Der Chart der Woche

 
 
Der Chart der Woche
von Jochen Steffens

Wir sind, was die Schuldenkrise in Europa anbetrifft, immer noch nicht übern Berg. Um es einmal salopp zu sagen. Heute Morgen beispielsweise kam die Meldung über die Ticker, dass sich der CDS-Spread von Portugal kräftig ausweitet (die Ausfallprämien höher werden). Etwas später reagierten die ersten Nachrichtenagenturen und titelten, dass sich die Schuldenkrise in der EU weiter zuspitze.
 
Natürlich zeigten sich diese Nachrichten im Euro, der in den letzten beiden Handelstagen zum US-Dollar wieder deutlicher abgegeben hat. Ich hatte bereits geschrieben, dass der Euro nicht geliefert hat und dass man vorsichtig werden müsse. Aktuell zeigt sich das Bild wie folgt:
 
 
 
Wir haben jetzt eine (rote) Abwärtstrendlinie, die auf der rechten Seite gleich zwei- bis dreimal getestet wurde. Ein Hinweis auf eine gewisse Relevanz. Ein erstes bullishes Zeichen wäre es, wenn diese rote Abwärtstrendlinie nach oben überwunden wird. Doch eigentlich muss der Euro über den hier grün eingezeichneten Widerstandsbereich. Erst das wäre ein Hinweis auf eine Entspannung der aktuellen Situation in der EU. Mit der Nachricht, die ich Ihnen am Ende des Textes vorstelle, muss man sich sogar fragen, ob die Ausweitung der CDS-Spreads nicht auch noch eine andere Ursache hatte. Dazu aber später mehr. Der Chart der Woche ist dieser Euro Chart aber natürlich nicht!
 
Der Chart der Woche

Dafür hat sich eindeutig ein anderer Chart qualifiziert:



Ich weiß, Sie würden es mir nicht glauben, wenn ich diesen Chart mit diesem Target nicht schon seit Wochen immer wieder vorgestellt hätte: Der DAX hat heute genau die Mitte des gelben Beta-Targets getroffen.
 
Das bedeutet: Genau am richtigen Tag (zeitliche Mitte) und genau das richtige Niveau – wie man sieht. Eine perfekte und fast unglaubliche Punktlandung, die ich bis 16.00 Uhr selbst nicht mehr erwartet hätte, wenn ich ehrlich bin. Und das, obwohl es sich „nur“ um ein Beta-Target, also ein Target mit geringerer Relevanz gehandelt hat. Ein erneuter Beleg für die hohe Relevanz der Target-Trend-Methode. Und keine Frage, dieser DAX-Chart hat sich damit eindeutig als Chart der Woche qualifiziert.
 
Die nächsten Tage sind aus Sicht der Target-Trend-Methode entscheidend

Für den weiteren Verlauf wird nun interessant, ob das Target weiter durchlaufen wird, oder ob es sich bei dem heutigen Abverkauf nur um einen kurzen Spike in das Target hinein handelt. Das werden wir erst am Montag / Dienstag wissen.
 
Gefährlich wird es, wenn der DAX jetzt, ohne vorher die obere Rechteckkante bei 6.363 Punkten erreicht zu haben, wieder auf beziehungsweise unter die Mittellinie des Rechtecks fällt (blau gestrichelte Linie). Das wäre ein Zeichen von Schwäche und könnte eine Konsolidierung nach sich ziehen. Aber gut, soweit sind wir noch nicht. 
 
Die Auslöser
 
Den ersten Tritt in die Kniekehle erhielt der Markt, als um 15.55 Uhr der Konsumklima-Index der Uni Michigan enttäuschte:
 
Der Index ist von zuvor 73,6 Punkten auf nun 69,5 Punkte im April gesunken. Analysten hatten hingegen mit einem Anstieg auf 75 Punkte gerechnet.
 
Begründet wird dieser unerwartete Rückgang mit der Sorge vor Arbeitsplatzverlust und finanziellen Problemen der Konsumenten. Der Konsumklima-Index ist ein wichtiger Indikator für das weitere Konsumverhalten der US-Bürger. Auch hier zeichnet sich somit wieder eine deutliche Verschlechterung ab, die kritisch zu werten ist.
 
Der eigentlich Knock Out
 
Doch der eigentlich Knock out des Marktes hing mit der Nachricht zusammen, dass die US-Börsenaufsicht SEC die Investmentbank Goldman Sachs mit dem Vorwurf des Betruges belastet. Goldmann Sachs soll Investoren gegenüber falsche Angaben über wichtige Geschäftsbeziehungen im Zusammenhang mit einem CDO-Fonds im Hypothekenbereich gemacht haben.

Anscheinend hat Goldman Sachs Anleger nicht darüber informiert, dass einer der größten Hedge-Fonds der Welt, Paulson & Co, eine entscheidende Rolle bei der Zusammensetzung der Portfolios gespielt hat, während dieser Fonds gleichzeitig genau gegen diese Positionen wettete. John Paulson, Gründer und Präsident dieses Hedge-Fonds war einer der wenigen, die während der Subprime-Krise Milliardengewinne machte und aus diesem Grund zum Star der Hedge-Fonds-Branche avancierte. Offensichtlich ist da aber wohl etwas nicht ganz mit rechten Dingen abgelaufen. Sehr unschöne Beschuldigungen.
 
Interessant wird es damit noch einmal am Dienstag, wenn Goldman Sachs seine Zahlen meldet.
 
Im DAX brachen nach dieser Nachricht besonders Bankenwerte ein, wie zum Beispiel die Deutsche Bank mit einem Minus von 7,2 % zum Handelsschluss. Der DAX schloss mit einem Minus von 1,76 %. Die Reaktion dürfte wahrscheinlich übertrieben sein, doch steht natürlich hinter diesen Kursverlusten die Sorge vor einer erneuten Ausweitung der Finanzkrise.
 
Viele Grüße
 
Jochen Steffens

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