeichnet. Etwa seltsam ist, dass sich die Auswirkungen der Volkszählung in den USA noch nicht zeigen.

Sharewise Sentiment
von Jochen Steffens
 
 
Vor zwei Wochen hatte ich geschrieben, dass die Stimmung mit 57 % Bullen sich den Bereichen nähert, in denen Zwischenhochs entstehen (Zwischen 60 und 70 %). Letzte Woche konnte ich das Sharewise Sentiment nicht erstellen, da ich auf der Invest gewesen bin (das Sharewise Sentiment wird in dieser Art nur exklusiv im Steffens Daily vorgestellt).
Letzte Woche stieg der Bullenanteil auf 61 % und notierte damit tatsächlich wieder im gefährlichen Bereich. Es kam, wie es kommen musste, der Markt brach ein. Mit der Konsolidierung hat sich der Bullenanteil nun wieder auf moderate 54 % zurückgezogen. Eigentlich wäre es bullisher, wenn dieser Wert auch noch unter die 50 % Marke fallen würde. Das spricht tendenziell für eine weitere Abwärtsbewegung, da der Markt offensichtlich noch nicht ausreichend bereinigt ist.
 

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